mini|Die Stuckierung der Pfarrkirche Burgkirchen zählt zu den Meisterwerken von Johann Michael Vierthaler Johann Michael Vierthaler (getauft am 6. Februar 1673Staudigl 2015, S. 24 (Taufbuch der Pfarre Mining, Zeitraum 1635–1743: „Baptizatus est, Joannes filius leg. patris Stephani Fiertallers auf dem Fierthallerguett zu Undenbergghamb, parochia Mining, et Matris uxoris eius Apollonia“). in Mining; † 13. Jänner 1743 in Mauerkirchen) war ein bayerisch-österreichischer Stuckateur und Maurermeister.

Leben Johann Michael Vierthaler wuchs im Vierthalergut in der Ortschaft Unterbergham bei Mining als Sohn einfacher Bauersleute auf. Über seinen Lebenslauf ist bis zum Jahr 1709 wenig bekannt. Als Erster in seiner Familie wandte er sich dem Stuckateur-Handwerk zu.

Nach seiner Lehrzeit beim Salzburger Stuckmeister Joseph Schmidt (1660–1721)Schmidt joseph, Stuckateur. In: Gerhard Staudigl: Johann Michael Vierthaler. Der Maurerkirchner Stuckkünstler des 18. Jahrhunderts. Ried im Innkreis 2015, S. 75–77. in Ranshofen verbrachte Vierthaler seine Gesellwanderschaft in Süddeutschland.Staudigl 2015, S. 18, 28, 55 und 63. Dort lernte Vierthaler die Werke des italienischen Stuckkünstlers Giulio Zucalli aus der Künstlerfamilie Zuccalli kennen. Die letzte Phase seines Schaffens ab etwa 1730 war stark von der Wessobrunner Schule beeinflusst. Ob Vierthaler tatsächlich bei den Wessobrunnern gewesen sei oder mit einem ihrer Vertreter wie etwa Benedikt Zöpf zusammengearbeitet habe, lässt sich bis dato nicht nachweisen.Einleitung. In: Gerhard Staudigl: Johann Michael Vierthaler. Der Maurerkirchner Stuckkünstler des 18. Jahrhunderts. Ried im Innkreis 2015, S. 9.

Der genaue Standort von Vierthalers Werkstatt in Mauerkirchen ist nicht mehr eindeutig feststellbar.Brandstetter 1993, S. 13.

Familie Am 27. Jänner 1711 vermählte sich Johann Michael Vierthaler in Mauerkirchen mit Martha Mayr, einer Baderstochter aus Prien am Chiemsee. Aus dieser Ehe stammen die Kinder Ignaz Anton (1713–1738), Maria Elisabeth (geb. 1715), Franz (geb. 1717) und Anna Ottilia (geb. 1718). Nachdem seine Ehefrau am 26. April 1719 verstorben war, heiratete Vierthaler am 7. August 1719 in zweiter Ehe Maria Eva geborene Hagn (1687–1764), die ihm drei Kinder gebar, nämlich Jacob Vierthaler (1720–1778), Eva (geb. 1722) und Dominikus (geb. 1727).

Seine Söhne Ignaz Anton und Jacob betätigten sich ebenfalls als Stuckateure. Ignaz Anton arbeitete gemeinsam mit seinem Vater nachweislich in Großgmain von 1734 bis 1736, er starb aber bereits im Alter von 25 Jahren.Herbert Brandstetter: Vierthaler und sein Sohn Ignaz. In: Johann Michael Vierthaler. Der Maurerkirchner Stuckkünstler des 18. Jahrhunderts. Mattighofen 1993, S. 27–28. Dessen Halbbruder Jacob führte die Stuckarbeiten in der Wallfahrtskirche Gstaig bei Feldkirchen bei Mattighofen aus.

Werke Sakral- und Pfarrbauten mini|Stuckiertes Gewölbe in der Filialkirche Bogenhofen mini|Stuckiertes Gewölbe in der Pfarrkirche Mühlheim am Inn Johann Michael Vierthaler führte Stuckdekorationen an über 30 Kirchengebäuden durch.

Chronologisch geordnete, erhaltene Stuckatur-Arbeiten:Tabellarische Übersicht zu Vierthalers Arbeiten in den Kirchen- und Sakristeiräumen, Kirchenbauten und Pfarrhöfen von 1697–1742. In: Gerhard Staudigl: Johann Michael Vierthaler. Der Maurerkirchner Stuckkünstler des 18. Jahrhunderts. Ried im Innkreis 2015, S. 54–59.Dehio Oberösterreich. Dritte, neubearbeitete Auflage. Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1958, S. 27 („Aschau“), S. 40 („Bogenhofen“), S. 43 („Braunau“), S. 48 („Burgkirchen“), S. 68 („Erb“), S. 103 („Hagenau“), S. 113 („Heiligenstatt“), S. 129 („Kirchberg im Innkreis“), S. 193 („Mattighofen“), S. 194 („Mauerkirchen“), S. 206 („Munderfing“), S. 226 („Palting“), S. 235 („Pfaffstätt“), S. 240 („Polling im Innkreis“), S. 248 („Ranshofen“), S. 261 („Roßbach“), S. 274 („St. Florian bei Helpfau“), S. 279 („St. Laurenz bei Altheim“), S. 284 („St. Pantaleon“), S. 285 („St. Peter am Hart“), S. 290 („St. Veit im Innkreis“), S. 296 („Schalchen“), S. 346 („Treubach“), S. 350 („Uttendorf“), S. 374 („Weng im Innkreis“). Pfarrkirche Erlach in der Stadt Simbach am Inn: Akanthusstuckierung in der 1709 erbauten Marienkapelle Pfarrkirche Braunau-Ranshofen: Stuckarbeiten in der Rosenkranzkapelle und an den Seitenwänden (an der östlichen Hochwand im nördlichen Seitenschiff links unten mit „1712“ bezeichnet) und die Stuckdecke im heutigen Pfarrsaal (1711–1712), weiters nördliches Seitenschiff, östliche Stirnwand (rechts unten datiert mit „1732“) Pfarrkirche Uttendorf (1712): Stuckarbeiten an den Gewölben Pfarrkirche Geinberg: Stuckarbeiten im Chor und Hauptraum (1715–1717) und Stuckarbeiten im nördlichen Seitenschiff (1719) Schlosskapelle Uttendorf (1718) Pfarrkirche Waldzell (1720–1722): Stuck an der Turmfassade und den Außenwänden des Kirchengebäudes Stadtpfarrkirche Ried im Innkreis: Stuckarbeiten im Chor und Hauptraum, in Zusammenarbeit mit dem Rieder Maurermeister Matthias Perreiter (1721–1722), Stuck unter der Empore, bezeichnet mit „1727“ Pfarrkirche Munderfing: Stuckierung der Kirche (1722), südliches Seitenschiff, sogenannte Hofbauernkapelle (1736) Pfarrkirche Lohnsburg (1723): Kirchenerweiterung mit dem Maurermeister Matthias Perreiter (Bereiter) aus Ried im Innkreis Filialkirche St. Florian bei Helpfau in der Marktgemeinde Helpfau-Uttendorf (1724–1725): Stuckierung der Decke, Fresken von Johann Georg Reischl Filialkirche Aschau in Feldkirchen bei Mattighofen (1725): Stuck im Chorraum Pfarrkirche Vöcklamarkt (1725–1726) Pfarrkirche Höhnhart (1726): südliches Seitenschiff Filialkirche St. Martin in Kühnham (Pocking) (1726)Filialkirche St. Martin in Kühnham 1726 (im Rottal). In: Gerhard Staudigl: Johann Michael Vierthaler. Der Maurerkirchner Stuckkünstler des 18. Jahrhunderts. Ried im Innkreis 2015, S. 89 (Nachtrag zu den Werken Vierthalers). St. Michael (Inzell) in Bayern (1726–1727) Schlosskapelle Hagenau in der Gemeinde St. Peter am Hart (1728) Stiftskirche Mattsee (1728): Stuck im nördlichen Seitenschiff, dem ehemaligen Kreuzgang Pfarrkirche Treubach (1728–1729) Pfarrkirche Roßbach (1729), auch die Stuckdecken im ehemaligen Pfarrhof Schlosskapelle Erb (1730) Pfarrkirche Polling im Innkreis (1730), die Stuckierung orientiert sich sehr an jener in Aschau ehemaliges Oratorium im Schloss Neuhaus (1730) Pfarrkirche St. Peter am Hart (1733): Stuckdekoration von Kirche und Sakristei Pfarrkirche Altheim (1733–1734) Pfarrkirche Eggelsberg (1734–1735): Stuckierung der Seitenkapellen Brauerkapelle in der Stadtpfarrkirche Braunau (1734–1735) Filialkirche St. Veit im Innkreis (1735): gesamte Stuckierung Pfarrkirche Mühlheim am Inn (1737–1738) Filialkirche Bogenhofen in St. Peter am Hart (1738–1739): Gesamtstuckierung einschließlich der Kanzel Spitalskirche Hl. Geist in Mauerkirchen (1738–1739): kleinere Arbeiten Pfarrkirche Palting (1740) Pfarrkirche Kirchberg bei Mattighofen (1740) Pfarrkirche Burgkirchen (1741–1742): gesamte Stuckdekoration, vermutlich mit seinem Sohn Jacob Vierthaler

Nicht mehr erhalten sind Vierthalers Stuck in der Pfarrkirche Mauerkirchen (1728).

Die Stuckarbeiten in der Pfarrkirche Schalchen (vor 1709) und in der Pfarrkirche Pfaffstätt (1736), die früher gelegentlich Johann Michael Vierthaler zugeschrieben wurden, gelten als zumindest nicht gesichert.Brandstetter 1993, S. 14 und 27.

Weitere Stuckarbeiten Johann Michael Vierthaler führte auch Stuckarbeiten für bürgerliche Auftraggeber aus. Dabei sticht besonders die Fassade des Hauses Obermarkt Nr. 27 in Mauerkirchen hervor, die mit der Jahreszahl „MDCCXXXIV“ (1734) bezeichnet ist und unter Denkmalschutz steht ().Brandstetter 1993, S. 25. Staudigl 2015, S. 25f.

In den Häusern Obermarkt Nr. 22 und 24 sowie Biburger Straße Nr. 6 in Mauerkirchen verzierte Vierthaler die Zimmerdecken mit zartem Schmuck.

Im Jahr 1732 führte Vierthaler Stuckarbeiten in der neuen Amtswohnung im Pfleghaus von Schloss Ering um 6 Gulden und 40 Kreuzer durch.Sebastian Mitterbauer: Ausgewählte Repräsentationsbauten des bayerischen Adels in Nieder- und Oberbayern sowie im oberösterreichischen Innviertel. Masterarbeit, Paris-Lodron-Universität, Salzburg 2020, S. 83 (uni-salzburg.at).

Nicht mehr erhalten sind Vierthalers Arbeiten im Haus Kirchengasse Nr. 2 in Braunau (um 1725).Brandstetter 1993, S. 26. Staudigl 2015, S. 25f.

Maurermeister Johann Michael Vierthaler führte mit seiner Maurerwerkstätte sicherlich etliche Um- und Neubauten durch, aber nur eine davon ist schriftlich dokumentiert: Im Jahr 1733 erhöhte Vierthaler den Turm der Pfarrkirche Pfarrkirche Weng im Innkreis um „zehn Schuh“, indem der das fünfte, achtseitige Obergeschoß der Pfarrkirche Weng im Innkreis aufmauerte.Brandstetter 1993, S. 19.

Verbundene Künstler Der Freskenmaler Johann Georg Reischl († 1741), der ebenfalls aus Mauerkirchen stammte, stand mit Vierthaler in freundschaftlicher Beziehung. Das Ehepaar Eva und Johann Michael Vierthaler waren die Taufpaten seiner vier Kinder aus erster und sieben Kinder aus zweiter Ehe. Der Maler Reischl und der Stuckateur Vierthaler waren in St. Florian am Inn, Treubach, Roßbach, St. Peter am Hart, Altheim, Munderfing, Mühlheim am Inn, Bogenhofen und Burgkirchen nachweislich gemeinsam tätig.Reischl, Johann Georg, Freskant und Fassmaler. In: Gerhard Staudigl: Johann Michael Vierthaler. Der Maurerkirchner Stuckkünstler des 18. Jahrhunderts. Ried im Innkreis 2015, S. 72–75.

Außerdem arbeitete Vierthaler unter anderem mit dem Maler Bartholomäus Mayrhauser und dem Rieder Maurermeister Matthias Perreiter († 1727) zusammen.

Literatur Monographien zu Johann Michael Vierthaler: Herbert Brandstetter: Johann Michael Vierthaler. Der Maurerkirchner Stuckkünstler des 18. Jahrhunderts. Herausgegeben von der Marktgemeinde Mauerkirchen, Moserbauer Druck- und Verlags-Ges.m.b.H., Mattighofen 1993. Gerhard Staudigl: Johann Michael Vierthaler. Der Maurerkirchner Stuckkünstler des 18. Jahrhunderts. Moserbauer, Ried im Innkreis 2015. Darin: Biographisches über Johann Michael Vierthaler. S. 14–27. Die Stuckaturen. S. 46–62. 5.1. Stilanalytische Überlegungen. S. 46–47. 5.2. Umwandlungen mittelalterlicher Kirchenräume. S. 47–51. 5.3. Charakteristische Merkmale zu Vierthalers Stuckdekorationen und deren Interpretation. S. 51–54. 5.4. Tabellarische Übersicht zu Vierthalers Arbeiten in den Kirchen- und Sakristeiräumen, Kirchenbauten und Pfarrhöfen von 1697–1742. S. 54–59. 5.5. Stuckierte Hausfassaden und Sakristeiräume, Stuckdecken in Pfarrhöfen und Pfarrhofneubauten. S. 60–61. Künstler und Handwerker. S. 67–82. 7.1. Hepp, Joseph, Stuckateur. S. 67–69. 7.2. Maisthuber, Johann Baptist, Maler. S. 69–71. 7.3. Mayrhauser, Bartholomäus, Maler. S. 71. 7.4. Perreiter, Matthias, (Markt-)Maurermeister in Ried. S. 71–72. 7.5. Reischl, Johann Georg, Freskant und Fassmaler. S. 72–75. 7.6. Schmidt joseph, Stuckateur. S. 75–77. 7.7. Seeleitner, Matthias, Stuckateur und Maurer. S. 77–78. 7.8. Waräthy, Innozenz Anton, Fassmaler, Vergolder und Freskant. S. 78–80. 7.9. Zöpf, Benedikt, Stuckateur. S. 80–82.

Artikel: Gertrude Pretterebner: Der Stukkateur Johann Michael Vierthaler. In: Christliche Kunstblätter. Jahrgang 102, Linz 1964, S. 26–28. Herbert G. Brandstetter: Zum 250. Todestag des Stukkateurs Johann Michael Vierthaler. In: Das Bundwerk. Schriftenreihe des Innviertler Kulturkreises. Jahrgang 8, 1993, S. 7–10. Leopoldine Swoboda: „Gipser und Stuckhardorer“. Die großen Künstler des Barock und Rokoko. Teil 3. Die Periode bis zu Johann Michael Vierthalers Tod. In: Das Bundwerk. Schriftenreihe des Innviertler Kulturkreises. 2015.

Weitere Literatur: Österreichische Kunsttopographie. Band XXX. Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Braunau. Rudolf M. Rohrer, Baden bei Wien 1947.