mini|Verschieden gefärbte Weibchen von Phyllium letiranti Phyllium letiranti ist eine 2018 beschriebene Gespenstschrecken-Art der Wandelnden Blätter (Phyllioidea). Sie wurde auf mehreren indonesischen Inseln östlich von Sulawesi nachgewiesen.

Merkmale Die Art ist innerhalb der Gattung Phyllium vergleichsweise groß und ähnelt morphologisch am stärksten Phyllium mamasaense, Phyllium siccifolium, Phyllium philippinicum sowie Phyllium bourquei.

Weibchen Die Weibchen von Phyllium letiranti erreichen 86,6 bis 91,2 mm, seltener auch bis zu 95 mm Körperlänge. Ihre Färbung ist ausgesprochen variabel. Es gibt Tiere mit grüner, gelber, oranger, grünlich-brauner und brauner Grundfarbe, wobei die orangen bis braunen Tiere die lebhaftesten Muster zeigen, während gelbe und grüne Tiere teilweise einfarbig und ungemustert sein können. Wie bei Weibchen der genannten ähnlichen Arten, haben auch die Weibchen von Phyllium letiranti breite Lappen (Loben) an den Schenkeln (Femura) der Vorderbeine (profemurale exteriore Loben), die etwa so breit sind wie die Innenloben der Vorderschenkel (profemurale interiore Loben). Auch ihr Thorax ist ausgeprägt bedornt und zeigt ebenso wie bei den anderen Arten einen markanten Dorn am Vorderrand des Mesopraescutums. Das siebte und achte Segment des Hinterleibs (Abdomen) ist zu sanft abgerundeten Loben ausgezogen. Von Phyllium mamasaense lassen sich die Weibchen anhand verschiedener Merkmale unterscheiden. So haben Weibchen von Phyllium letiranti Fühler die aus zehn Segmenten bestehen und nicht aus neun wie bei Phyllium mamasaense. Das dritte Antennensegment hat eine Schrillleiste (Pars stridens), die bei Phyllium letiranti 35 Zähnchen hat, während sie bei Phyllium mamasaense 40 bis 46, bei Phyllium siccifolium 30 bis 32 und bei Phyllium philippinicum sowie Phyllium bourquei 40 bis 42 Zähnchen hat. Durch das Aneinanderreiben dieser Fühlersegmente kommt es zu einer Stridulation, die der Abwehr von Feinden (Prädatoren) oder dem Anlocken von Männchen dient. Die profemuralen interioren Loben (Innenlappen der Vorderbeine) haben bei Phyllium letiranti vier markante, dreieckige Zähne und einen kleineren Zahn im proximalen Bereich. Bei Phyllium mamasaense befinden sich hier zwei markante Zähne mit zwei bis drei kleinen Nebenzähnen dazwischen oder daneben. Bei Phyllium siccifolium sind es sechs schlankere, dreieckige Zähne und bei Phyllium philippinicum sowie Phyllium bourquei fünf bis sieben kleine, sägeartige Zähne. Außerdem ist die Breite der inneren Loben der Schienen (Tibien) der Vorderbeine (protibiale interiore Loben) mindestens doppelt so groß wie die Breite des Protibienschafts selbst und deutlich winklig. Bei Phyllium philippinicum und Phyllium bourquei haben sie höchstens das 1,5-Fache der Breite des Protibiaschafts und sind schmal und sanft abgerundet. Bei Phyllium siccifolium sind sie deutlich und allmählich über ihre gesamte Länge hinweg allmählich auseinanderlaufend. Unabhängig von der Grundfärbung der Weibchen sind die Mittel- und Hinterhüften (Meso- und Metacoxae) hinten stets orange gefärbt. Sowohl die von Phyllium mamasaense als auch die von Phyllium hennemanni zeigen hier je einen schwarzen Fleck. Die Vorderflügel (Tegmina) von Phyllium letiranti-Weibchen weisen geringfügige Längenvariationen auf und reichen von der Mitte des siebten bis maximal zur Mitte des achten Abdominalsegments. Die Hinterflügel (Alae) sind rudimentär und nur etwa 4,4 mm lang. mini|Weibchen von ventral mit Blick auf die orangen Coxen Männchen Die stets grünen Männchen von Phyllium letiranti werden 57,6 bis 62,2 mm, seltener auch bis zu 70 mm lang. Sie ähneln am ehesten Phyllium siccifolium. Beide zeigen eine ähnlich ausgeprägte Bedornung des Thorax mit einem deutlichen Mesopraescutum-Kamm entlang der Seitenebene und einem markanten Dorn am Vorderrand des Mesopraescutums. Auch die Form des Abdomens ist ähnlich. Die Männchen beider Arten haben ein in der Mitte breites und abgerundetes, oval wirkendes Abdomen. Im Unterschied dazu hat das Abdomen von Phyllium philippinicum und Phyllium bourquei konvergierende Seitenränder, was ihm ein schlankes, spatelförmiges Erscheinungsbild verleiht. Die inneren Lappen an den Schienen der Vorderbeine (protibiale interiore Loben) laufen bei Phyllium letiranti in einem gleichschenkligen Dreieck aus, das am distalen Ende verbreitert ist. Bei Phyllium philippinicum und Phyllium bourquei sind sie gleichmäßig bogenförmig und nicht ausgeprägt dreieckig. Von Phyllium siccifolium- Männchen unterscheiden sich Phyllium letiranti-Männchen durch die Pleuren des Mesothorax. Bei Phyllium letiranti sind diese nicht besonders breit und beginnen sich erst auf etwa halber Länge entlang des Mesopraescutums zu verbreitern. An ihren Seitenrändern finden sich drei bis vier größere Höcker in der Mitte sowie zwei etwas kleinere davor und dahinter. Bei Phyllium siccifolium verbreitern sich die Mesopleuren über ihre gesamte Länge hinweg deutlich und zeigen fünf hervortretende, aber stumpfe Höcker. Die Fühler von Phyllium letiranti bestehen aus 23 bis 25 Segmenten. Alle Segmente mit Ausnahme des Scapus (erstes Segment, auch Antennengrundglied oder Basalglied), des Pedicellus (zweites Segment, auch Wendeglied) und der vier Endsegmente sind mit mäßig dicht stehenden, dunklen Borsten bedeckt, die so lang sind wie die Breite des jeweiligen Antennensegments. Die Meso- und Metacoxen sind nicht wie bei den Weibchen orange, sondern hellgrün bis weißlich. Die Tegmina (Vorderflügel) sind lang und reichen bis zum Vorderrand des vierten Abdominalsegments. Die Alae (Hinterflügel) sind lang und gut entwickelt. Sie haben die Form eines ovalen Fächers und reichen bis zum neunten, teilweise bis zur Mitte des zehnten Abdominalsegments. mini|A Ei mit noch nicht entfalteten Pinnae; B-D Eier mit voll entfalteten Pinnae; A & B Dorsalansicht; C Sagittalansicht; D Ansicht von oben (opercular) Eier Frisch abgelegte Eier sind orangebraun und etwa 5 mm lang und 3 mm breit. Die seitlichen (lateralen) Flächen der Eier sind abgeflacht und die dorsale Fläche mit der Mikropylarplatte leicht konvex, was dem Ei eine leichte Krümmung verleiht. In der Seitenansicht entspricht die Breite der Kapsel am Vorderende etwa jener am Hinterende. Die Breite in der Mitte ist nahe dem Hinterende etwas größer, übersteigt aber die Kapselbreite an den beiden Enden (Polen) nur geringfügig. Die Seitenflächen weisen drei relativ parallele Reihen kleiner, kreisförmiger Vertiefungen auf, wobei die Zwischenräume dicht mit kurzen Fortsätzen bedeckt sind. Die tropfenförmige Mikropylarplatte ist 1,5 bis 1,7 mm lang und erstreckt sich über weniger als die Hälfte der Gesamtlänge und liegt größtenteils in der hinteren Hälfte. Sie ist kaum breiter als die Mikropyle. Diese befindet sich im hinteren Drittel der Kapsel. Nach Kontakt mit Feuchtigkeit bzw. in feuchter Umgebung entfalten sich die für Phyllium-Arten typischen, sogenannten Pinnae (aus dem Lateinischen von Flosse oder Flügel). Dadurch sind die Eier nun 5,5 bis 6,2 mm lang und 3,5 bis 3,7 mm hoch (= Breite in Lateralansicht). In der Seitenansicht sind der vordere und der hintere Rand jeweils mit einer Reihe langer, federförmig verzweigter Pinnae besetzt. Die Pinae am vorderen Rand umgeben den Deckel (Operculum). Auch der dorsale Rand zeigt in der Seitenansicht Pinnae, die aber nur auf wenig mehr als der hintere Hälfte der Kapsellänge zu finden sind und nur etwa halb so lang sind, wie jene an den hinteren und vorderen Rändern (Siehe auch Bau des Phasmideneis). mini|Frisch geschlüpfte Nymphe Frisch geschlüpfte Nymphen Die Nymphen sind beim Schlupf ungefähr 14 mm lang und zeigen auf dunkelbrauner Grundfarbe helle, grünlich-gelbe Bereiche. Diese befinden sich an den Beinen und sehr schwach auch an den Rändern des Abdomens. Dabei ist jeweils das erste, verlängerte Glied jedes Fußes (Tarsus) vollständig und das zweite Glied teilweise hell gefärbt. Auch die Loben der Schenkel insbesondere an den Mittel- und Hinterbeine sind an ihrem distalen Ende, also im Bereich der Gelenke hell bis leicht grünlich gerandet. Noch auffälliger als diese Zeichnung sind die ebenso gefärbten Binden, die von den inneren zu den äußeren Loben der Femuren reichen, aber die eigentlichen Schenkel auslassen. An den Vorderbeinen sind diese etwa mittig, an den Mittel- und Hinterbeinen weiter proximal schon nach dem ersten Drittel der Schenkellänge zu finden. Die inneren Loben der Schienen weisen an den Rändern ein orangbraunes Tüpfelmuster auf, welches sich an den inneren Loben der Vorderbeine zu einem Streifenmuster ausdehnt.

Verbreitung Zunächst war nur die östlich von Sulawesi gelegene, zu den Banggai-Inseln gehörige Insel Peleng als Verbreitungsgebiet bekannt. Von dort stammt das gesamte Typusmaterial der Art. Später zeigte sich, dass Phyllium letiranti auch auf der noch weiter östlich gelegenen Inseln Taliabu vorkommt. Neben Taliabu, der größten und westlichsten der Sula-Inseln ist die Art auch auf Sanana. Östlich von Taliabu und nördlich von Sanana liegt Mangole, wo die Art ebenfalls vorkommt. Damit kommt Phyllium letiranti westlich der Weber-Linie vor, scheint aber wie andere Arten der Gespenstschrecken mit diesem Verbreitungsgebiet, eher einen biogeographischen Bezug zu den östlich gelegenen Molukken aufzuweisen als zu Sulawesi. Andererseits wird nicht ausgeschlossen, dass Phyllium letiranti auch an der Ostküste Sulawesis vorkommen könnte. Von dort, genauer von der östlichen Halbinsel in der Provinz Zentralsulawesi sind Fotos bekannt, die keine eindeutige Identifizierung erlauben, die aber entweder Phyllium letiranti oder die von Sulawesi beschriebene, ähnliche Phyllium mamasaense zeigen. Eine Verbreitung auf anderen Banggai- und Sula-Inseln wird ebenso als wahrscheinlich angenommen. mini|hochkant|Männchen Lebensweise und Fortpflanzung In ihrem Lebensraum sind die Tiere auch tagsüber fressend auf Guaven, genauer auf Echter Guave (Psidium guajava) und Mango gefunden worden. Adulte Weibchen legen pro Woche etwa zehn Eier, die sie mit einem raschen Schwung ihres Hinterleibs wegschleudern. Bei Temperaturen zwischen 20 und 24 °C schlüpfen die ersten Nymphen nach vier bis fünf Monaten. Der Schlupf findet wie bei vielen Phyllium-Arten nicht nachts, sondern nach Tagesanbruch, meist mittags statt. Die nach dem Schlupf ebenso gattungstypisch dunkelbraunen Nymphen werden nach Beginn der Nahrungsaufnahme zunächst grün. Ältere weibliche Nymphen zeigen ab ca. dem dritten Larvenstadium zunehmend ihre spätere Färbung und werden gelb, braun, grünlich-braun oder bleiben wie die Männchen grün. Männchen sind nach etwa vier bis fünf Monaten und Weibchen nach etwa fünf bis sechs Monaten adult.

Systematik