Nevenka Fernández García (* 25. Oktober 1974) ist eine spanische Ökonomin, frühere Kommunalpolitikerin und Menschenrechtlerin gegen sexuelle Belästigung. Sie wurde bekannt durch den sogenannten Fall Nevenka, der 2002 zur ersten Verurteilung eines spanischen Politikers wegen sexueller Belästigung führte.
Leben Fernández stammt aus Ponferrada in der Provinz León und wurde nach der Kommunalwahl 1999 als Nummer drei der Liste des Partido Popular um den wiedergewählten Bürgermeister Ismael Álvarez in die Stadtpolitik geholt. Im Rathaus von Ponferrada war sie als Stadträtin für Finanzen tätig. Im Jahr 2000 nahm sie eine Auszeit vom Rathaus und zog zunächst nach Madrid. Im Jahr 2001 erhob sie den Vorwurf sexueller Belästigung gegen Álvarez. Nach dem Verfahren verließ Fernández Spanien; sie ging zunächst nach England und später nach Irland. Im Jahr 2024 lebte sie in Dublin und arbeitete bei Airbus.
Wirken Das Tribunal Superior de Justicia de Castilla y León verurteilte Álvarez im Mai 2002 wegen sexueller Belästigung zu einer neunmonatigen Geldstrafe von insgesamt 6.480 Euro und zu 12.000 Euro Entschädigung für Fernández. Álvarez trat nach Bekanntwerden des Urteils als Bürgermeister von Ponferrada zurück. Der spanische Oberste Gerichtshof bestätigte 2003 die Verurteilung, entfernte jedoch die erschwerende Annahme eines Autoritätsmissbrauchs, verringerte die Geldstrafe auf 2.160 Euro und beließ die Entschädigung bei 12.000 Euro. Das spanische Verfassungsgericht wies 2005 Álvarez’ Verfassungsbeschwerde gegen die Verurteilung zurück. Der Fall wurde zu einem Wendepunkt in der Auseinandersetzung mit sexueller Belästigung in Spanien, weil Fernández zwar den Prozess gewann, in Ponferrada aber zunächst massive Ablehnung erfuhr. Während Álvarez in der Stadt von Tausenden demonstrativ unterstützt wurde, verließ Fernández das Land und blieb in der spanischen Öffentlichkeit lange vor allem über den Fall präsent. Die 2021 veröffentlichte Dokumentarserie Nevenka rekonstruierte den juristischen Prozess sowie den medialen und gesellschaftlichen Umgang mit Fernández und enthielt ihr eigenes Zeugnis nach zwei Jahrzehnten. Der Spielfilm Soy Nevenka von Icíar Bollaín wurde 2024 beim Festival von San Sebastián uraufgeführt, basiert auf dem Buch Hay algo que no es como me dicen von Juan José Millás und wurde mit Mireia Oriol und Urko Olazabal in den Hauptrollen besetzt. Im Juni 2026 kehrte Fernández erstmals seit vielen Jahren nach Ponferrada zurück, nahm an einer Veranstaltung über sexuelle Gewalt und Wiedergutmachung teil und wurde dort mit Ovationen empfangen. Bei derselben Rückkehr wurde ein neues Wandbild mit ihrem Gesicht enthüllt, nachdem frühere Erinnerungszeichen an sie in Ponferrada beschädigt worden waren.
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