mini|Hauptsitz des Peterson Institute for International Economics in Washington, D.C. Das Peterson Institute for International Economics (PIIE), das bis 2006 als Institute for International Economics (IIE) bekannt war, ist ein US-amerikanischer Think Tank mit Sitz in Washington, D.C. Er wurde 1981 von C. Fred Bergsten gegründet und ist nach Peter G. Peterson benannt. Das PIIE betreibt Forschung, gibt politische Empfehlungen ab und veröffentlicht Bücher und Artikel zu einer Vielzahl von Themen im Zusammenhang mit der US-Wirtschaft und der Weltwirtschaft. Vergleichende Rankings listen das PIIE regelmäßig unter den einflussreichsten Think Tanks weltweit.

Geschichte Die Ursprünge des Peterson Institute for International Economics (PIIE) gehen auf das Jahr 1980 zurück, als der Ökonom C. Fred Bergsten, damals Staatssekretär im US-Finanzministerium der Regierung von Präsident Jimmy Carter, dem German Marshall Fund die Gründung eines Instituts für internationale Wirtschaftsfragen vorschlug. Hintergrund waren die tiefgreifenden Veränderungen der Weltwirtschaft in den 1970er Jahren, darunter das Ende des Bretton-Woods-Systems, die Ölkrise 1973 und die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung der Staaten. Das neu gegründete Institute for International Economics (IIE) sollte wirtschaftspolitisch orientierte Forschung betreiben und Wissenschaftler, Regierungsvertreter und Entscheidungsträger zusammenbringen.

Erster Vorsitzender des Instituts wurde Peter G. Peterson, ehemaliger Handelsminister der Vereinigten Staaten. Zu den frühen Mitarbeitern gehörten unter anderem Anthony M. Solomon, Präsident der Federal Reserve Bank of New York, sowie der Wirtschaftswissenschaftler Richard N. Cooper.

Während der 1980er und 1990er Jahre entwickelte sich das Institut zu einer der bekanntesten wirtschaftspolitischen Denkfabriken in Washington. Bedeutende finanzielle Unterstützung erhielt es unter anderem von der Ford Foundation, dem Rockefeller Brothers Fund und dem German Marshall Fund. In den 1990er Jahren wurden mehrere Stiftungsprofessuren eingerichtet, darunter solche zu Ehren des ehemaligen General-Electric-Vorstandsvorsitzenden Reginald H. Jones und des früheren JP-Morgan-Chefs Dennis Weatherstone.

2001 bezog das Institut seinen heutigen Sitz an der Massachusetts Avenue in Washington, D.C. Es befindet sich gegenüber dem Hauptgebäude der Brookings Institution, schräg gegenüber der Carnegie Endowment for International Peace und neben der Paul H. Nitze School of Advanced International Studies. Das Gebäude wurde von James von Klemperer vom Architekturbüro Kohn Pedersen Fox entworfen. Das Gebäude wurde vom Washington Business Journal mit dem Preis für die beste Architektur des Jahres 2001 ausgezeichnet und erhielt 2003 vom American Institute of Architects einen Preis für das beste Design.

Im Jahr 2006 erfolgte anlässlich des 25-jährigen Bestehens eine umfassende Kapitalisierung des Stiftungsvermögens. Gleichzeitig wurde das Institute of International Economics zu Ehren seines langjährigen Förderers Peter G. Peterson in Peterson Institute for International Economics umbenannt. An der Gala in New York City zum 25. Jubiläum nahmen zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten aus der Wirtschaft teil, darunter Alan Greenspan, ehemaliger Vorsitzender des Federal Reserve Board, Robert Rubin, ehemaliger Finanzminister, sowie Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, und weitere.

Zum 1. Januar 2013 übergab Bergsten die Leitung an den Ökonomen Adam S. Posen, zuvor Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank of England. Im Jahr 2019 belief sich das Jahresbudget des PIIE auf etwa 12 bis 13 Millionen Dollar. Das Institut finanziert sich überwiegend durch Stiftungen, Unternehmen, Privatpersonen sowie Erträge aus Veröffentlichungen und seinem Stiftungsvermögen.

Aktivitäten Das Peterson Institute for International Economics zählt zu den einflussreichsten wirtschaftspolitischen Denkfabriken der Vereinigten Staaten. Es beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Fragen der internationalen Wirtschaftsordnung, des Welthandels, der Geld- und Fiskalpolitik, der Entwicklungspolitik sowie der Globalisierung. Die Forschungsergebnisse werden in Form von Studien, Policy Briefs, Büchern und Fachartikeln veröffentlicht.

Zu den bekanntesten Wissenschaftlern des Instituts gehörten oder gehören neben Adam Posen unter anderem Olivier Blanchard, Maurice Obstfeld, Jason Furman, Dani Rodrik, Carmen Reinhart, Arvind Subramanian und John Williamson, der während seiner Tätigkeit am Institut den Begriff des „Washington Consensus“ prägte. Das Institut veranstaltet regelmäßig Konferenzen und Diskussionsforen mit führenden Ökonomen, Regierungsvertretern, Zentralbankern und internationalen Organisationen, bei denen prominente Redner auftreten.

Rezeption Das Peterson Institute wird in Fachkreisen regelmäßig als eine der weltweit einflussreichsten wirtschaftspolitischen Denkfabriken eingestuft. Im Ranking von Think Tank Alert belegte es 2026 weltweit Platz 12 und zählte damit zu den führenden Institutionen im Bereich der internationalen Wirtschaftspolitik. Auch im „Global Go To Think Tank Index“ der University of Pennsylvania wurde das Institut wiederholt als führende Denkfabrik im Bereich der internationalen Wirtschaftspolitik genannt.

Kritiker werfen dem Institut gelegentlich vor, eine stark globalisierungs- und freihandelsfreundliche Position einzunehmen und die negativen Folgen wirtschaftlicher Liberalisierung für bestimmte Bevölkerungsgruppen zu unterschätzen. Im Zusammenhang mit der Debatte über die Auswirkungen von Freihandelsabkommen auf die industrielle Beschäftigung in den Vereinigten Staaten geriet das Institut insbesondere während der Präsidentschaft von Donald Trump in die Kritik. Steven Rattner bezeichnete das neue Gebäude des Peterson-Instituts in diesem Zusammenhang als „Umkleideraum der Cheerleader-Truppe des Teams Globalisierung und Freihandel“ und kritisierte die ausdrückliche Unterstützung des Instituts für Freihandelsabkommen wie NAFTA ohne negative Folgewirkungen zu berücksichtigen.

Weblinks Website des Peterson Institute for International Economics

Einzelnachweise

Kategorie:Organisation (Washington, D.C.) Kategorie:Denkfabrik in den Vereinigten Staaten Kategorie:Forschungseinrichtungsgründung 1981 Kategorie:Wirtschaftsliberalismus