Der Fair-Isle-Strom (englisch Fair Isle Current, FIC) ist eine Meeresströmung, die atlantisch geprägtes Wasser zwischen den Orkney- und den Shetlandinseln durch die Fair-Isle-Passage in die nördliche Nordsee führt. Er gilt als einer der drei wichtigsten Zustromwege von Atlantikwasser in die nördliche Nordsee – neben dem Einstrom östlich von Shetland (East Shetland Atlantic Inflow, ESAI) und jenem entlang der Westflanke der Norwegischen Rinne (NCC und NTI) – und ist nach der etwa mittig zwischen Orkney und Shetland gelegenen Insel Fair Isle benannt.William R. Turrell (1992): New hypotheses concerning the circulation of the northern North Sea and its relation to North Sea fish stock recruitment. In: ICES Journal of Marine Science. Band 49 (1992), Ausgabe 1, S. 107–123. DOI:10.1093/icesjms/49.1.107.
Verlauf und Eigenschaften
Der Fair-Isle-Strom speist sich aus atlantischem Wasser, das vom European Slope Current entlang der schottischen Schelfkante herangeführt und beim Umströmen Nordschottlands mit Küstenwasser vermischt wird. Er tritt zwischen Orkney und Shetland in die Nordsee ein und folgt dabei näherungsweise der 100-m-Isobathe – sowohl westlich von Orkney als auch innerhalb der nördlichen Nordsee.William R. Turrell, E. W. Henderson, Graham Slesser (1990): Residual transport within the Fair Isle Current observed during the Autumn Circulation Experiment (ACE). In: Continental Shelf Research. Band 10 (1990), S. 521–543. DOI:10.1016/0278-4343(90)90080-6. Im Inneren der nördlichen Nordsee verläuft er nach Südosten und mündet schließlich in den südwärtigen Strom entlang der Norwegischen Rinne ein; gemeinsam mit den übrigen Atlantikzuströmen bildet er so die zyklonale (gegen den Uhrzeigersinn gerichtete) Zirkulation der nördlichen Nordsee.
Während des Autumn Circulation Experiments (1987) wurde der Fair-Isle-Strom als vertikal homogene Strömung mit einem Salzgehalt von 35,05–35,15 PSU beobachtet. Die mittlere Reststromgeschwindigkeit betrug rund 7 cm/s westlich von Orkney und etwa 10 cm/s innerhalb der Nordsee. Der mittlere Volumentransport lag bei etwa 1,3·10⁵ m³/s (rund 0,13 Sverdrup (Sv)) westlich von Orkney; in der nördlichen Nordsee schwankte er jahreszeitlich zwischen etwa 1,5·10⁵ und 4·10⁵ m³/s. Der Strom wird durch das Zusammenspiel von horizontalen Dichteunterschieden, Windschubspannung und der Gleichrichtung von Gezeitenströmen angetrieben; seine Stärke ist veränderlich und wird unter anderem durch die Nordatlantische Oszillation moduliert.Robert Marsh, Ivan D. Haigh, Stuart A. Cunningham, Mark E. Inall, Marie Porter, Ben I. Moat (2017): Large-scale forcing of the European Slope Current and associated inflows to the North Sea. In: Ocean Science. Band 13 (2017), S. 315–335. DOI:10.5194/os-13-315-2017.
Bedeutung
Der Fair-Isle-Strom trägt warmes, salzreiches und nährstoffhaltiges Atlantikwasser in die nördliche Nordsee ein und beeinflusst dort zusammen mit dem Schottischen Küstenstrom die hydrographischen Bedingungen entlang der schottischen Ostküste. Schwankungen seiner Stärke wirken sich auf Salzgehalt und Schichtung der nördlichen Nordsee aus und werden mit der Rekrutierung von Fischbeständen in Verbindung gebracht.
Einzelnachweise
Kategorie:Ozeanografie Kategorie:Meereskunde Kategorie:Nordsee Kategorie:Meeresströmung