Der Eisenbahnunfall von Granite Canyon ereignete sich am 4. Oktober 2018 nahe der Ortschaft Granite im US-Bundesstaat Wyoming, als ein Güterzug der Union Pacific Railroad (UP) auf freier Strecke mit einem stehenden Güterzug desselben Betreibers kollidierte und entgleiste. Zwei Personen wurden tödlich verletzt. Darüber hinaus entstand erheblicher Sachschaden.
Ausgangslage Am 4. Oktober 2018 war der 2006 m lange und 11 265 t schwere gemischte Güterzug MGRCY04 der Union Pacific Railroad (UP), bestehend aus den drei führenden dieselelektrischen Lokomotiven 5842, 5412 und 5003 sowie 105 Wagen, auf der Fahrt von Laramie nach Cheyenne. Die ersten neunzehn Wagen waren in Laramie in den aus Green River kommenden Zug eingestellt worden. Nach zwei erfolgreichen Bremsproben hatte er Laramie um 16:56 Uhr verlassen.
Der 3079 m lange und 12 223 t schwere Güterzug MPCNP03 der UP, bestehend aus zwei dieselelektrischen Lokomotiven an der Zugspitze, einer Zwischenlokomotive und 157 Wagen, fuhr dem MGRCY04 auf der zweigleisigen Strecke in östlicher Richtung voraus.
Unfallhergang Auf der Talfahrt in Richtung Cheyenne beträgt das Gefälle vom Sherman Hill Summit kommend bis zu 15,8 ‰, weshalb die elektrische Bremskraft der Lokomotiven nicht ausreicht, um einen schweren Güterzug sicher bergab zu bringen. Um den Güterzug MGRCY04 abzubremsen, begann der Lokomotivführer um 19:19 Uhr bei einer Geschwindigkeit von 31 km/h schrittweise den Druck in der Hauptluftleitung zu senken und legte 9 km weiter bei inzwischen 42 km/h das Führerbremsventil in die Vollbremsstellung. Als der Zug dennoch weiter beschleunigte, aktivierte er um 19:35 Uhr, 9,4 km nach Beginn der Bremsung, bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h die Schnellbremsstellung. Als auch das ohne Erfolg blieb, versuchte er über das Zugschlussgerät, das sogenannte End-of-Train Device (ETD), eine Schnellbremsung herbeizuführen, scheiterte jedoch an einer unterbrochenen Funkverbindung.
Anschließend informierte er das Union Pacific Harriman Dispatch Center über den Kontrollverlust, woraufhin der für die Region Laramie zuständige Fahrdienstleiter die Besatzung des weiter talwärts fahrenden Güterzuges MPCNP03 warnte. Nachdem dieser aus einer Geschwindigkeit von 32 km/h unweit der Siedlung Granite, etwa 61 km östlich von Laramie, 21 km östlich des Sherman Hill Summit und 40 km westlich von Cheyenne, zum Stehen gekommen war, verließen dessen Lokomotivführer und Beimann den Führerstand und brachten sich in Sicherheit.
Um 19:40 Uhr lief der nachfolgende Zug mit einer Geschwindigkeit von 89 km/h auf den stehenden auf. Die drei Lokomotiven sowie die ersten 57 Wagen des auffahrenden entgleisten ebenso wie acht Wagen am Ende des stehenden Zuges.
Folgen Der Lokomotivführer und der Beimann des auflaufenden Zuges kamen beim Aufprall ums Leben. Die beschädigten Kraftstofftanks der Lokomotiven verloren Dieselkraftstoff. Andere Chemikalien wurden nicht in die Umwelt freigesetzt. Die drei Lokomotiven sowie zahlreiche Wagen wurden so schwer beschädigt, dass sie zerlegt werden mussten. Der Sachschaden wird auf 3,83 Mio. USD geschätzt.
Ursachen Als Hauptursache wird eine Engstelle der Hauptluftleitung im vorderen Teil des Zuges angenommen. Spuren starker Erwärmung und Abnutzung an den Rädern und Bremseinrichtungen der ersten Wagen zeigen, dass diese auf die Bremsbefehle reagiert haben. Während sich das National Transportation Safety Board (NTSB) auf die Aufzeichnungen einer 11 km westlich der Unfallstelle installierten Festbremsortungsanlage beruft und daher die Engstelle der Leitung zwischen dem neunten und zehnten Wagen vermutet, verweist die Federal Railroad Administration (FRA) auf einen unsachgemäß montierten und daher abgeknickten Luftschlauch am vorderen Ende des zwanzigsten Wagens. Mindestens alle fünf Jahre muss eine Einzelwagen-Bremsprüfung durchgeführt werden, die bei sechs der in Laramie eingestellten Wagen überfällig war. Einer von ihnen lief an zehnter Stelle im Zug und verursachte gemäß den Untersuchungen des NTSB den Unfall.
Eine zweite Ursache war die Unterbrechung der Funkverbindung zum ETD. Eine solche ist bei langen Zügen in hügeligem Gelände nicht ungewöhnlich und muss dem Lokomotivführer nach den Vorgaben der FRA erst nach 16 Minuten und 30 Sekunden signalisiert werden.
Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich am 23. November 2018 westlich von Cheyenne, mit dem Unterschied, dass diesmal beim dritten Versuch eine Funkverbindung zum ETD aufgebaut und über dieses eine Schnellbremsung ausgelöst werden konnte. Am 20. Dezember 2018 stellte ein UP-Mitarbeiter abermals einen abgeknickten Luftschlauch an einem Güterwagen fest.
Siehe auch Liste von Eisenbahnunfällen in den Vereinigten Staaten Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr
Weblinks Foto der Trümmer (bloximages.chicago2.vip.townnews.com)
Einzelnachweise
Granite Granite Kategorie:Union Pacific Railroad