mini|Rosemary Bank auf dem Rockall-Plateau. Die Rosemary Bank, auch Rosemary-Bank, ist ein erloschener untermeerischer Vulkan (ein sogenannter Seamount) im nördlichen Rockallgraben (), rund 120 km westlich des schottischen Festlands im nordöstlichen Atlantik. Sie ist der nördlichste der drei großen Seamounts in schottischen Gewässern – neben dem Anton Dohrn Seamount und dem Hebrides Terrace Seamount – und wurde 1930 von dem Vermessungsschiff HMS Rosemary entdeckt, nach dem sie benannt ist.

Morphologie

Die Rosemary Bank ist ein breit gewölbter, langgestreckter Seamount von rund 70 km Durchmesser, der sich von Umgebungstiefen von über 2000 m bis auf rund 300 m Wassertiefe am Gipfel erhebt – eine Reliefhöhe von rund 1400 m über dem Meeresboden.J.A. Howe, M.S. Stoker, D.G. Masson, C.J. Pudsey, P. Morris, R.D. Larter, J. Bulat (2006): Seabed morphology and the bottom-current pathways around Rosemary Bank Seamount, northern Rockall Trough, North Atlantic. In: Marine and Petroleum Geology. Band 23 (2006), Ausgabe 2, S. 165–181. DOI:10.1016/j.marpetgeo.2005.08.003. Die Multibeam-Bathymetrie zeigt auf den Flanken Parasitärkegel, also kleinere Vulkankegel an der Flanke, konkave Rutschungsnarben und terrassierte Hänge. Die gesamte Bank ist von einem Konturitgraben (moat) umgeben, der die Wechselwirkung des Seamounts mit den tiefen Bodenströmungen widerspiegelt.

Westlich und östlich der Bank haben sich in Tiefen von 1500 bis 2000 m zwei ausgedehnte Sedimentwellenfelder entwickelt – großflächige, wellenartige Strukturen am Meeresgrund: Die westliche Konturitdrift bedeckt eine Fläche von über 1000 km² und enthält Sedimentwellen von bis zu 150 m Höhe und 1,5–2 km Wellenlänge. Vier lineare, rund 100 m tiefe und 3 km breite Depressionen durchschneiden die Wellenfelder und werden als 25–30 km lange Verlängerungen des Moats interpretiert. Seismische Profile zeigen, dass die Hauptphase des Driftaufbaus im mittleren Miozän bis Pliozän stattfand, während das Pliozän bis Holozän eine Phase der Drifterhaltung darstellt.

Strommesser- und CTD-Daten aus dem westlichen Moat belegen Labradorseewasser, das in nordwestlicher Richtung fließt – entgegen der zuvor angenommenen antizyklonalen Umströmung des Seamounts.

Geologie

Die Rosemary Bank entstand als vulkanischer Aufbau im Zusammenhang mit der Wanderung des Island-Hotspots in der späten Kreide bis zum frühen Paläogen und gehört damit zur gleichen Seamount-Kette wie der Anton Dohrn Seamount, die George Bligh Bank und der Hebrides Terrace Seamount. Der Hotspot ist auch für die Bildung der Antrim-Basalte in Nordirland und der Färöer-Basalte verantwortlich.M. S. Stoker, K. Hitchen (2003): The Rockall-Porcupine Margin. In: Jürgen Mienert, Philip Weaver (Hrsg.): European Margin Sediment Dynamics. Springer, New York, 2003, S. 161–172. ISBN 978-3-540-42393-5. Sedimentkerne von der Bank und ihrer Umgebung enthalten sandige und kiesige Konturite, die mit Hemipelagiten des späten Pleistozäns bis Holozäns wechsellagern – Sedimentablagerungen, die sich typischerweise in der Nähe der Kontinentalränder befinden.

Ökologie und Schutz

Die Rosemary Bank beherbergt ökologisch bedeutsame Tiefsee-Lebensgemeinschaften, die sich mit der Tiefe verändern: Auf dem Gipfel und den oberen Flanken (300–1100 m) finden sich Kaltwasserkorallen – darunter Lophelia pertusa (heute: Desmophyllum pertusum) – sowie diverse Gemeinschaften sessiler Suspensionsfresser auf Hartsubstrat. Unterhalb von rund 1100 m dominieren Tiefseeschwamm-Aggregationen bis in Tiefen von mindestens 1500 m. McIntyre et al. (2016) dokumentierten anhand von Schleppkamera-Transekten und Agassiz-Trawl-Proben ausgedehnte Schwammgründe auf den tiefen Hängen, in denen acht Schwammarten aus fünf Gattungen identifiziert wurden: Geodia, Thenea, Pheronema carpenteri, Aphrocallistes und Craniella. Die Schwammgründe der Rosemary Bank gelten als ungewöhnlich divers für den Nordostatlantik und bilden möglicherweise einen ausgedehnten Gürtel um den gesamten Seamount.F. D. McIntyre, J. Drewery, D. Eerkes-Medrano, F. C. Neat (2016): Distribution and diversity of deep-sea sponge grounds on the Rosemary Bank Seamount, NE Atlantic. In: Marine Biology. Band 163 (2016), Artikelnummer 143. DOI:10.1007/s00227-016-2913-z.

An Tiefseefischarten wurden Granatbarsch (Hoplostethus atlanticus), Blauleng (Molva dypterygia), Schokoladenhai (Dalatias licha) und Portugiesenhai (Centroscymnus coelolepis) auf der Bank nachgewiesen – Arten, die als besonders empfindlich gegenüber Überfischung gelten. Sichtungen von Pottwalen und Grindwalen in hoher Zahl über dem Seamount deuten auf eine erhöhte pelagische Produktivität hin.

Die Rosemary Bank ist als Rosemary Bank Seamount MPA (Nature Conservation MPA) unter schottischem Recht geschützt. Die Schutzziele umfassen die Erhaltung der Tiefseeschwamm-Aggregationen, der Seamount-Lebensgemeinschaften und der Geodiversitätsmerkmale – einschließlich des Seamount-Moats, der Sedimentdrifts und der Sedimentwellenfelder. Die North-East Atlantic Fisheries Commission (NEAFC)North East Atlantic Fisheries Commission Website, abgerufen am 27. Mai 2026. hat Fischereischließungen im Bereich des nördlichen Rockallgrabens erlassen, die auch die Umgebung der Rosemary Bank einschließen.

Einzelnachweise

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