Der Eisenbahnunfall von Grand Crossing war der Zusammenstoß zweier Personenzüge auf der Grand Crossing, einer damals niveaugleichen Kreuzung zweier Bahnstrecken südlich von Chicago am 25. April 1853. Mit 22 Toten war es der schwerste Eisenbahnunfall, der sich zu diesem Zeitpunkt in den USA ereignet hatte.
mini|„Grand Crossing“ im Ausbauzustand von 1902
Ausgangslage Vorgeschichte Zum Zeitpunkt des Unfalls lag die – erst später so bezeichnete – „Grand Crossing“ in noch unbebautem Sumpf vor den Toren Chicagos, etwa 13 km südlich des Stadtzentrums. Hier kreuzten die Bahnstrecke der Lake Shore and Michigan Southern Railway, die von Südosten auf Chicago zulief, mit der Strecke der Michigan Central Railroad, die von Süden kommend auf das Stadtzentrum zielte, niveaugleich. Die Gleise der Michigan Central Railroad wurden von Zügen der Illinois Central Railroad (IC) mitgenutzt.Civelli, S. 56.
Der Unfall ereignete sich in der Dunkelheit des Abends des 25. April 1853.
Infrastruktur Die erste Eisenbahn verkehrte in Chicago 1848. In den folgenden Jahren entwickelte sich der Ausbau der Bahnen in und um Chicago rasant. Dabei entstand 1852 auch die Grand Crossing. Signale gab es an der Kreuzung nicht, gefahren wurde auf SichtIgnaz Civelli: Eisenbahnen in Chicago. DGEG-Medien, 2026, S. 56. und es bestand die Regel, dass Züge, die nach Chicago fuhren, Vorfahrt vor denen hatten, die aus Chicago kamen.John Hmurovic: “Pop” Whiting and One of the Worst Accidents in Early U.S. Railroad History. In: John Hmurovic: One Minute After Sunrise: The Story of the Standard Oil Refinery Fire of 1955. iUniverse, Bloomington (IN) 2017.
Die Züge An diesem Abend bewegten sich zwei Züge auf die „Grand Crossing“ zu. Der erste Zug war ein Schnellzug der Lake Shore Southern, der planmäßig um 21:00 Uhr Chicago in Richtung Osten verlassen sollte. Da er einen Anschlusszug abgewartet hatte, fuhr er mit etwa 30 Minuten Verspätung auf die Kreuzung zu. Der zweite Zug war ein gemischter Zug der Michigan Central, umfasste 24 Wagen, wovon nur einige Personenwagen waren. Der Zug verkehrte mit etwa sieben Stunden Verspätung in Richtung Chicago. Der Frontscheinwerfer von dessen Lokomotive war defekt. Der Leiter der Werkstatt hatte den Lokführer angewiesen, diesen Mangel zu ignorieren. Die Fahrgäste des Zuges waren überwiegend Einwanderer in die Vereinigten Staaten, viele aus Deutschland. Sie reisten in „Auswandererwagen“ im vorderen Teil des Zuges.
Unfallhergang Gegen 22:00 Uhr erreichten beide Züge die Kreuzung. Der Lokführer des vorfahrtsberechtigten Zuges der Michigan-Central fuhr mit geringer Geschwindigkeit auf die Kreuzung zu. Der Lokführer des Zuges der Lake-Shore-Southern konnte den Michigan-Central-Zug erst 400 Meter vor der Kreuzung erkennen, denn dessen Frontscheinwerfer funktionierte nicht. Er gab ein Pfeifsignal, mit dem er die Bremser zum Bremsen aufforderte. Der Bremsweg war aber inzwischen zu kurz. Die Lokomotive prallte mit etwa 40 km/h in den sechsten Wagen des Auswandererzuges. Die Lokomotive und deren Tender, der Gepäckwagen und ein Personenwagen des Schnellzuges sowie drei der Auswandererwagen der Michigan-Central schoben sich ineinander.NN: The Accident on the Michigan Road. In: Chicago Tribune. 26. April 1853.
Folgen Unmittelbare Folgen 22 Menschen starben, 40 wurden darüber hinaus verletzt.Die Angaben zur Zahl der Opfer unterscheiden sich je nach Quelle. Die Angaben berichten von 18 bis 22 Toten und 40 bis 60 Verletzten.
Die Lokomotive des Auswandererzuges fuhr unmittelbar nach dem Zusammenstoß zum Great Central Depot in Chicago, wo Bahnverwaltung und Behörden informiert wurden. Bergung und Versorgung der Überlebenden vor Ort war schwierig, da die Bahnanlagen von Sumpf umgeben waren. Ein Sonderzug mit Ärzten und Hilfsgütern traf gegen Mitternacht an der Unfallstelle ein. Ab etwa 2:30 Uhr morgens wurden die Überlebenden in die Stadt gebracht.
Mittelbare Folgen mini|Umbau von „Grand Crossing“ 1912 mini|Heutige Ansicht der ungefähren Unfallstelle von 1853
Die Untersuchung des Unfalls durch die Grand Jury kam zu dem Ergebnis, dass beide Lokomotivführer sowie beide Zugführer verantwortlich waren und stellte „grobe Fahrlässigkeit“ (gross negligence) fest.NN: Verdict. In: Chicago Tribune. 28. April 1853. (chicagology.com)
In Folge des Unfalls wurden Signale und über die Gleise schwenkbare Schranken an der „Grand Crossing“ installiert. Die Kreuzung selbst wurde aber zunächst nicht beseitigt, sondern zur größten derartige Anlage weltweit ausgebaut.Ignaz Civelli: Eisenbahnen in Chicago. DGEG-Medien, 2026, S. 58.
Literatur Ignaz Civelli: Eisenbahnen in Chicago (= EisenbahnGeschichte Spezial. Band 4). DGEG-Medien, 2026, ISBN 978-3-946594-35-2. John Hmurovic: “Pop” Whiting and One of the Worst Accidents in Early U.S. Railroad History. In: John Hmurovic: One Minute After Sunrise: The Story of the Standard Oil Refinery Fire of 1955. iUniverse, Bloomington (IN) 2017, ISBN 978-1-5320-1958-6. (wrhistoricalsociety.com) NN: The Accident on the Michigan Road. In: Chicago Tribune. 26. April 1853. (chicagology.com)
Anmerkungen
Einzelnachweise
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