mini|Teilansicht von Bozen-Dorf (im Vordergrund) von Osten mini|hochkant|Seite aus dem Adressbuch Bozen-Gries von 1920 mit dem Beginn des Eintrags zum Dorf Das sogenannte Dorf (auch Bozen-Dorf; ) ist eine historische Ortslage von Bozen, Teil der Katastralgemeinde Zwölfmalgreien, und bis heute gängige Bezeichnung einer nördlich der Bozner Altstadt gelegenen Gegend am Hangfuß des Rittner Bergs, die sich in etwa zwischen St. Johann im Dorf, Schloss Maretsch und dem Ansitz Compil erstreckt.
Historisch handelt es sich um den ältesten vorstädtischen Bozner Siedlungskern, der bereits um 1173/77 als „forum in loco qui Uilla dicitur iuxta fluvium molendinorum“ – also als Marktplatz im Dorf nahe dem Mühlbach – in einer Traditionsnotiz des Klosters Biburg urkundlich bezeugt ist und damit zeitlich der im ausgehenden 12. Jahrhundert planmäßig gegründeten urbanen Marktsiedlung der Bozner Lauben vorausgeht. Ein eigenes dorfgericht mit für die Bewohner zuständiger Gerichtsbarkeit ist 1273 und 1277 bezeugt.Otto Stolz: Politisch-historische Landesbeschreibung von Südtirol (= Schlern-Schriften. Band 40). Wagner, Innsbruck 1937–1939, S. 248 (Digitalisat).
Der exakte Umfang des Dorfs lässt sich nicht leicht bestimmen; laut Richard Staffler gehören zu ihm die tiefliegenden Teile des Viertels St. Peter (also ohne die Höfe an der Berglehne) sowie das Viertel St. Johann.Richard Staffler: Die Hofnamen von Zwölfmalgreien und Leifers (= Bozner Jahrbuch für Geschichte, Kultur und Kunst 1952). Innsbruck: Wagner 1952, S. 15–34 u. 35–46. In der Landgerichtsordnung von Gries-Bozen von 1487 gelten die Leute von sand Peter, sand Johanns, die aus dem Oberndorff vnd die der Zolstang als ein Viertel, die für das militärische Aufgebot herangezogen werden können; als Hauptleute fungierten Jörg Mändl bzw. Cristl Zimmermann, Versammlungsort war die Kirche von St. Johann.
In einem Reiseführer von 1868 heißt es: „Zu Füssen [von St. Anton] zwischen Weinbergen liegt das ‚Dorf‘ mit den Ansitzen Gerstburg, Campill, Prakenstein, Hörtenberg, Lindenburg und Payersberg.“Josef von Trentinaglia-Telvenburg: Bozen mit seiner näheren und weiteren Umgebung. Handbüchlein für Touristen. A. Weger, Brixen 1868, S. 14–16 (Digitalisat).
Das Bozner Adressbuch von 1920 listet 59 dem Dorf zugehörige Häuser und Höfe auf.Adress-Buch der Stadt Bozen und der Marktgemeinde Gries. Band 13. Tyrolia, Bozen 1920, S. 69 (Digitalisat).
Das Dorf existiert heute auch als Straßenname im Dorf, ein kurzer Abzweig der Selig-Heinrich-Straße, der aber nur einen kleinen Teil des so bezeichneten Gebiets abdeckt.
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Einzelnachweise
Kategorie:Geschichte Bozens Kategorie:Ersterwähnung 1173 Kategorie:Geographie (Bozen) Kategorie:Ort in Südtirol