Heinrich Drost (* 20. Juni 1898 in Birkenfeld; † 19. Januar 1956 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Rechtswissenschaftler und Hochschullehrer.Drost, Heinrich. In: Otto Wenig (Hrsg.): Verzeichnis der Professoren und Dozenten der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn 1818–1968. Bouvier, Bonn 1968, S. 59. Außerdem die Arbeiten von Sebastian Felz unter: Literatur.
Leben und Wirken Heinrich Drost studierte nach dem Schulbesuch in Jever und Oldenburg und dem Kriegsdienst von 1915 bis 1919 während des Ersten Weltkriegs Rechtswissenschaft und Philosophie an den Universitäten Heidelberg, Tübingen, Leipzig, Göttingen und Kiel. Ende 1921 legte er an der Universität Göttingen das erste juristische Staatsexamen ab und promovierte 1922 zum Dr. jur. mit einer Dissertation über "Das Verordnungsrecht des Deutschen Reiches". Anschließend war er Rechtsreferendar und absolvierte 1925 das zweite juristische Staatsexamen. 1926 schloss er sich der Freimaurerloge Zur Weltkugel an, der er bis 1933 angehörte. Ferner war er Mitglied der nationalliberalen Deutschen Volkspartei.Michael Grüttner: Ausgegrenzt. Entlassungen an den deutschen Universitäten im Nationalsozialismus, de Gruyter, Berlin/Boston 2023, S. 83.
Bis 1927 war er als Rechtsassessor im Reichswirtschaftsministerium tätig und anschließend als Rechtsanwalt in Berlin. Im Jahre 1929 habilitierte er sich an der Universität Bonn; seine Lehrbefugnis umfasste die Gebiete des Straf- und Strafprozessrecht sowie die Rechtsphilosophie. 1931 bzw. 1932 kamen für den Extraordinarius die Gebiete Völkerrecht und Zivilprozeßrecht hinzu. Ab 1932 lehrte er als Professor an der Universität Münster. 1935 wurde er Ordinarius. Heinrich Drost stand dem Dritten Reich zunächst positiv gegenüber. Vor allem wegen seiner Zugehörigkeit zu einer Freimaurerloge (von 1925 bis 1933) wurde ihm die Mitgliedschaft in der NSDAP verweigert. Im Jahre 1937 wurde er aus seinem Lehramt vorzeitig entpflichtet. Seine Rehabilitierung bzw. Entnazifizierung nach dem Zweiten Weltkrieg zog sich lange hin, bis ihm dann doch noch die regulären Emeritusbezüge angewiesen wurden. Ab 1948 lehrte Drost dann noch als Honorarprofessor an den Universitäten Münster und Frankfurt/M.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Das Ermessen des Strafrichters. Zugleich ein Beitrag zu dem allgemeinen Problem Gesetz und Richteramt. Heymanns, Berlin 1930 (Reprint: Keip, Goldbach 1995). Das Problem einer Individualisierung des Strafrechts. Bonner Antrittsvorlesung (= Recht und Staat in Geschichte und Gegenwart, Bd. 73). Mohr, Tübingen 1930. Völkerrechtliche Grenzen für den Geltungsbereich staatlicher Strafrechtsnormen. In: Niemeyers Zeitschrift für internationales Recht, Bd. 43 (1930), S. 112–140. Grundlagen des Völkerrechts. Duncker & Humblot, Berlin 1936. Die Vertragshilfe des Richters aus Anlass des Krieges und das Kriegsausgleichsverfahren. Verordnungen vom 30. November 1939; für die Praxis erläutert. Späth & Linde, Berlin 1940. (mit Wilhelm Reuß): Kriegsschädenersatz auf Grund der Kriegsschäden-Verordnung und des Fliegerschäden-Erlasses. Elsner-Verlags-Ges., Berlin 1941. (mit Georg Erbs): Kommentar zum Wirtschaftsstrafrecht (Gesetz zur Vereinfachung des Wirtschaftsstrafrechts u. zu Nebengesetzen). Lutzeyer, Frankfurt/M. 1949. Internationale Rechtsgrenzen für die Liquidation von Auslandsvermögen. Lutzeyer, Frankfurt/M. 1952. Grundfragen der Lehre vom internationalen Rechtsgeschäft. In: D. S. Constantopoulos (Hrsg.): Gegenwartsprobleme des internationalen Rechts und der Rechtsphilosophie. Festschrift für Rudolf Laun zu seinem 70. Geburtstag. Girardet, Hamburg 1953, S. 213–221.
Literatur
Sebastian Felz: Recht zwischen Wissenschaft und Politik. Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät Münster 1902 bis 1952 (= Veröffentlichungen des Universitätsarchivs Münster, Bd. 10). Aschendorff, Münster 2016, ISBN 3-402-15889-2 (insb. S. 53f, S. 92–99 und S. 158f. über Heinrich Drost) (siehe auch: Sebastian Felz: Zum Gedenken an Heinrich Drost, 2016, PDF). Sebastian Felz: Zum Gedenken an Heinrich Drost. In: Sabine Happ und Veronika Jüttemann (Hrsg.): "Es ist mit einem Schlag alles so restlos vernichtet". Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Münster (= Veröffentlichungen des Universitätsarchivs Münster, Bd. 12). Aschendorff, Münster 2018, S. 220–232, ISBN 3-402-15890-6. Michael Grüttner: Ausgegrenzt: Entlassungen an den deutschen Universitäten im Nationalsozialismus. Biogramme und kollektivbiografische Analyse, de Gruyter/Oldenbourg, Berlin/Boston 2023, ISBN 978-3-11-123678-0, S. 82 f. Lieselotte Steveling: Juristen in Münster. Ein Beitrag zur Geschichte der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster/Westf. LIT Verlag, Münster 1999, S. 437–446. Hans Kelsen: Zur Grundlegung der Völkerrechtslehre. Eine Auseinandersetzung mit Heinrich Drost, in: Österreichische Zeitschrift für Öffentliches Recht, Bd. 1 (1948), S. 20–83.
Einzelnachweise
Kategorie:Rechtswissenschaftler (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Münster) Kategorie:NSDAP-Anwärter Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1898 Kategorie:Gestorben 1956 Kategorie:Mann