mini|Hannah Primrose, Countess of Rosebery Hannah Primrose, Countess of Rosebery (geboren als Hannah de Rothschild am 27. Juli 1851 in London; gestorben am 19. November 1890 in Dalmeny House, Schottland) war ein Mitglied der Familie Rothschild. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern, des Barons Mayer Amschel de Rothschild und seiner Frau Juliana de Rothschild geborene Cohen, wurde sie, als Alleinerbin ihres Vaters, im Jahr 1874 zur reichsten Frau im Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland.

Leben mini|Mentmore Towers mini|Hannah und ihre Mutter Juliana de Rothschild in der großen Halle von Mentmore Towers mini|Hannah de Rothschild, Porträt von George Frederic Watts, nach 1874 Hannah de Rothschild wurde am 27. Juli 1851 in die reiche und adelige jüdische Bankiersfamilie Rothschild geboren. Ihr Großvater war Baron Nathan Mayer Rothschild, der das Londoner Bankhaus N M Rothschild & Sons, den Londoner Zweig des Bankenimperiums, gegründet hatte. Sie war das einzige Kind von Mayer Amschel de Rothschild (1818–1874) und dessen Ehefrau Juliana (1831–1877). Bereits kurz nach ihrer Geburt wirkte sie an der Grundsteinlegung von Mentmore Towers mit, einem der großartigsten Häuser der viktorianischen Ära, dem Landsitz und Ausstellungsraum der Kunstsammlung ihrer Eltern. Früh trat sie auch gesellschaftlich in Erscheinung: da ihre Mutter zur Hypochondrie neigte, vertrat sie diese oft bei gesellschaftlichen Anlässen. Nach dem Tod ihres Vaters 1874 wurde sie zu dessen Alleinerbin und galt als die reichste britische Erbin ihrer Zeit. Sie erbte neben dem Landsitz Mentmore auch die dort befindliche außerordentliche Kunstsammlung, eine der umfangreichsten privaten Kunstsammlungen ihrer Zeit, und das Haus in London, 107 Piccadilly. Sie katalogisierte die Kunstsammlung von Mentmore im Gedenken an ihren Vater, dem sie äußerst zugetan war. Mit ihm hatte sie Pferderennen besucht, denn er war auch ein erfolgreicher Pferdezüchter und begeisterter Besucher von Pferderennen. Sie hatte ihn auch zu Segelveranstaltungen begleitet. In Mentmore richtete sie sich ein eigenes Fotostudio ein. Sie begleitete ihre immer wieder kranke Mutter auf Reisen bis zu deren Tod. Juliana de Rothschild starb 1877 auf ihrer Yacht in Nizza nach einer Mittelmeerkreuzfahrt.

Nachdem Hannah de Rothschild ihr Erbe angetreten hatte, kümmerte sie sich um den Fortbestand von Mentmore Towers. Im Umfeld des Anwesens unterstützte sie zahlreiche Initiativen. Sie ließ Schulen, Versammlungsräume und Wohnhäuser errichten, die alle ihre Initialen trugen. Auch förderte sie die Stiftung ihrer Mutter, eine Schule für Gehörlose. Viele Zuwendungen erfolgten, ohne dass sie ihren Namen dabei nannte. Hannah de Rothschild war Präsidentin des „Queen Victoria Jubilee Institute for Nurses“ und verfolgte die Entwicklung des Pflegeberufes.

Hochzeit mini|Archibald Rosebery Ein Jahr nach dem Tod ihrer Mutter heiratete Hannah de Rothschild Archibald Primrose, 5. Earl of Rosebery. Diesen aufstrebenden Politiker hatte sie vermutlich auf der Pferderennbahn in Newmarket kennengelernt; dort, so heißt es, soll er ihr von Mary Anne Disraeli, der Ehefrau von Benjamin Disraeli, vorgestellt worden sein. Die Disraelis waren enge Freunde und Nachbarn der Rothschilds. Archibald Rosebery hatte seinen Titel im Jahr 1868 im Alter von 21 Jahren von seinem Großvater geerbt. Sein Vater war gestorben, als er acht Jahre alt war. Er verfügte über ein Jahreseinkommen von 30.000 Pfund und besaß 40.000 Acres Land in Schottland. Dazu kamen weitere Ländereien in Norfolk, Hertfordshire und Kent. Er galt als überaus gutaussehend, kultiviert und hochintelligent. Als Idol der Massen zierte sein Porträt unter anderem Zigarrenkisten. Er war Schüler am Eton College und Student am Christ Church College der Universität Oxford gewesen und seine Lehrer hatten ihm eine glänzende Zukunft vorausgesagt. Er hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, eine Erbin zu heiraten, ein Pferd zu besitzen, welches ein Derby gewinnen würde, und Premierminister zu werden. All dies konnte er verwirklichen. Rosebery bekleidete nach dem Tod von Hannah de Rothschild vom 5. März 1894 bis zum 22. Juni 1895 das Amt des Premierministers des Vereinigten Königreichs.

mini|Standesamtliche Hochzeit von Hannah de Rothschild mini|Hannah Primrose, Countess of Rosebery Erste Gerüchte über eine Verlobung von Hannah de Rothschild und Archibald Rosebery kursierten in den oberen Gesellschaftsschichten ab 1876. Dort herrschte jedoch eine antisemitische Stimmung. Nach dem Tod des Prinzgemahls Albert 1861 wurden die Rothschilds auch aus dem engsten Umfeld Königin Victorias am Hof ausgegrenzt und Roseberys Mutter war entsetzt bei dem Gedanken an eine jüdische Schwiegertochter, selbst wenn sie eine unermesslich reiche Rothschild war. Auch Rosebery selbst sah Probleme darin, Kinder als Juden zu erziehen. Hannah de Rothschild sah sich zudem den Widerständen ihrer Familie und der jüdischen Gemeinschaft ausgesetzt, die sich ebenfalls gegen die Verbindung aussprachen. Dennoch wurde die offizielle Verlobung am 3. Januar 1878 bekannt gegeben. Rosebery war von seiner Verlobten überaus angetan. Er beschrieb sie in einem Brief an einem Freund als „sehr schlicht, sehr unverdorben, sehr klug, sehr warmherzig und sehr schüchtern ... Ich habe noch nie einen so wunderbaren Charakter erlebt.“

Am 20. März 1878 fand die Trauung von Hannah de Rothschild und Archibald Rosebery statt. Sie wurden standesamtlich im Standesamt in der Mount Street getraut; eine christliche Zeremonie in der Christ Church in der Down Street folgte. Die männlichen Mitglieder der Familie Rothschild blieben den Feierlichkeiten demonstrativ fern. Jedoch nahm als Ehrengast der Prince of Wales teil. Hannah de Rothschild wurde von Premierminister Benjamin Disraeli zum Altar geführt.

Politischer Salon und weiteres Leben mini|Gesellschaft auf Dalmeny House 1879, zu Besuch unter anderem William Ewart Gladstone (sitzend in der Mitte, mit dem Hut in der Hand) und seine Frau und Tochter, die Roseberys und der Cousin von Hannah Countess of Rosebery Ferdinand James de Rothschild Die Roseberys lebten in den ersten Jahren ihrer Ehe in London und wohnten im Haus Piccadilly. Nachdem sie in der Londoner Gesellschaft schnell Fuß gefasst und ihre Ambitionen zugenommen hatten, mieteten sie das größere Lansdowne House an. Dort richtete Hannah, Countess of Rosebery einen politischen Salon ein. In diesem empfing sie führende Politiker und gesellschaftliche Größen ihrer Zeit. Gäste in ihrem Salon waren neben Politikern auch Mitglieder des Königshauses, Schriftsteller wie Henry James und Oscar Wilde sowie andere prominente Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Geistesleben. Zudem richtete sie in den verschiedenen Anwesen prunkvolle Empfänge aus und unterstützte ihren Mann bei seinem Eintritt in die Regierung. Diese erlebte sie im Jahr 1881 mit, nachdem sie Gladstone bei dessen Wahlkampf in Midlothian unterstützt und ihr Mann den Wahlkampf als spiritus rector nach amerikanischem Vorbild orchestriert und finanziert hatte. Beide avancierten bald zu gefeierten Persönlichkeiten; Rosebery übte auf die Öffentlichkeit und die Massen gleichermaßen eine anhaltende Faszination aus, seine Bekanntheit und Popularität verliehen ihm ein solches Ansehen, dass er beinahe das der königlichen Familie in den Schatten stellte. Zunächst amtierte Rosebery als Unterstaatssekretär im Innenministerium, dann als Lordsiegelbewahrer und schließlich ab 1886 als Außenminister. Im Jahr 1889 wurde er zum Vorsitzenden des neu gegründeten London County Council gewählt.

Im Jahr 1883 unternahm sie gemeinsam mit ihrem Mann eine Weltreise, die sie bis nach Australien führte; die Rückreise erfolgte über Indien.

mini|Dalmeny House Das Paar verfügte über mehrere Wohnsitze: Während der gesellschaftlichen Saison und der Sitzungszeit des Parlaments hielten sie sich in London auf. Die Wochenenden verbrachten sie auf Mentmore Towers, dort empfingen sie politische Gäste zu Zusammenkünften und Jagdgesellschaften. Für die Moorhuhnjagd zogen sie im August nach Schottland auf das Anwesen Dalmeny House. Ihr Haus „The Durdans“ in Epsom nutzten sie vor allem in der Woche des Epsom Derbys. Rosebery konnte mit seinen Pferden das Derby in den Jahren 1894, 1895 und 1905 gewinnen.

Sie vergrößerten gemeinsam die Kunstsammlungen von Mentmore Towers und Dalmeny House erheblich. Sie ergänzten die vorhandene Sammlung mit einer umfangreichen Bibliothek seltener und kontinentaleuropäischer Werke sowie eine Sammlung von Artefakten, die einst Kaiser Napoleon I. gehört hatten.

Judentum Obwohl sie einen Christen in einer christlichen Zeremonie geheiratet hatte, blieb die Countess of Rosebery ihrem jüdischen Glauben treu. Sie besuchte die Central Synagogue in London regelmäßig an den Todestagen ihrer Eltern. Auch während ihrer Reise nach Australien besuchte sie Gottesdienste in der Synagoge von Melbourne. Ihre Cousine schrieb über sie, dass sie während ihrer Ehe kaum eine christliche Kirche besucht habe, jedoch weiterhin großzügig all jene jüdischen Einrichtungen unterstützte, an denen ihr gelegen war. Ihre Unterstützung galt dabei vielen jüdischen Wohltätigkeitsorganisationen, beispielsweise gründete sie den Club for Jewish Working Girls in Whitechapel. Dennoch sorgte sie dafür, dass ihre Kinder in der Religion ihres Mannes erzogen wurden. Ihr Mann respektierte dabei ihre Religion und unterstützte sie. So berichteten ihre Kinder später, dass er am Ende von Jom Kippur ihr ein Tablett mit Speisen ans Bett brachte, damit sie das Fasten brechen konnte. Danach unterhielten sie sich lange.

Nachkommen Die Countess und der Earl of Rosebery hatten vier Kinder: Lady Sybil Primrose (1879–1974), Schriftstellerin und Künstlerin, ⚭ 1903 General Sir Charles Grant, (ein Kind) Lady Margaret „Peggy“ Etrenne Hannah Primrose (1881–1967), ⚭ 1899 Robert Crewe-Milnes, 1. Marquess of Crewe. Sie war politisch aktiv (zwei Kinder) Harry Primrose, 6. Earl of Rosebery (1882–1974), ⚭ (1) 1909–1919 (geschieden) Lady Dorothy Grosvenor (zwei Kinder), ⚭ (2) 1924 Eva Isabel Bruce (ein Kind), Politiker und kurzfristig Minister für Schottland Hon. Neil Primrose (1882–1917), MP, erlag während des Ersten Weltkriegs seinen Verletzungen in Palästina ⚭ 1915 Lady Victoria Stanley, Tochter des Edward Stanley, 17. Earl of Derby (ein Kind)

mini|Sarkophag von Hannah Primrose, Countess of Rosebery Hannah Primrose, Countess of Rosebery starb am 19. November 1890 in Dalmeny House an den Folgen von Typhus in Verbindung mit der Bright-Krankheit. Ihr Tod stürzte ihren Mann in tiefe Verzweiflung. Die Ehe galt als glücklich, dennoch gibt es Anzeichen, dass Rosebery bisweilen von ihr genervt und gelangweilt war, obgleich sie äußerst bestrebt gewesen war, ihm sehr entgegenzukommen. Sie wurde neben ihren Eltern nach vollständigem jüdischen Ritus auf dem jüdischen Friedhof Willesden in London beigesetzt. Aus einer Nachricht an Königin Victoria geht hervor, dass dies für ihren Ehemann sehr schmerzhaft war. Lord Rosebery trauerte sehr um seine Frau, bis an sein Lebensende verwendete er Briefpapier mit Trauerrand und verbrachte jeden ihrer Todestage in Einsamkeit.

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Literatur

Einzelnachweise

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