mini|Edward Denny Bacon (1891)

Sir Edward Denny Bacon KCVO (* 29. August 1860 in Stockwell, Surrey; † 5. Juni 1938 in South Croydon, Surrey) war ein britischer Philatelist, philatelistischer Autor, Sammler, Bibliograf und Kurator. Er ordnete und beschrieb die Tapling Collection für das British Museum, katalogisierte die philatelistische Bibliothek des Earl of Crawford und war von 1913 bis 1938 Kurator beziehungsweise Keeper der Royal Philatelic Collection. Von 1917 bis 1923 war er Präsident der Royal Philatelic Society London. 1921 gehörte er zu den ersten Unterzeichnern der Roll of Distinguished Philatelists.

Leben Bacon wurde am 29. August 1860 in Stockwell geboren. Sein Vater hieß ebenfalls Edward Bacon; der Name Denny war der Geburtsname seiner Mutter. Innerhalb der Familie wurde er daher „Denny“ genannt, um ihn von seinem Vater zu unterscheiden. In seinen philatelistischen und geschäftlichen Kontakten trat er meist als E. D. Bacon auf; auf frühen Visitenkarten verwendete er die Form E. Denny Bacon, gegen Ende seines Lebens auch Edward D. Bacon.

Bacon stammte aus einer großen Familie. Er hatte fünf Brüder und drei Schwestern. Sein Vater war als Getreidehändler in der City of London tätig. Die Familie lebte zunächst in Stockwell, später in Brixton, Romford, Upminster und schließlich in Ilford Hall in Ilford.

Am 28. Juli 1885 heiratete Bacon Alice Jane Atkins in der Pfarrkirche von Coston in Norfolk. Das Paar lebte zunächst in Ilford und hatte drei Kinder: Donald Victor Bacon, Barbara Alice Joan Bacon und Beatrice Olive Constance Bacon. Barbara Alice Joan starb 1897 im Kindesalter; Bacons Ehefrau Alice starb 1902. Ende 1904 zog Bacon mit seinen beiden überlebenden Kindern in das Haus The Gables, 12 Croham Park Avenue, South Croydon, das bis zu seinem Tod sein Wohnsitz blieb.

Nach seiner Ausbildung arbeitete Bacon im Geschäft seines Vaters. Später war er mit William Smith Hastings als malt factor in der Firma Bacon & Hastings tätig, die ein Büro in der Seething Lane in der City of London hatte. Die Partnerschaft wurde zum 31. Dezember 1895 aufgelöst. Danach widmete Bacon sich hauptberuflich der Philatelie.

Bacon starb am 5. Juni 1938 in South Croydon. Nach Negus war er am 29. Mai noch wie üblich im Buckingham Palace tätig gewesen; wenige Tage später verschlechterte sich sein Gesundheitszustand mit Symptomen einer schweren Pneumonie. Sein Nachlass wurde in den Probate Records mit knapp 27.250 Pfund angegeben.

Eigene Sammlungen Bacon begann nach eigener späterer Erinnerung im Alter von sieben Jahren als allgemeiner Briefmarkensammler. Diese Sammlung führte er bis in sein frühes Erwachsenenalter fort. Danach behielt er vor allem sein japanisches Material und begann, Ganzsachen, insbesondere Postkarten, zu sammeln.

Seine Japan-Sammlung umfasste Briefmarken, Umschläge und Postkarten. Sie enthielt zahlreiche vollständige Bogen, bekannte Abarten und Farbnuancen und wurde auf der London International Exhibition von 1890 gezeigt. Nach Negus galt sie zu dieser Zeit als eine der bedeutendsten Japan-Sammlungen. Kurz nach der Ausstellung verkaufte Bacon sie an Philipp von Ferrary. Seine Sammlung von Ganzsachen-Postkarten gelangte an Thomas Tapling und wurde später Teil der Tapling Collection in der philatelistischen Sammlung der British Library.

Nach der Aufgabe seiner großen Japan-Sammlung bildete Bacon kleinere Forschungssammlungen, unter anderem zu St. Lucia, Türkei, Nyasaland, Antioquia und den Marken der Pacific Steam Navigation Company. Diese Sammlungen dienten vor allem als Grundlage für philatelistische Veröffentlichungen.

Royal Philatelic Society London und Expert Committee Bacon beantragte am 11. Mai 1880 die Aufnahme in die Philatelic Society, London, die spätere Royal Philatelic Society London. Bereits im folgenden Jahr übernahm er mit der Tätigkeit als gemeinsamer Rechnungsprüfer erste Aufgaben für die Gesellschaft. 1882 wurde er in das Komitee gewählt, 1885 übernahm er das Amt des Schatzmeisters und im selben Jahr zusätzlich das Amt des Sekretärs. 1917 wurde Bacon zum Präsidenten der Royal Philatelic Society London gewählt. Wegen gesundheitlicher Probleme und der Belastung durch seine übrigen philatelistischen Aufgaben trat er im Januar 1923 zurück.

Eine besondere Rolle spielte Bacon bei der Entstehung der philatelistischen Echtheitsprüfung der Gesellschaft. Nachdem in The London Philatelist über gefährliche Fälschungen berichtet worden war, schlug Bacon Ende 1893 die Einrichtung eines Expert Committee vor. Das Komitee nahm 1894 seine Arbeit auf. Die ersten Mitglieder waren Bacon als Vorsitzender, Marcellus Purnell Castle und Edward B. Evans. Die heutige RPSL Limited beschreibt die Einsetzung des Komitees ebenfalls als Reaktion auf zunehmende Fälschungen und nennt Bacon als Vorsitzenden des ursprünglichen dreiköpfigen Ausschusses.

Bacon blieb bis 1926 Vorsitzender des Expert Committee und unterstützte dessen Arbeit danach bis zu seinem Tod beratend. 1924 regte er angesichts der wachsenden Zahl neuer Ausgaben an, die Tätigkeit des Expert Committee auf Marken zu beschränken, die bis zum 31. Dezember 1913 ausgegeben worden waren.

Bacon war außerdem 1909 erster Präsident der Philatelic Literature Society, die sich der Sammlung und Erforschung philatelistischer Literatur widmete. Er blieb bis 1914 in diesem Amt. Er war zudem mit der Fiscal Philatelic Society verbunden und veröffentlichte auch zu fiskalphilatelistischen Themen.

Tapling Collection und British Museum Nach dem Tod von Thomas Tapling im Jahr 1891 wurde dessen Sammlung dem British Museum vermacht. Bacon, der Tapling beim Aufbau der Sammlung unterstützt hatte, wurde von den Trustees des Museums mit der Ordnung, Montage und Beschreibung des Materials beauftragt.

Die Sammlung war bei der Übergabe an das British Museum in drei großen Holzkisten und einem großen Tresor untergebracht. Bacon begann am 21. Mai 1892 mit der Arbeit an ihr und rechnete zunächst damit, sie erst um die Jahrhundertwende abschließen zu können. Ab 1895 erhielt er Unterstützung durch Jane Hamilton. Bacons letzter Arbeitstag an der ursprünglichen Ordnung der Tapling Collection war der 13. September 1899.

Bei einer Führung durch die Tapling Collection während der London International Exhibition von 1906 erklärte Bacon, dass nur wenige Länder von Tapling selbst endgültig angeordnet worden seien. Bacon führte Taplings System fort, Briefmarken und Blocks auf weiße Karten mit roter Umrandung zu montieren. Nach Bacons damaliger Beschreibung füllten die Klebemarken 1104 Schieber, während weitere Schieber frühe Ganzsachen, Umschläge und Postkarten enthielten.

Bacon blieb auch nach Abschluss dieser Arbeit philatelistischer Berater der Trustees des British Museum. Nach Negus war er von 1892 bis zu seinem Tod 1938 Philatelic Adviser to the Trustees of the British Museum. Er schenkte dem Museum außerdem eigenes philatelistisches Material; dazu gehörten auch Stücke aus seiner Ganzsachensammlung.

Crawford Library Zu Bacons bedeutendsten bibliografischen Leistungen gehört der Katalog der philatelistischen Bibliothek des Earl of Crawford. Die Grundlage dieser Bibliothek war die Sammlung philatelistischer Literatur von John K. Tiffany, die Crawford 1901 erwarb und anschließend erheblich erweiterte.

Bacon arbeitete etwa zehn Jahre an der Katalogisierung der Crawford Library. 1911 erschien das Ergebnis als Band VII der Bibliotheca Lindesiana unter dem Titel A Bibliography of the Writings General, Special and Periodical Forming the Literature of Philately sowie im selben Jahr als Catalogue of the Philatelic Library of the Earl of Crawford, K.T. bei der Philatelic Literature Society. Die Smithsonian Libraries führen Bacon neben dem Earl of Crawford, John K. Tiffany, der Philatelic Literature Society und dem British Museum als an dem Werk beteiligte Person beziehungsweise Institution.

Die Crawford Library wurde nach dem Tod des Earl of Crawford dem British Museum vermacht und befindet sich heute in der British Library. David R. Beech bezeichnete Bacons Katalogisierung der Crawford Library 2016 als einen der großen Beiträge zur philatelistischen Literatur. Ein Supplement zum Katalog erschien 1926; weitere Addenda veröffentlichte Bacon 1938 im London Philatelist.

Arbeit für Henry Duveen Bacon arbeitete auch für den amerikanischen Sammler Henry J. Duveen. Dieser hatte seine Sammlung 1901 seiner Ehefrau Dora Charlotte Duveen geschenkt; sie wurde danach als Sammlung Mrs. Duveen bekannt. Bacon prüfte die Stücke, wies reparierte oder gefälschte Exemplare zurück und ordnete die Sammlung nach hohen Maßstäben der Erhaltung und Darstellung.

Royal Philatelic Collection Nach dem Tod von John Alexander Tilleard im September 1913 wurde Bacon von König Georg V. zum Kurator der Royal Philatelic Collection berufen. Die American Philatelic Society beschreibt seine Tätigkeit als Neuordnung der Sammlung Georgs V.; Bacon konzentrierte sie auf Großbritannien, Kolonien und Dominions. Nach Angaben des Postal Museum ernannte Georg V. Bacon 1913 zum Kurator seiner persönlichen Briefmarkensammlung; Bacon unterstützte den König anschließend 25 Jahre lang beim Ausbau der Sammlung.

Bacon reiste regelmäßig von South Croydon zum Buckingham Palace, um die Sammlung zu ordnen, Ankäufe vorzubereiten, philatelistisches Material von Postverwaltungen entgegenzunehmen und in Alben zu montieren. Nach Nicholas Courtneys Darstellung arbeitete er zwei- bis dreimal wöchentlich im Palast an der Sammlung.

Während des Ersten Weltkriegs wurde die philatelistische Arbeit im Stamp Room des Buckingham Palace für Georg V. zu einem wichtigen Rückzugsraum. Bacon entwickelte dabei eine enge Arbeitsbeziehung zum König. Nach dem Tod Georgs V. im Januar 1936 setzte Bacon seine Tätigkeit zunächst unter Eduard VIII. und anschließend unter Georg VI. fort.

Bacon kündigte im April 1938 seinen Rücktritt zum 1. September desselben Jahres an. Als Nachfolger wurde John Wilson vorgesehen, der bereits Präsident der Royal Philatelic Society London und Vorsitzender ihres Expert Committee war. Bacon starb jedoch vor dem geplanten Ruhestand.

Forschung und Veröffentlichungen Bacon war besonders an Druck-, Herstellungs- und Literaturfragen interessiert. Er arbeitete eng mit Perkins, Bacon & Co. zusammen, ohne mit der Firma verwandt zu sein. Nach Negus forschte er über Jahre in den Unterlagen des Unternehmens zu Druck, Zähnung und Auslieferung von Briefmarken. Sein zweibändiges Werk The Line-Engraved Postage Stamps of Great Britain Printed by Perkins, Bacon & Co. von 1920 beruhte maßgeblich auf diesen Firmenunterlagen und erschien mit Unterstützung des Unternehmens.

Nach Angaben der APS galt dieses Werk als Bacons bekannteste Veröffentlichung und wurde 1921 mit der Crawford-Medaille ausgezeichnet. Die ABPS bestätigt ebenfalls die Crawford-Medaille für dieses Werk und nennt außerdem mehrere weitere zentrale Veröffentlichungen Bacons, darunter Reprints of Postal Adhesive Stamps and Their Characteristics, The Postage Stamps of the Turks Islands sowie seine Arbeiten zu St. Vincent, Barbados und Grenada.

Bacon besaß eine umfangreiche philatelistische Bibliothek. 1897 gab er in einem Interview mit The Philatelic Record an, seine Bibliothek umfasse etwa 700 Bände und sei dennoch weit von Vollständigkeit entfernt. Zur Unterstützung seiner eigenen Arbeiten legte er einen umfangreichen Zettelkatalog zu Zeitschriftenartikeln an, der nach Ländern und Themen geordnet war.

Auszeichnungen und Ehrungen Bacon erhielt 1906 die erste Lindenberg-Medaille des Berliner Philatelisten-Klubs. Während des Ersten Weltkriegs gab Bacon die Medaille zusammen mit weiteren britischen Philatelisten aus patriotischen Gründen zurück, nahm sie 1931 jedoch wieder an.