mini|Bathymetrische Karte der Porcupine-Tiefseeebene im Nordostatlantik. Die Porcupine-Tiefseeebene (, PAP); auch Porcupine-Abyssalebene, ist eine Tiefseeebene im nordöstlichen Atlantik südwestlich von Irland. Sie liegt bei etwa 48° 50′ N, 16° 30′ W in Wassertiefen von rund 4800 bis 4850 m, etwa auf halbem Weg zwischen dem europäischen Kontinentalrand und dem Mittelatlantischen Rücken und rund 500 km von der irischen Küste entfernt.About PAP-SO Website Porcupine Abyssal Plain Sustained Observatory, National Oceanography Centre, abgerufen am 6. Juni 2026. Begrenzt wird sie im Nordosten vom Goban-Sporn und dem keltisch-armorikanischen Kontinentalrand, im Osten von der Porcupine-Bank; nach Westen und Süden geht sie in den tieferen Boden des Westeuropäischen Beckens über. Benannt ist sie nach der benachbarten Porcupine-Bank.

Bekannt ist die Porcupine-Tiefseeebene vor allem als Standort des Porcupine Abyssal Plain Sustained Observatory (PAP-SO), eines der am längsten betriebenen ozeanographischen Langzeitobservatorien im offenen Ozean, sowie als Untersuchungsgebiet langfristiger Veränderungen der Tiefsee-Bodenfauna – insbesondere des sogenannten „Amperima-Ereignisses“, der dramatischen, plötzlichen Massenvermehrung der Tiefsee-Seegurke Amperima rosea.Susan E. Hartman, Richard S. Lampitt, Kate E. Larkin u. a. (2012): The Porcupine Abyssal Plain fixed-point sustained observatory (PAP-SO): variations and trends from the Northeast Atlantic fixed-point time-series. In: ICES Journal of Marine Science. Band 69 (2012), Ausgabe 5, S. 776–783.David S. M. Billett, Brian J. Bett, A. L. Rice, M. H. Thurston, Joëlle Galéron, Myriam Sibuet, George A. Wolff (2001): Long-term change in the megabenthos of the Porcupine Abyssal Plain (NE Atlantic). In: Progress in Oceanography. Band 50 (2001), S. 325–348. DOI:10.1016/S0079-6611(01)00060-X.

Lage und Beschaffenheit

Die Porcupine-Tiefseeebene ist eine ausgedehnte, sehr ebene Fläche am Boden des Nordostatlantiks. Der Meeresboden ist außerordentlich flach – im zentralen Untersuchungsgebiet liegt die mittlere Tiefe bei rund 4840 m und schwankt nur zwischen 4802 und 4850 m – und von feinkörnigem Sediment bedeckt, das ozeanische Kruste überlagert. Die große Entfernung sowohl vom Kontinentalhang als auch vom Mittelatlantischen Rücken macht den Ort zu einem typischen Standort des offenen Ozeans mit geringem Einfluss hangabwärts gerichteten Sedimenttransports; die ebene Beschaffenheit und die geringe räumliche Heterogenität erleichtern zudem benthische Probennahmen.Porcupine Abyssal Plain Sustained Observatory (PAP-SO) Website National Oceanography Centre, abgerufen am 6. Juni 2026.

Ozeanographie

In der oberen Wassersäule steht das Gebiet unter dem Einfluss des Nordatlantikstroms, der das Oberflächenwasser des Nordostatlantiks prägt; in der Tiefe wird die Ebene von kalten Tiefenwassermassen überlagert, darunter dem Nordostatlantischen Tiefenwasser. Die jahreszeitlich schwankende Primärproduktion im Oberflächenwasser steuert den Eintrag von partikulärem organischem Kohlenstoff (als „Meeresschnee“ bzw. Phytodetritus) zum Meeresboden und damit die Nahrungsversorgung der Tiefseefauna. Das Gebiet wirkt im Mittel als beständige Kohlenstoffsenke mit einer Aufnahme von etwa 1,5 mmol CO₂ pro Quadratmeter und Tag.Heidi Frigstad, Stephanie A. Henson, Susan E. Hartman, Abdirahman M. Omar, Emil Jeansson, Harry Cole, Corinne Pebody, Richard S. Lampitt (2015): Links between surface productivity and deep ocean particle flux at the Porcupine Abyssal Plain sustained observatory. In: Biogeosciences. Band 12 (2015), Ausgabe 19, S. 5885–5897. DOI:10.5194/bg-12-5885-2015.

Langzeitobservatorium (PAP-SO)

Seit Mitte der 1980er Jahre ist die Porcupine-Tiefseeebene Standort eines multidisziplinären Langzeitobservatoriums, des Porcupine Abyssal Plain Sustained Observatory (PAP-SO) – des am längsten betriebenen offenen-Ozean-Observatoriums dieser Art in den europäischen Meeren. Die Beobachtung der Bodenfauna reicht bis 1985 zurück, die Messung des Partikelflusses bis 1992 und diejenige von Oberflächenozean und Atmosphäre bis 2002/2003. Seit 2002 ist eine durchgehende Verankerung über die gesamte Wassersäule installiert, deren autonome Sensoren unter anderem Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoff, Chlorophyll-a-Fluoreszenz, Nitrat und den CO₂-Partialdruck erfassen; die Daten der oberen 1000 m werden per Iridium-Telemetrie nahezu in Echtzeit an das National Oceanography Centre übermittelt. Das Observatorium wird jährlich mit Forschungsschiffen gewartet. Es dient vor allem der Untersuchung der biologischen Kohlenstoffpumpe und der Kopplung zwischen Prozessen im Oberflächenozean, dem Partikelfluss in die Tiefsee und der Reaktion der Bodenfauna.

Benthos und das Amperima-Ereignis

Die Bodenfauna der Porcupine-Tiefseeebene wird hinsichtlich Abundanz und Biomasse von Holothurien (Seegurken) dominiert; daneben sind unter anderem Seeanemonen (Actiniaria), Schlangensterne (Ophiuroidea), Seesterne (Asteroidea) und Vielborster (Polychaeta) bedeutende Bestandteile der Lebensgemeinschaft. Zwischen 1989 und 1999 wurde eine tiefgreifende Veränderung der wirbellosen Megafauna beobachtet: Mehrere Gruppen nahmen deutlich an Abundanz zu, ohne dass sich die Gesamtbiomasse wesentlich änderte. Besonders auffällig stiegen die beiden Holothurienarten Amperima rosea und Ellipinion molle um mehr als zwei Größenordnungen an. Während diese Arten vor 1996 stets nur einen geringen Anteil der Megafauna ausmachten, war Amperima rosea von 1996 bis 1999 über ein weites Gebiet der Ebene häufig – ein Hinweis darauf, dass es sich nicht um ein örtlich begrenztes Phänomen handelte. Dieses als „Amperima-Ereignis“ bezeichnete Geschehen wird mit Veränderungen in Menge und Zusammensetzung des von der Oberfläche absinkenden organischen Materials in Verbindung gebracht. Spätere Auswertungen bestätigten die langfristige Veränderlichkeit der Tiefseefauna und ordneten sie in den Zusammenhang großräumiger, klimagesteuerter Schwankungen ein.David S. M. Billett, Brian J. Bett, William D. K. Reid, B. Boorman, Imants G. Priede (2010): Long-term change in the abyssal NE Atlantic: The ‚Amperima Event' revisited. In: Deep-Sea Research Part II. Band 57 (2010), S. 1406–1417. DOI:10.1016/j.dsr2.2009.02.001.

Bedeutung

Als gut zugänglicher, repräsentativer Standort des offenen Ozeans mit jahrzehntelangen, durchgehenden Messreihen ist die Porcupine-Tiefseeebene ein wichtiges Referenzgebiet für die Erforschung des Tiefsee-Kohlenstoffkreislaufs, der biologischen Pumpe und langfristiger ökologischer Veränderungen in der Tiefsee. Die langen Zeitreihen sind besonders wertvoll für die Erkennung klimabedingter Trends im Ozean; selbst in dieser abgelegenen Lage lassen sich Spuren menschlichen Einflusses nachweisen, von Müll am Meeresboden bis zu großräumigen Veränderungen des CO₂-Gehalts.

Einzelnachweise

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