Die Entscheidung des Tilman Riemenschneider ist ein Fernsehfilm von Bodo von Schweykowski von 1954. Er war der erste längere Spielfilm des Deutschen Fernsehfunks der DDR.

Handlung Im ersten Akt werden die privilegierte Position von Tilman Riemenschneider als Mitglied des Würzburger Stadtrats und anerkannter Holzschnitzer hervorragender Bildwerke gezeigt. Im zweiten Akt kommt es zu Konflikten, nachdem er sich mit den aufständischen Bauern von 1525 solidarisiert und einige nach deren Niederlage in sein Haus aufnimmt, um sie zu schützen. Der dritte Akt zeigt seine Verhaftung und Folterung, bei der ihm die Daumen zerquetscht werden, damit er nicht mehr schnitzen kann.

Hintergründe Ende 1952 wurde der Deutsche Fernsehfunk in Berlin-Adlershof gegründet, der jedoch auf Grund von Wirtschaftssanktionen nur eingeschränkte technische Ausrüstung besaß.University Histories; 1953 gab es nur etwa 600 Fernsehgeräte in der DDR.Fernsehen (1979), in Kommunismusgeschichte

Der Bildschnitzer Tilman Riemenschneider wurde auf Grund seines Einsatzes für die Bauern im Bauernkrieg von 1525 und seinen schweren persönlichen Konsequenzen (auch eines Verlustes des größten Teils seines Vermögens) in der frühen DDR gewürdigt, in einem Prozess, bei dem auch andere historische Persönlichkeiten wie Goethe, Beethoven und Thomas Müntzer zu Vorkämpfern für eine fortschrittlichere gesellschaftliche Ordnung neben die sozialistischen Helden gestellt wurden.Séan Alan, Screening Arts. Modernist Aesthetics and the Socialist Imaginary in East German Cinema, Berghahn, New York/Oxford 2019, p. 73 Ein Auslöser war auch dessen hervorgehobene Erwähnung durch Thomas Mann in dessen berühmter Rede Deutschland und die Deutschen von 1945.Séan Alan, Screening Arts. Modernist Aesthetics and the Socialist Imaginary in East German Cinema, Berghahn, New York/Oxford 2019, p. 74; weist ausdrücklich auf diese Vorgeschichte der DDR-Riemenschneider-Filme hin; siehe Deutschland und die Deutschen (Kapitel 2) Projekt Gutenberg, 11. Absatz, mit einer ausführlichen historischen Würdigung

Die Entscheidung des Tilman Riemenschneider war eine Studioproduktion, mit aufwändigen Kulissen vom Würzburg des 16. Jahrhunderts, seiner Bildhauerwerkstatt und dem Kerker. Der Dramaturg Hans Müncheberg hatte vorher bei der DEFA gearbeitet, die Hauptdarsteller kamen von Theatern. Die historischen Ereignisse wurden verhältnismäßig genau rekonstruiert, es wurden aber seine angeblichen klassenkämpferischen Ansichten überhöht, sein Widerstand im Kerker unhistorisch heroisiert und seine tiefe Frömmigkeit weggelassen.

Der Film wurde am Sonntag, den 12. September 1954 erstmals im Deutschen Fernsehfunk ausgestrahlt.Sabine Schwab, Thomas Wilke, Fiktionale Geschichtssendungen im DDR-Fernsehen, Band 2, Leipziger Universitätsverlag 2007, S. 88 (kurzer Auszug), mit filmografischen Angaben Die Aufzeichnung ist im Filmarchiv des Bundesarchivs erhalten. 1958 entstand der DEFA-Film Tilman Riemenschneider.

Literatur Unser Rundfunk, 38/1954. S. 18, Rezension mit Foto

Weblinks Die Entscheidung des Tilman Riemenschneider Fernsehen der DDR (Memento)

Einzelnachweise

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