Biblissima+ ist ein Projekt, das vor allem Handschriften aus öffentlichen Bibliotheken und Archiven Frankreichs mit digitalen Methoden erschließt. Es umfasst insbesondere eine Datenbank (Biblissima), ein Webportal (Portail Biblissima) und ein Portal für IIIF-Digitalisate (IIIF Collections).
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Biblissima-Datenbank Die Datenbank dient als eigene Normdatei für die verschiedenen Biblissima-Projekte. Die verwendete Software ist MediaWiki, Datenbankstruktur und Benutzeroberfläche ähneln Wikidata. Stand Juni 2026 umfasst die Datenbank über 800.000 Datensätze zu einzelnen Entitäten (davon über 300.000 zu einzelnen Handschriften) und über 50 Millionen Tripel.
Neben Büchern (Handschriften und frühen Drucke) erfasst die Datenbank unter anderem auch Institutionen, Personen und Orte, die mit den Büchern zu tun haben oder zu ihrer Beschreibung geeignet sind. Für Buchmalerei gibt es eine eigene Gruppe von Beschreibungen bestimmter Motive, auch Bibelzitate werden eigens erfasst. Die einzelnen Einträge zu Handschriften nennen mindestens Signatur, besitzende Bibliothek und (soweit vorhanden) Digitalisate sowie online verfügbare Handschriftenbeschreibungen; in vielen Fällen ist auch einschlägige Literatur, teilweise wieder mit Links auf entsprechende Digitalisate, angegeben. Soweit vorhanden, werden IIIF-Protokolle verlinkt.
Alle Handschriften und Drucke, die in der Datenbank erfasst sind, sind jeweils ein Datenobjekt, wobei Biblissima sich an bibliothekarischen Einheiten, nicht an kodikologischen Einheiten orientiert: Ein Buch gilt dann als genau ein Objekt, wenn es eine eigene Signatur trägt. Mehrbändige Bücher können als ein oder mehrere Datenobjekte erfasst sein, je nachdem, ob die besitzende Institution eine Signatur oder mehrere (eine pro Band) vergeben hat.
Aussagen werden durch die Verknüpfung eines Datenobjekts (Item) mit einer Eigenschaft (Property) und einem Wert dargestellt. Alle Datenobjekte und Eigenschaften werden mit einem Identifikator (QID bzw. PID) versehen. Der Wert kann dabei seinerseits ein Datenobjekt, aber auch eine Zahl, ein URL oder eine Zeichenfolge sein. Die Aussage „Bamberg, Staatsbibliothek, Msc.Can.5 ist eine Handschrift“ wird zum Beispiel durch die Verknüpfung des Identifikators des Codex selbst (QID = Q252524), der Eigenschaft „instance of“ (PID = P2) und des Datenobjekts „manuscript“ (QID = Q32810) abgebildet. Die Aussage, dass digitale Bilder der Bamberger Handschrift unter einer bestimmten URL verfügbar sind, wird die Verknüpfung des Identifikators des Codex (QID = Q252524), der Eigenschaft „digitized at“ (PID = P197) und dem entsprechenden URL als Wert getroffen. Dabei haben alle vier Identifikatoren ein Äquivalent in Wikidata (nämlich Q125823182, P31, Q115534335 und P953), auf die die Biblissima-Einträge in allen Fällen außer Q115534335 auch verlinken. Die Parallelität zu entsprechenden Wikidata-Einträgen und die häufige Verlinkung derselben sollen Interoperabilität sichern.
Alle beschreibenden Daten stehen unter einer freien Lizenz, die mit Creative Commons CC BY vergleichbar ist. Die Datenbank kann über eine dokumentierte Schnittstelle abgefragt werden.
Portail Biblissima Das Webportal erlaubt Abfragen der Biblissima-Datenbank mit unterschiedlichen Suchbegriffen und Filter-Einstellungen.
IIIF Collections Biblissima betreut eine institutionenübergreifende Plattform, die die Suche nach IIIF-Digitalisaten von Handschriften und frühen Drucken in zahlreichen europäischen (und einigen außereuropäischen) Sammlungen ermöglicht. Neben zahlreichen öffentlichen Bibliotheken und Archiven Frankreichs umfasst dies auch mehrere der weltweit größten Sammlungen mittelalterlicher Handschriften außerhalb Frankreich, insbesondere die Biblioteca Apostolica Vaticana, die Bayerische Staatsbibliothek, die Biblioteca Medicea Laurenziana und verschiedene Bibliotheken der Universitäten Oxford und Cambridge bzw. einzelner Colleges.
Weitere Aktivitäten Im Rahmen des Projektes sind verschiedene digitale Werkzeuge entstanden und veröffentlicht worden, die zur Erschließung von vormodernen Handschriften nützlich sind, z. B. Collatinus-web, eine Datenbank, die zahlreiche Wörterbücher der lateinischen und mittellateinischen Sprache (sowie Ducanges Glossarium) erfasst und sowohl Übersetzung als auch Lemmatisierung lateinischer Wörter erlaubt.
Geschichte Biblissima+ geht zurück auf das 2012 begonnenes Projekt Biblissima; seit 2021 trägt es seinen aktuellen Namen. Der Schwerpunkt lag und liegt auf Schriftgut des 8. bis 18. Jahrhunderts aus Westeuropa, vor allem in Form von gebundenen Handschriften (Codices) und Inkunabeln, die in öffentlichen Bibliotheken und Archiven Frankreichs aufbewahrt werden.Anne-Marie Turcan-Verkerk: Ancient written cultures and digital technology: Biblissima(+). Preparing tomorrow’s research and providing access to the written heritage. In: Bibliothek und Wissenschaft 55 (2022 ), S. 103–119. https://ephe.hal.science/hal-04048320 Die meisten erfassten Dokumente sind daher in lateinischer oder (alt-)französischer Sprache abgefasst. Die beschreibenden Daten wurden aus Bibliothekskatalogen übernommen, unter anderem dem Handschriften- und Inkunabel-Katalogen der Bibliothèque nationale de France, den vom IRHT erstellten Katalogen der Klassiker-Handschriften der Biblioteca Apostolica Vaticana und den online-Katalogen der Universitätsbibliothek Heidelberg; zudem wurden andere Handschriften-Datenbanken verlinkt. Ab 2015 und bis 2020 wurden die Datenbanken Initiale und Mandragore, die Buchmalerei in mittelalterlichen Handschriften erfassen, im Kontext von Biblissima zusammengeführt und später in die Biblissima-Datenbank integriert. Ab 2018 setzte das Projekt stark auf die Etablierung von IIIF als Standard bei der Digitalisierung von Handschriften; seither werden immer mehr Handschriften in anderen als französischen Bibliotheken vom Projekt erfasst. Im gleichen Jahr wurde eine eigene Normdatei aufgebaut, für die eine Interoperabilität mit anderen Normdateien (unter anderem Wikidata und GND, aber nicht VIAF) angestrebt wird.
Literatur
Damien Strzelecki: Accéder à un large éventail de ressources sur le patrimoine écrit : le portail Biblissima et l’infrastructure Biblissima+. In: Carnets du CESCM, 24. April 2024, . Abgerufen am 18. Juni 2026. Anne-Marie Turcan-Verkerk: Biblissima : observatoire des cultures écrites anciennes. In: éphéméride : Le magazine de l’École Pratique des Hautes Études 17 (2025), S. 28–29.
Weblinks
Projekt-Homepage Datenbank Portail Biblissima IIIF Collections Collatinus-web
Einzelnachweise
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