Marcel Lattès (* 11. Dezember 1886 in Nizza; † 12. Dezember 1943 im Konzentrationslager Auschwitz) war ein französischer Komponist und Pianist.
Leben Marcel Lattès studierte Klavier und Komposition am Conservatoire de Paris, unter anderem bei Louis Diémer und Charles-Marie Widor. Im Jahr 1906 schloss er sein Studium mit einem ersten Preis im Fach Klavier ab.
In den 1910er- und 1920er-Jahren etablierte er sich als Komponist von leichten Bühnenwerken, Revuen und Operetten für die Pariser Theater. Zu seinen frühen Erfolgen gehörten La Jeunesse dorée (1913) und Le Diable à Paris (1927). Seine Werke zeichneten sich durch melodischen Charme und die Integration zeitgenössischer Tanzrhythmen aus. Lattès hatte bald auch internationale Erfolge; so komponierte er 1919 die Musik für das Musical Maggie, das im Londoner West End aufgeführt wurde.
Mit dem Aufkommen des Tonfilms Ende der 1920er-Jahre verlagerte Lattès seinen Schwerpunkt auf die Filmmusik. Er wurde Hauskomponist für die französischen Studios von Paramount Pictures in Joinville-le-Pont. In dieser Funktion arbeitete er 1932 mit der Tango-Legende Carlos Gardel für den Film Melodía de Arrabal zusammen und war Co-Komponist des bekannten Liedes Cuando tú no estás. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs schuf er die Musik für rund 40 Spiel- und Kurzfilme, darunter Arbeiten für Regisseure wie Alexander Korda, Marc Allégret und Christian-Jaque.
Nach der deutschen Besetzung Frankreichs im Jahr 1940 und den antisemitischen Gesetzen des Vichy-Regimes erhielt Lattès Berufsverbot und wurde schließlich verhaftet. Er wurde im Sammellager Drancy interniert und am 7. Dezember 1943 mit dem Transport Nr. 64 in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurde er einen Tag nach seinem 57. Geburtstag am 12. Dezember 1943 ermordet.
Werke (Auswahl)
Bühnenwerke (Operetten und Musicals) 1911: Il était un petit page (Opéra-comique) 1912: Laulau (Operette) 1913: La Jeunesse dorée (Operette) 1919: Maggie (Musical) 1927: Le Diable à Paris (Operette) 1930: Arsène Lupin, banquier (Operette)
Filmmusiken 1931: Marius (Regie: Alexander Korda) 1931: Mam’zelle Nitouche (Regie: Marc Allégret) 1932: La Merveilleuse Journée (Regie: Robert Wyler) 1933: Melodía de Arrabal (Regie: Louis J. Gasnier) 1935: Compartiment de dames seules (Regie: Christian-Jaque) 1936: Le Grand Refrain (Regie: Robert Siodmak) 1937: Les Rois du sport (Regie: Pierre Colombier)
Literatur Florian Bruyas: Histoire de l'opérette en France, 1855–1965. Emmanuel Vitte, Lyon 1974. Jacques Brindejont-Offenbach: Cinquante ans d’opérette. In: Ladislas de Rohozinski (Hrsg.): Cinquante ans de musique française (1874–1925). Band 2. Éditions musicales de la Librairie de France, Paris 1925, S. 198–322.
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