Christina Isabel Brüning ist eine deutsche Geschichtsdidaktikerin und seit 2021 Professorin für Didaktik der Geschichte an der Philipps-Universität Marburg. Sie forscht zur Bildungsarbeit zum Holocaust und Genoziden, diskriminierungskritischer Bildung, digitaler Erinnerungskultur sowie Gender, Postkolonialismus und Rechtsextremismus.
Leben Nach Studium und Referendariat in Berlin arbeitete Brüning zunächst als Studienrätin für Geschichte, Politik und Englisch. Danach war sie an der Freien Universität Berlin wissenschaftliche Mitarbeiterin am Friedrich-Meinecke-Institut sowie Lehrbeauftragte am Otto-Suhr-Institut. Von 2013 bis 2017 lehrte sie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg Zeitgeschichte und Didaktik der historisch-politischen Bildung und stellte am Selma-Stern-Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg ihre Dissertation fertig. Die 2017 an der Eberhard Karls Universität Tübingen angenommene Arbeit erschien 2018 als Holocaust Education in der heterogenen Gesellschaft. Dafür erhielt sie den ersten Preis der Tübingen School of Education für die beste Qualifikationsschrift. Von 2017 bis 2019 arbeitete sie am Institut für Geschichtsdidaktik und Public History der Universität Tübingen, anschließend bis 2021 am Lehrstuhl für politische Bildung der Universität Potsdam; im Sommersemester 2021 vertrat sie eine Professur an der Universität Leipzig.
Im Dezember 2025 wurden in Marburger Universitätsgebäuden zwei gegen Brüning gerichtete Mordaufrufe entdeckt; die Ermittlungen des Polizeilichen Staatsschutzes blieben ohne Ergebnis und wurden eingestellt. Nach einer gegen Brüning gerichteten antisemitischen Schmiererei mit Pro-Palästina-Aufruf im Mai 2026 nahm die Polizei gesonderte Ermittlungen wegen des Verdachts der verhetzenden Beleidigung und möglicher Sachbeschädigung auf.
Wirken Brünings Dissertation untersuchte empirisch den Einsatz videografierter Zeugnisse Überlebender nationalsozialistischer Genozide in heterogenen Lerngruppen sowie Potenziale und Grenzen digital vermittelter Begegnungen. Weitere Themen sind historisches Lernen in der postmigrantischen Gesellschaft, der Nahostkonflikt, Rechtsextremismus, sozialen Medien und künstliche Intelligenz sowie Mehrsprachigkeit und bilingualer Unterricht. Gemeinsam mit Susann Gessner entwickelte sie das Seminar Decolonize Teacher Education?! (‚Dekolonisierung der Lehrerausbildung?!‘), das 2022 den Lehrpreis Lehre@Philipp und im April 2023 die Auszeichnung Hochschulperle des Monats erhielt. Brüning leitet das Verbundprojekt Rex-WiHo, das rechtsextreme Aktivitäten an Hochschulen und den institutionellen Umgang damit untersucht. Im Projekt Politics of Gender untersucht sie mit Susann Gessner und Inga Nüthen Deutungsmuster zu Emanzipierung, Antifeminismus, Gender und Transfeindlichkeit. Als Antisemitismusexpertin war sie für eine Berliner Fördermitteljury vorgesehen, wurde aber nach Bedenken aus der CDU-Fraktion über eine mögliche Nähe zur BDS-Bewegung nicht berufen. Nachdem Berlins parteilose Kultursenatorin Sarah Wedl‑Willson die Fördermittel schließlich ohne Beteiligung einer Jury vergeben hatte und in der Folge wegen rechtswidriger Vergabe zurücktrat, äußerte sich Brüning 2026 öffentlich zu der Affäre.
Brüning engagiert sich aktiv gegen Studentenverbindungen. In der medialen Berichterstattung über sie erklärte Brüning, im Oktober 2025 eine Gegenveranstaltung zu einem geplanten „Burschenschaftskongress“ in Marburg, der schließlich abgesagt worden sei, organisiert zu haben. Tatsächlich handelte es sich bei der Veranstaltung um die 85. Tagung des interkorporativen Arbeitskreises der Studentenhistoriker, die nach Bonn verlegt wurde.
Weblinks Deutschlandfunk Campus & Karriere. Das Bildungsmagazin vom 18. Juni 2026: Uni Marburg. Historikerin erhält Drohungen und fühlt sich nicht mehr sicher, von Josephine Schulz, Anna Spieß und Timon Gremmels
Einzelnachweise
Kategorie:Geschichtsdidaktiker Kategorie:Hochschullehrer (Philipps-Universität Marburg) Kategorie:Geboren im 20. Jahrhundert Kategorie:Frau Kategorie:Genozidforscher Kategorie:Postkolonialismus