Die Fédération Française des Associations Philatéliques (FFAP; deutsch etwa Französischer Verband philatelistischer Vereine) ist der nationale Dachverband der organisierten Philatelie in Frankreich. Der Verband ist als französischer Verein nach dem Gesetz von 1901 organisiert und hat seinen Sitz in Paris. Er führt seine institutionelle Geschichte auf die 1922 gegründete Fédération des Sociétés Philatéliques Françaises (FSPF) zurück und trägt seit 1995 seinen heutigen Namen. Nach eigenen Angaben fasst die FFAP rund 460 philatelistische Vereine in 20 regionalen Gruppierungen sowie einem Zusammenschluss spezialisierter Vereinigungen zusammen; insgesamt vertritt sie rund 20.000 Mitglieder.

Die FFAP ist Mitglied der Fédération Internationale de Philatélie (FIP), der Federation of European Philatelic Associations (FEPA), der französischen Association pour le Développement de la Philatélie (ADPhile) und des Cercle de la Presse Philatélique. Zu ihren wichtigsten Tätigkeiten gehören die Organisation philatelistischer Wettbewerbe und Ausstellungen, die Förderung jugendlicher Sammler, die Ausbildung von Juroren, die jährliche Fête du timbre sowie die Herausgabe der Zeitschrift La Philatélie française.

Geschichte

Vorläufer im 19. Jahrhundert Die Wurzeln der organisierten französischen Philatelie reichen in das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts zurück. Am 5. Dezember 1874 gründeten Sammler im Pariser Haus des Barons Arthur de Rothschild die Société française de timbrologie (SFT). Ziel der Gesellschaft war die wissenschaftliche Beschäftigung mit Briefmarken. Rothschild wurde Präsident, Jacques Legrand übernahm das Amt des Sekretärs und Schatzmeisters. Die SFT organisierte 1878 einen internationalen Kongress der Timbrologie und war auch an der internationalen philatelistischen Ausstellung von 1900 in Paris beteiligt.

Nach Darstellung der FFAP kam es 1876 erstmals zu einer frühen Form überregionaler Koordination französischer philatelistischer Vereinigungen. Ein späterer Versuch, nach der Pariser Ausstellung und einem Philatelistenkongress von 1899 eine Fédération Française de Philatélie zu etablieren, blieb jedoch nur von kurzer Dauer.

Gründung der FSPF Ein entscheidender Schritt zur dauerhaften Verbandsbildung erfolgte 1921. Die Société Philatélique de Mulhouse organisierte im Mai dieses Jahres eine Ausstellung und lud Vertreter französischer philatelistischer Gesellschaften zu einem Kongress ein. Der Mulhouser Vereinspräsident Schmerber sprach sich dabei für die Schaffung einer Föderation aus, die die Interessen der Sammler und Vereine vertreten sollte.

Am 5. Juni 1922 wurde in Paris die Fédération des Sociétés Philatéliques Françaises (FSPF) gegründet. Erster Präsident wurde Maurice Langlois; der Sitz befand sich zunächst in der Rue Molière in Paris. Zum Gründungsbestand gehörten 37 philatelistische Gesellschaften. Bereits 1923 waren beim Kongress in Bordeaux 41 Vereine vertreten, im folgenden Jahr in Lyon 44 Vereine. 1926 gehörte die französische Föderation zu den nationalen Verbänden, deren Vertreter in Paris an der Gründung der Fédération Internationale de Philatélie beteiligt waren.

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Tätigkeit der philatelistischen Vereine in Frankreich durch Besatzung und Vereinsbeschränkungen stark eingeschränkt. Die Föderation hielt jedoch nach eigener Darstellung die Verbindung zu den Vereinen aufrecht; auch ihr Bulletin erschien trotz zeitweiliger Verbote weiter.

1947 waren beim Kongress in Niort bereits 158 Gesellschaften vertreten; gleichzeitig bestanden 22 Regionen, die jeweils Delegierte wählten. Beim 50-jährigen Bestehen der Föderation, das 1971 beim Kongress in Grenoble begangen wurde, zählte der Verband nach eigenen Angaben 450 Vereine mit 60.000 erwachsenen Mitgliedern sowie rund 8.000 Jugendlichen.

In den 1970er Jahren geriet der Verband in finanzielle Schwierigkeiten, die nach Darstellung der FFAP unter anderem mit der Verwaltung der Verbandszeitschrift zusammenhingen. Nach dem Kongress von Nantes und unter Präsident Gabriel Gourin wurde ein Sanierungsplan umgesetzt.

Umbenennung in FFAP Nach dem Kongress von Niort 1992 begann unter Präsident Robert Deroy eine grundlegende Überarbeitung der Verbandssatzung. Die neuen Statuten wurden 1994 beim Kongress von Martigues angenommen. 1995 änderte die FSPF gemäß diesen Statuten ihren Namen in Fédération Française des Associations Philatéliques; zugleich wurde ein neues Logo eingeführt.

2006 übernahm Yves Tardy die Präsidentschaft. Unter ihm wurde die finanzielle Konsolidierung fortgesetzt; zugleich etablierte sich die Formel La passion du timbre als Verbandsslogan. Nach Tardys Tod 2010 folgte zunächst Robert Cloix, 2012 Claude Désarménien. Seit dem 94. Kongress in Valenciennes 2021 wird die FFAP von Philippe Lesage geleitet.

Zum hundertjährigen Bestehen der 1922 gegründeten Föderation veröffentlichte die FFAP 2022 den historischen Band FFAP, une belle centenaire: 1922–2022.

Organisation Die FFAP ist ein nationaler Dachverband. Sie ist dezentral aufgebaut und besteht aus regionalen philatelistischen Gruppierungen sowie dem Groupement des Associations Philatéliques Spécialisées (GAPS), in dem überregional tätige Spezialvereinigungen organisiert sind. Die regionalen Gruppierungen koordinieren die Arbeit der angeschlossenen Vereine und stellen Mitglieder des Conseil fédéral.

Das Exekutivorgan ist das Bureau fédéral. Es behandelt laufende Angelegenheiten und achtet auf die Umsetzung der Beschlüsse von Generalversammlung und Conseil fédéral. Die Mitglieder des Bureau fédéral sind ehrenamtlich tätig; nach Angaben der FFAP beschäftigt der Verband lediglich einen administrativen Angestellten. Präsident ist Philippe Lesage.

Tätigkeiten

Wettbewerbe und Ausstellungen Ein Schwerpunkt der FFAP liegt in der Organisation und Anerkennung philatelistischer Ausstellungen und Wettbewerbe. Wettbewerbe finden auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene statt. Auf regionaler Ebene liegen sie in der Verantwortung der Gruppierungen; nationale Wettbewerbe werden von der FFAP betreut, internationale Wettbewerbe unterliegen den jeweiligen nationalen Verbänden sowie der FEPA oder der FIP.

Die Wettbewerbe umfassen verschiedene philatelistische Klassen, darunter traditionelle Philatelie, Postgeschichte, Aerophilatelie, thematische Philatelie, Jugendphilatelie, Literatur, offene Klasse sowie verwandte Sammelgebiete wie Cartophilie und Erinnophilie. Die Bewertung erfolgt durch Juroren und führt zu Medaillen- beziehungsweise Punktwertungen; für höhere Wettbewerbsebenen sind Mindestbewertungen erforderlich.

Die nationalen Ausstellungen erscheinen heute häufig unter dem Namen Phila-France. Bei Phila-France 2025 in Colmar war die FFAP gemeinsam mit dem regionalen Verband von Elsass und Belfort Veranstalter; die Ausstellung verband den französischen Meisterschaftswettbewerb mit dem 98. Kongress der FFAP.

Fête du timbre Die Journée du timbre, seit 2000 Fête du timbre, gehört zu den bekanntesten regelmäßigen Veranstaltungen der französischen Philatelie. Sie wurde in Frankreich von der FSPF 1937 geschaffen und wird seit 1938 durchgeführt. Bis 1944 wurde sie vor allem mit philatelistischen Dokumenten und Sonderstempeln begangen. 1944 gab die französische Post erstmals eine eigene Briefmarke zur Journée du timbre heraus; sie erinnerte an die Petite Poste von Jean-Jacques Renouard de Villayer.

Die Veranstaltung findet in zahlreichen französischen Städten statt und wird von lokalen Vereinen getragen. Sie dient zugleich der Öffentlichkeitsarbeit für das Sammeln von Briefmarken und postalischen Belegen.

Zeitschrift La Philatélie française Seit 1952 gibt die Föderation die Zeitschrift La Philatélie française heraus. Der Titel wurde am 1. Januar 1952 angemeldet, der erste Jahrgang erschien im selben Jahr. Vorläufer waren das Bulletin de la Fédération des Sociétés Philatéliques Françaises und spätere Informationsblätter der FSPF. Die Zeitschrift erschien zunächst monatlich und wurde im Januar 2007 auf einen zweimonatlichen Rhythmus umgestellt. 2021 erschien die 700. Ausgabe.

Die Zeitschrift enthält Verbandsnachrichten, Ausstellungsberichte, Beiträge zur Postgeschichte, zu einzelnen Sammelgebieten und zur philatelistischen Literatur. Sie dient zugleich als Kommunikationsorgan der angeschlossenen Vereine.

Jugend- und Öffentlichkeitsarbeit Die FFAP betreibt Nachwuchsförderung über die angeschlossenen Vereine, regionale Gruppierungen und eigene Jugendstrukturen. Sie unterstützt die Präsentation jugendlicher Sammler in Wettbewerben und Ausstellungen und fördert Einführungsangebote in die Philatelie. Nach Angaben des Verbandes gehören seinen angeschlossenen Strukturen rund 1.000 Jugendliche an.

In den 2020er Jahren standen die organisierten philatelistischen Verbände in Europa vor einem deutlichen Rückgang ihrer Mitgliederzahlen. Le Monde berichtete 2026 unter Bezug auf eine FEPA-Studie, dass die Zahl der europäischen philatelistischen Vereine und Mitglieder seit 2013 stark zurückgegangen sei; für Frankreich wurden dabei rückläufige Zahlen der in der FFAP organisierten Vereine und Mitglieder genannt. Die FFAP reagierte nach Darstellung ihres Präsidenten mit Popularisierungs- und Nachwuchsinitiativen, darunter Kooperationen mit Philaposte und der ADPhile.

Publikationen La Philatélie française. Verbandszeitschrift, seit 1952. FFAP, une belle centenaire: 1922–2022. Fédération française des associations philatéliques, Paris 2022, ISBN 978-2-9584779-0-5.

Literatur

Weblinks Offizielle Website Fédération française des associations philatéliques bei data.bnf.fr

Einzelnachweise

Kategorie:Organisation (Philatelie) Kategorie:Verein (Paris) Kategorie:Vereinsgründung 1922