mini|Henry d’Arles – Une tempête (1756). Musée des Beaux-Arts, Marseille Jean Henry, Henry d’Arles genannt (* 13. Februar 1733 in Arles; † 14. September 1784 in Marseille), war ein französischer Maler. Er gilt als einer der bedeutendsten provenzalischen Marine- und Landschaftsmaler des 18. Jahrhunderts und steht in der Tradition von Claude Joseph Vernet.
Leben Jean Henry war der Sohn eines Angestellten im Steuerbüro (bureau des fermes) von Arles. Er wurde dem Maler Jean-Joseph Kapeller vorgestellt, der nach Arles gekommen war, um den Salon des Hôtel des fermes auszumalen. Kapeller erkannte Henrys Talent, nahm ihn mit nach Marseille und integrierte ihn in die 1752 von Michel-François Dandré-Bardon gegründete Académie de peinture et de sculpture de Marseille. 1753 gewann Henry den ersten Preis im Gründungswettbewerb dieser Akademie.
Im selben Jahr kam Joseph Vernet nach Marseille, um im Auftrag der französischen Krone eine Ansicht des Hafens für seine Werkserie Ports de France zu malen. Henry wurde als Assistent für diese Arbeit ausgewählt, was sich als prägend für seine weitere künstlerische Laufbahn erwies. Die enge stilistische Anlehnung an Vernet brachte ihm den Beinamen singe de Vernet (Vernets Affe) ein. Mehrere Quellen bezeichnen diese Bezeichnung jedoch als übertrieben, da Henrys Werk auch eigenständige Züge zeigt.
Mit Unterstützung des Marseiller Geldgebers Jean-Baptiste Rey konnte Henry anschließend zwei Jahre in Rom verbringen. Nach seiner Rückkehr nach Marseille im Jahr 1755 wurde er als agréé in die dortige Akademie aufgenommen. Im Jahr 1756 erfolgte seine Aufnahme als Vollmitglied mit dem Aufnahmestück Une tempête, das sich heute im Musée des Beaux-Arts de Marseille befindet. 1776 wurde er als Nachfolger von Zirio zum Professor der Akademie ernannt. Jean Henry starb 1784 im Alter von 50 Jahren in Marseille an den Folgen einer Operation.
Werk mini|Henry d’Arles – Magasin de blé au bord du Tibre (Getreidelager am Ufer des Tiber). Musée des Beaux-Arts de Carcassonne Jean Henrys Œuvre umfasst vor allem Marinebilder und Landschaften, daneben auch mythologische Sujets und Genreszenen. Stilistisch orientierte er sich eng an Joseph Vernet und übernahm dessen Manier der Darstellung von Stürmen, Schiffbrüchen und Hafenszenen. Im Gegensatz zu Vernet stellte Henry die Bewegung des Meeres sanfter und ruhiger dar. Vernets Wellengang wirkt hingegen bewegter und heftiger.
Zu seinen bekannten Werken zählt das 1756 entstandene Aufnahmestück Une tempête für die Marseiller Akademie. Weitere mythologische Landschaftsbilder sind Leda und der Schwan und Pan und Syrinx, die sich beide im Musée des Beaux-Arts de Marseille befinden. Daneben schuf Henry zahlreiche Hafen- und Küstenansichten sowie Ruinenlandschaften im Stil der Capriccios, in denen er häufig antike Architekturelemente mit zeitgenössischen Figurenszenen – beispielsweise mit Fischern, Hirten und Soldaten – kombinierte.
Werke Jean Henrys befinden sich unter anderem in folgenden Museen: Musée Granet in Aix-en-Provence, Musée des Beaux-Arts in Carcassonne, Musée de peinture et de sculpture in Grenoble, Musée d’art moderne André Malraux in Le Havre, Musée des Beaux-Arts in Marseille, Musée Ingres Bourdelle in Montauban, Musée d’Art de Toulon in Toulon und Musée des Beaux-Arts in Valence.
Literatur André Alauzen: Dictionnaire des peintres-graveurs provençaux 1880–1950. Jeanne Laffitte, Marseille, 1986. Marion V. Brewington: Marine Paintings and Drawings in the New Bedford Whaling Museum. New Bedford Whaling Museum, New Bedford, 1982. Emmanuel Bénézit: Dictionnaire critique et documentaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs. Band 6, Gründ, Paris, 2006. Charles du Peloux: Dictionnaire biographique et bibliographique des peintres et graveurs de l’École de Fontainebleau. Band 1, Librairie de l’Art Ancien et Moderne, Paris, 1930. Dictionnaire de biographie française. Band 17, Letouzey et Ané, Paris, 1989.
Jean Henry (dit Henri d’Arles). In: Allgemeines Künstlerlexikon Online. De Gruyter, Berlin/Boston, 2009 ff. Pierre Sanchez: Dictionnaire des artistes exposant dans les salons. Band 2, L’Échelle de Jacob, Dijon, 2004. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 6: Gémignani – Herring. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter 2009.
Weblinks
Catalogue raisonné du peintre de marine Jean Henry dit Henry d’Arles (1733-1784) MutualArt
Einzelnachweise
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