Marion Kozak (gebürtig Dobra Jenta Kozak; * 22. Dezember 1934 in Częstochowa; † 27. Mai 2026 in London) war eine polnisch-britische Lehrerin, Autorin, sozialistische Feministin sowie Kinder-, Friedens- und Menschenrechtlerin. Sie überlebte als jüdisches Kind den Holocaust in Polen, heiratete 1961 den marxistischen Historiker Ralph Miliband und war die Mutter der Labour-Politiker David und Ed Miliband.
Leben Kozak wurde als Tochter von Bronisława, geborene Landau, und Dawid Kozak in Częstochowa geboren, wo ihre Eltern ein Unternehmen in der Metallbranche besaßen. Nach dem Einmarsch des nationalsozialistischen Terrorregimes im September 1939 wurde die Fabrik beschlagnahmt, und 1942 floh Bronisława Kozak mit Marion, deren Schwester Hadassa und der Schwägerin Cecylia aus dem Ghetto von Częstochowa. Dawid Kozak blieb bei seinen Eltern zurück; er wurde über Auschwitz und Struthof in das KZ-Außenlager Hailfingen gebracht und starb dort am 16. Januar 1945. Marion Kozak, ihre Mutter und ihre Schwester überlebten mit Hilfe mehrerer Helfer, darunter Helena und Andrzej Sitkowski, die sie in Warschau versteckten. 1947 kam sie mit zwölf Jahren allein ins Vereinigte Königreich, lebte zunächst bei einer orthodox-jüdischen Familie im Norden Londons, besuchte ihre Mutter und Schwester 1951 in Israel und kehrte alsbald ins Vereinigte Königreich zurück. Sie legte A-Level ab und begann mit 18 Jahren ein Studium der Wirtschaftsgeschichte an der London School of Economics, wo sie Lehrveranstaltungen von Ralph Miliband besuchte. Nach einem weiteren Israel-Aufenthalt lernte sie Miliband 1960 näher kennen, heiratete ihn 1961 und bekam mit ihm die Söhne David und Ed, die 1965 bzw. 1969 geboren wurden. 1976 wurde sie an der University of Hull mit einer Arbeit über Frauen in der Munitionsarbeit im Ersten Weltkrieg promoviert.
Wirken Kozak unterrichtete Ende der 1960er-Jahre Geschichte an der Camden School for Girls und wandte sich danach Themen wie Kindheit, Erwerbsarbeit und Betreuung zu. In den 1980er-Jahren brachte sie sich in die National Childcare Campaign ein und war von 1989 bis 1994 die erste Geschäftsführerin des Daycare Trust. Sie veröffentlichte Arbeiten zu Betreuung, Familie und Erwerbsarbeit, darunter den Bericht Employment, Family Life and the Quality of Care Services, und hatte 1966 unter ihrem Ehenamen The Observer of the 19th Century herausgegeben. Im Haus der Milibands in Primrose Hill trafen sich Vertreter der New Left, unter ihnen Tariq Ali, Tony Benn, E. P. Thompson und Eric Hobsbawm, während Kozak und Ralph Miliband ihre Söhne früh in politische Diskussionen einbezogen. Sie war Aktivistin der Campaign for Nuclear Disarmament, unterstützte Jews for Justice for Palestinians und gehörte zu den Unterzeichnerinnen der Gründungserklärungen von Jews for Justice for Palestinians und Independent Jewish Voices. Gemeinsam mit ihrer Schwester Hadassa setzte sie sich erfolgreich dafür ein, Helena und Andrzej Sitkowski von Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern würdigen zu lassen; 1996 nahm Andrzej Sitkowski in Jerusalem mit beiden Schwestern an der Ehrung teil. Nach ihrem Tod würdigten David und Ed Miliband sie als Mutter, Großmutter und Schwester, deren Leben vom Trauma des Holocaust zu Sicherheit und Freude im Vereinigten Königreich geführt habe.
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