mini|Hebrides Terrace Seamount im Rockallgraben
Der Hebrides Terrace Seamount ist ein erloschener untermeerischer Vulkan (Seamount) im südöstlichen Rockallgraben (), westsüdwestlich der Hebriden im nordöstlichen Atlantik, bei etwa 56° 28′ N, 10° 17′ W. Er ist der südlichste und tiefste der drei großen Seamounts in schottischen Gewässern – neben der Rosemary Bank und dem Anton Dohrn Seamount – und liegt innerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszone des Vereinigten Königreichs.
Der Seamount hat eine ovale Grundfläche von rund 28 × 37 km und erhebt sich aus Umgebungstiefen von rund 2300 m auf ein flaches Gipfelplateau bei rund 980–1000 m Wassertiefe – eine Reliefhöhe von über 1300 m. Er zeigt den typischen Habitus eines Guyots (einer Tiefseekuppe) mit abradiertem Gipfel, der einst nahe dem Meeresspiegel lag und durch thermische Subsidenz auf seine heutige Tiefe absank. Die Süd- und Westflanken sind von submarinen Canyons, Steilhängen (Escarpments) und Rinnen durchzogen. Nördlich und südlich wird der Seamount von den Barra- und Donegal-Fächern flankiert – Tiefseefächern aus pleistozänen glazialen Schüttungen des Britisch-Irischen Eisschilds, deren Ablagerungen an der Basis des Seamounts nahezu 1 km Mächtigkeit erreichen.Lea-Anne Henry, Johanne Vad, Helen S. Findlay, Javier Murillo, Rosanna Milligan, J. Murray Roberts (2014): Environmental variability and biodiversity of megabenthos on the Hebrides Terrace Seamount (Northeast Atlantic). In: Scientific Reports. Band 4 (2014), Artikelnummer 5589. DOI:10.1038/srep05589.
Geologie
Der Hebrides Terrace Seamount entstand durch vulkanische Aktivität im frühen Känozoikum vor rund 60–67 Millionen Jahren und wird der Nordatlantischen Magmenprovinz (NAIP) zugeordnet, die durch die Wanderung des Island-Hotspots unter Nordirland und Westschottland ausgelöst wurde.M. S. Stoker, K. Hitchen (2003): The Rockall-Porcupine Margin. In: Jürgen Mienert, Philip Weaver (Hrsg.): European Margin Sediment Dynamics. Springer, New York, 2003, S. 161–172. ISBN 978-3-540-42393-5. Er gehört damit zur selben Seamount-Generation wie der Anton-Dohrn-Seamount, die George Bligh Bank und die Rosemary Bank, unterscheidet sich von diesen aber durch seine größere Gipfeltiefe (~1000 m gegenüber 450–600 m bei den anderen Seamounts), was auf eine stärkere Subsidenz oder eine geringere ursprüngliche Höhe hindeutet.
Ozeanographie
Da der Gipfel des Hebrides Terrace Seamount bei rund 1000 m Wassertiefe liegt – also unterhalb der permanenten Thermokline –, befindet er sich in einem ozeanographisch anderen Regime als der flachere Anton-Dohrn-Seamount. Henry et al. (2014) dokumentierten anhand von CTD-Profilen und ROV-gestützten Messungen ein hochvariables ozeanographisches Regime auf den Flanken: Die Daten zeigen Signaturen von internen Wellen und hohe kurzfristige Variabilität in Temperatur, Salinität, Partikeltrübung, gelöstem Sauerstoff und Aragonitsättigung bis in Tiefen von 1500 m.
Zwei Biodiversitätsmaxima korrelieren mit den Mischungszonen unterschiedlicher Wassermassen: Das erste bei 1300–1400 m, wo sich Wyville-Thomson-Overflow-Wasser (WTOW) mit subtropischen Wirbelwassern vermischt, und das zweite bei 1500–1600 m, wo WTOW auf Subpolar Mode Water trifft. Die Aragonitsättigung nimmt mit der Tiefe deutlich ab und erreicht auf den tiefen Flanken (<1500 m) periodisch Werte unter 1 – Bedingungen, unter denen Aragonit thermodynamisch instabil wird, was Konsequenzen für die kalkschaligen benthischen Organismen hat.
Ökologie
Die erste ROV-gestützte Untersuchung der Megabenthos-Gemeinschaften (Henry et al., 2014) erfasste in Tiefen von 1004 bis 1695 m insgesamt 109 megafaunale Taxa und zeigte eine ausgeprägte Tiefenzonierung:
Auf dem Gipfel und den oberen Flanken (1004–1200 m) dominieren Schwämme – darunter Periphragella lusitanica, Hamacantha sp. und Hexadella dedritifera – auf grobem Kiessubstrat. Die Xenophyophore Syringammina fragilissima war die am häufigsten beobachtete Art (in 66 % aller Bilder präsent).
Auf den tieferen Flanken (1200–1695 m) tritt Solenosmilia variabilis-Riff als dominanter Habitattyp auf – ausgedehnte Rahmenwerk-Strukturen aus lebendem und totem Korallenskelett, assoziiert mit Schwämmen, Schlangensternen (Ophiuriden) und der Schwarzen Koralle Stichopathes cf. abyssicola. Solenosmilia variabilis ist auf dem Hebrides Terrace Seamount in Tiefen ab 1004 m häufiger als auf dem flacheren Anton Dohrn Seamount und verdrängt Lophelia pertusa (seit 2023: Desmophyllum pertusum), das auf diesem tieferen Seamount nicht nachgewiesen wurde – vermutlich weil das Gipfelplateau bereits unterhalb des für D. pertusum optimalen Tiefenbereichs (<1000 m) liegt.Lea-Anne Henry, J. Murray Roberts (2014): Recommendations for best practice in deep-sea habitat classification: Bullimore et al. as a case study. In: ICES Journal of Marine Science. Band 71 (2014), Ausgabe 4, S. 895–898. DOI:10.1093/icesjms/fsu052.
Eine bemerkenswerte Entdeckung waren Elasmobranchier-Eikapseln von mindestens zwei Hai-Arten, die an 16 Stationen in Tiefen von 1523 bis 1651 m an Ästen von Solenosmilia variabilis befestigt gefunden wurden. Dieser Befund belegt, dass die Kaltwasserkorallenriffe des Seamounts als Kinderstuben für Tiefseerochen und -haie fungieren – ein Phänomen, das inzwischen auch auf Seamounts vor Tasmanien und am Mittelatlantischen Rücken bestätigt wurde.Kylie Maguire, Helen O'Neill, Franziska Althaus, William White, Alan Williams (2023): Seamount coral reefs are egg case nurseries for deep-sea skates. In: Journal of Fish Biology. Band 102 (2023), Ausgabe 6, S. 1308–1325. DOI:10.1111/jfb.15376.
Schutz
Der Hebrides Terrace Seamount liegt innerhalb des Barra Fan and Hebrides Terrace Seamount MPA, das von der schottischen Regierung zum Schutz der Seamount-Lebensgemeinschaften, der Kaltwasserkorallenriffe und der Tiefseeschwamm-Aggregationen eingerichtet wurde. Er liegt zudem innerhalb des West of Scotland Deep-Sea Marine Reserve. Der Seamount wurde in Modellierungen der Larvenverdriftung als netto-Larvensenke identifiziert – er nimmt mehr Desmophyllum-pertusum-Larven auf als er abgibt –, was seine Abhängigkeit von externen Larvenzufuhrquellen und damit die Bedeutung eines vernetzten MPA-Systems unterstreicht.Rebecca E. Ross, W. Alex M. Nimmo-Smith, Kerry L. Howell (2017): Towards 'ecological coherence': Assessing larval dispersal within a network of existing Marine Protected Areas. In: Deep-Sea Research I. Band 126 (2017), S. 128–138. DOI:10.1016/j.dsr.2017.06.004.
Einzelnachweise
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