Der kluge Blinde ist ein pakistanisches Märchen (AaTh 655: Die scharfsinnigen Brüder).Annemarie Schimmel (Übers. und Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Pakistan. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 93–95, 278.
Handlung Ein König geht mit seinem Diener und seinem Wezir auf die Jagd, während der sie ein Beutetier verfolgen, wodurch sie getrennt werden. Der Diener begegnet daraufhin einem blinden Fakir, den er als ollen Blinden anspricht und ihn fragt, ob er denn den König gesehen habe, woraufhin ihn der Fakir als ollen Sklaven anredet und die Antwort verneint. Danach trifft der Wezir auf den Fakir und spricht ihn mit „O blinder Mann“ an, sodass dieser mit „O Wezir“ antwortet, dass er den König nicht gesehen habe. Als der König dann vorbeikommt und den Fakir mit „O blinder Schah“ anspricht sowie nach seinen Männern fragt, erzählt dieser ihm, dass sie vor kurzem dagewesen waren, worüber sich der König wundert und fragt, wie er sie denn erkannt habe. Da erklärt der Fakir, dass der Status der Leute an ihrer Redeweise zu erkennen sei, was dem König gefällt und so stellt er den Blinden in seinen Dienst.
Später wird dem König ein Rubin zum Verkauf angeboten, den der Fakir untersuchen soll, und dieser rät davon ab, da in dem Edelstein ein Insekt eingeschlossen sei, was er an dem Gewicht erkennen könne. Der König lässt den Rubin daraufhin zerbrechen, um die Worte des Fakirs zu überprüfen, und in dem Stein findet sich das Insekt. Also befiehlt er höchst zufrieden, dass der Fakir von nun an drei statt zwei Rupien am Tag erhalten sowie königliche Speisen vorgesetzt bekommen solle.
Einige Tage später wird dem König eine schöne Frau für seinen Harem angeboten, die der Fakir untersucht, indem er sie von Kopf bis Fuß berührt. Da diese dabei aber nicht zuckt, so wie es edle Frauen tun würden, denen die Berührungen eines fremden Mannes unangenehm wären, schließt der Fakir daraus, dass sie eine Hurentochter sei, wodurch ihre Aufnahme in den Harem abgelehnt wird. Der König will dem Fakir daraufhin täglich vier Rupien auszahlen lassen, doch dieser meint, dass der König recht geizig sei und sein Rat mehr Wert hätte, also verlässt er die Dienste des Königs.
Hintergrund Das Märchen wurde von ‘Abdurrazzāq Mēmmon erzählt und erhielt in Annemarie Schimmels Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Pakistan (Düsseldorf / Köln 1980) den Titel Der kluge Blinde. Verglichen werden kann die Enzyklopädie des Märchens, Band 2, 880 ff. (Berlin 1977–1979).
Literatur Annemarie Schimmel (Übers. und Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Pakistan. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 93–95, 278.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (Pakistan) Kategorie:Märchen