Victoria Alexandrina Drummond MBE (* 14. Oktober 1894 in Errol, Perthshire, Schottland, Vereinigtes Königreich; † 25. Dezember 1978 in Sussex, Vereinigtes Königreich) war eine britische Ingenieurin. Sie war die erste Schiffsingenieurin Großbritanniens, das erste weibliche Mitglied des Institute of Marine Engineers (heute Institute of Marine Engineering, Science and Technology) und die erste Chefingenieurin der Handelsmarine.
Leben und Werk mini|Torhaus von Schloss Megginch, 2007 Drummond wurde auf Megginch Castle bei Errol als das zweite von vier Kindern von Captain Malcolm Drummond of Megginch und Geraldine Tyssen-Amherst geboren. Ihr Vater war ein Kammerdiener von Königin Victoria, und sie wurde nach der Königin benannt, die auch ihre Taufpatin wurde. Ihre Mutter war die Tochter von William Tyssen-Amherst, 1. Baron Amherst of Hackney. Ihre Kindheit verbrachte sie abwechselnd in Megginch und im Haus ihrer Großeltern in Didlington in Norfolk, und erhielt Hausunterricht. 1916 begann sie eine fünfjährige Ingenieurslehre, zwei Jahre in einer Autowerkstatt in Perth und drei Jahre in der Konstruktionsabteilung der Caledon Shipbuilding Company in Dundee. Drei Abende pro Woche studierte sie Ingenieurwesen am Dundee Technical College, der heutigen Abertay University.
mini|Der Passagierdampfer Anchises wurde 1911 in Belfast von Workman, Clark für die Blue Funnel Line gebaut. Am 28. Februar 1941 wurde er vor der Nordwestküste Irlands bombardiert und versenkt. Drummond war auf dem Schiff von 1922 bis 1924 als 10. Ingenieur tätig. 1922 heuerte sie als vollqualifizierte Ingenieurin als zehnte Ingenieurin auf einem Schiff der Blue Funnel Line, der SS Anchises, nach Australien an. Dies war die erste von vier Reisen nach Australien mit der SS Anchises, auf der fünften Reise fuhr sie nach China. Nach dem Tod ihres Vaters verließ Drummond die Blue Funnel Line und bereitete sich zwei Jahre lang auf ihre Prüfung zur zweiten Ingenieurin vor, die sie im dritten Anlauf bestand. Im April 1927 trat sie in die Dienste der British India Company und fuhr als fünfte Ingenieurin auf der TSS Mulbera nach Afrika, gefolgt von vier Reisen nach Indien. Sie verließ das Unternehmen im Dezember 1928. Die Jahre der Weltwirtschaftskrise waren für alle Seeleute eine schwierige Zeit, und sie fand erst mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wieder eine Anstellung. An Bord der Har Zion erhielt sie ihre erste von vielen Stationen auf ausländischen Schiffen.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs diente Drummond als Luftschutzwartin in London. In Lambeth North wurde die Victoria Drummond Kantine eingerichtet, um Familien mit Lebensmitteln zu versorgen. 1940 wurde sie Ingenieurin auf der SS Bonita in Southampton. Auf ihrer ersten Atlantiküberquerung wurde das Schiff von einem deutschen Bomber angegriffen. Zu Beginn des Angriffs befahl sie allen anderen, den Maschinenraum zu verlassen und erhöhte die Schiffsgeschwindigkeit um mehrere Knoten, wodurch das Schiff manövrierfähiger wurde und den Bomben ausweichen konnte. Für diese Tat wurde sie zum Mitglied des Order of the British Empire (MBE) ernannt. Sie erhielt außerdem die Lloyd’s War Medal for Bravery at Sea. In den folgenden fünf Jahren fuhr sie auf verschiedenen Handelsschiffen und nahm an Konvois über den Atlantik und nach Murmansk teil, bevor sie an der Landung in der Normandie (D-Day) beteiligt war.
Nachkriegszeit Nach 1945 leitete Drummond einige Schiffbauprojekte in Dundee, arbeitete als Aushilfe auf verschiedenen Cunard-Schiffen und unternahm Küstenfahrten im Mittelmeer oder auf Tankern. Außerdem bestand sie die Prüfung zum Zweiten Ingenieur für Motorschiffe. 1952 überwachte sie den Bau der SS Master Nikos in Burntisland und umsegelte von 1952 bis 1954 als Zweite Ingenieurin die Welt auf der SS Markab. In den folgenden zwei Jahren fuhr sie auf dem Tanker MV Lord Canning und auf mehreren kleineren Küsten- und Binnenschiffen. 1957 reiste sie mit der MV British Monarch über den Panamakanal und Vancouver nach Japan und zurück. 1958 war sie Chefingenieurin auf der Yacht MY Adventuress, die ins Mittelmeer fuhr. Von 1959 bis zu ihrer Pensionierung im März 1962 fuhr sie als Chefingenieurin auf verschiedenen Schiffen im Besitz von Hongkong, die sie aus Europa überführte und mit denen sie dann hauptsächlich in China verkehrte.
Drummond starb 1978 im Alter von 84 Jahren in London und ist zusammen mit ihren Schwestern und Eltern auf dem Gelände von Megginch Castle beigesetzt.
Ehrungen Ihr zu Ehren wurde im IMarEST-Hauptsitz in London ein Victoria-Drummond-Raum eingerichtet. 2018: Ingenieure der Royal Navy haben das Drummond Theatre am Vorabend des Internationalen Tages der Frauen in der Ingenieurwissenschaft nach ihr benannt. Der Victoria Drummond Award, der von der Seemannsgewerkschaft Nautilus ins Leben gerufen wurde, wird an Frauen verliehen, deren Leistungen das Ansehen von Frauen auf See stärken. Drummond wurde für die Aufnahme in die Hall of Heroines des Wallace Monument in die engere Auswahl genommen. An der Abertay University in Dundee befindet sich eine Gedenktafel für Victoria Drummond. Diese ist Teil des Dundee Women's Trail.
Literatur
Weblinks Biografie in Oxford Dictionary of National Biography Youtube Video: The story behind Victoria Drummond (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ingenieur Victoria Kategorie:Member des Order of the British Empire Kategorie:Engländer Kategorie:Schotte Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1894 Kategorie:Gestorben 1978 Kategorie:Frau