mini|Ehemaliges Rüttenscheider Rathaus Das Rüttenscheider Rathaus im heutigen Essener Stadtteil Rüttenscheid war Sitz der Verwaltung der im Jahr 1900 gegründeten Bürgermeisterei Rüttenscheid. Das Ende 1902 bezogene Gebäude verlor seine Funktion bereits 1905, als die Bürgermeisterei zur Stadt Essen eingemeindet wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zerstört.

Geschichte Die Bürgermeisterei Rüttenscheid löste sich im Jahre 1900 aus der Bürgermeisterei Rellinghausen und wurde selbständig. Durch enormen Zuzug durch den aufstrebenden Steinkohlenbergbau an der Ruhr und die boomende Stahlindustrie der im Norden angrenzenden Stadt Essen lebten um 1900 rund 15.000 Menschen in Rüttenscheid. Das waren drei Mal so viele wie zehn Jahre zuvor. Ein größerer Teil davon war wohlhabend, so dass die Gemeinde es sich finanziell zutraute, ein eigenes Rathaus zu errichten.Interessengemeinschaft Rüttenscheid: Rüttenscheid - Werden und Wandel, abgerufen am 17. Juni 2026

Auf der Rüttenscheider Gemeinderatssitzung vom 14. Oktober 1896 wurde der Bau eines eigenen Rathauses beschlossen und dafür ein Kredit von 150.000 Mark eröffnet. Bereits zuvor hatte die Gemeinde dafür in Voraussicht ein 2,97 Ar großes GrundstückDas neue Rathaus in Rüttenscheid. In: General-Anzeiger für Essen u. Umgegend vom 27. September 1901 im Zentrum der Gemeinde an der Essener Straße (seit 1906 Rüttenscheider Straße), Ecke Damianstraße (seit 1906 Martinstraße) gekauft. Bis zum Abgabetermin des ausgeschriebenen Architekturwettbewerbs am 10. Februar 1899 gingen 322 Entwürfe ein. Zu den Preisrichtern gehörten unter anderen der Stadtplaner Josef Stübben, der Geheime Baurat Hermann Otto Pflaume, der Baurat Robert Schmohl und der Rellinghauser Bürgermeister Joseph Sartorius. Der durch die Baukommission in ihrer Sitzung vom 11. Oktober 1899 auf den ersten Platz ausgewählte Entwurf stammte vom Berliner Architekten Otto Kuhlmann, dem infolge die Bauleitung übertragen wurde. Im Protokoll der Preisrichter wird dazu ausgeführt:

Nachdem Steinhauerarbeiten und die Fertigung der Heizungsanlage bereits vergeben worden waren, konnten im Frühjahr 1901 weitere Arbeiten beauftragt werden. Der erste Spatenstich fand am 1. April 1901 statt. Die Ausführung der Erd- und Maurerarbeiten übernahm der Bauunternehmer Christian Blaum.Essener Volkszeitung vom 11. April 1901 Die Grundsteinlegung fand Ende Juni/Anfang Juli 1901 statt. Von einer größeren Festlichkeit wurde abgesehen.Essener Volkszeitung vom 21. Juni 1901 Auf der Gemeinderatssitzung vom 28. Juni 1901 wurde die Aufnahme einer Anleihe von 250.000 Mark beschlossen, um die zweite Baurate von 100.000 Mark zur Verfügung zu haben sowie Mittel für andere Projekte.General-Anzeiger für Essen u. Umgegend vom 1. Juli 1901 In der Gemeinderatssitzung vom 2. August 1902 bewilligte der Gemeinderat 10.000 Mark für die Ausstattung des Rathauses.Essener Volkszeitung vom 4. August 1902

Am 21. November 1902 veröffentlichte Bürgermeister Friedrich Wilhelm Hild in einer Anzeige in der Essener Volkszeitung, dass die bisherigen Arbeitsräume der gesamten Verwaltung am 26. November des Jahres in das neue Rathaus umziehen. Die offizielle Einweihungsfeier fand durch eine feierliche Sitzung des Gemeinderats am 5. Februar 1903 statt. Im mit Pflanzen geschmückten Ratssaal versammelten sich dazu der Landrat, der Bürgermeister Friedrich Wilhelm Hild, die Beigeordneten und der Gemneinderat, die Geistlichkeit der Konfessionen, die Lehrer und einige Bürger sowie einige Essener Stadtverordnete, die gleichzeitig Gemeinderatsmitglieder in Rüttenscheid waren. Der Architekt Otto Kuhlmann übergab das Gebäude offiziell an den Bürgermeister. Nach musikalischen Beiträgen wurden die Räume des Rathauses besichtigt. Es folgte ein Festessen im Restaurant Braun.Essener Volkszeitung vom 6. Februar 1903

Das Rathausgebäude stand auf einem L-förmigen Grundriss, wobei die längere Seite und damit die Gebäudefront mit Haupteingang zur Rüttenscheider Straße lag. Diese Front war von der sonstigen Gebäudefront der Rüttenscheider Straße um 13,5 Meter zurückversetzt. Über dem Eingangsportal befand sich der Schriftzug: "In diesem Haus bleib´ treu gewahrt, Bürgersinn und deutsche Art!" Darüber erhob sich ein dominanter Giebel mit turmartigem Aufbau, der von zwei Erkern flankiert war, einer davon ragte in die Straßenecke zur Martinstraße. Die einfach gehaltene Fassade war im Stil der Renaissance gehalten. Der Bau wurde in Sandstein ausgeführt, wobei dieser ab der ersten Etage verputzt war. Vom Boden des Kellers bis zum Abschluss der zweiten Etage waren es etwa 17 Meter, die von einem etwa neun Meter hohen Dach bekrönt wurden. Es war mit mattroten Biberschwänzen und Hauben aus Kupferblech gedeckt. Vom Eingangsportal gelangte man in eine 3,80 Meter breite Halle, von der man rechts durch Türen das Meldeamt, die Gemeindekasse und die Armenverwaltung erreichte. Links der Halle befand sich die Polizeiverwaltung. Nur von hier ging eine kleine Nebentreppe zu den drei Arrestzellen im Keller. Der größte Teil des Kellers war von der Wohnung des Bürgermeisters mit Wohnzimmer, zwei Schlafzimmern und Küche eingenommen. Sie besaß einen Eingang vom hinteren Hof her. Zudem gab es im Keller einen Raum des Eichamts und je einen Raum für Heizung und Kohle sowie für Gas- und Wasserversorgung. Vom Haupteingang gelangte man geradeaus durch die Halle über die Haupttreppe ins erste Obergeschoss. Hier befand sich der 173 Quadratmneter große Sitzungssaal im nördlichen Gebäudeflügel, daran mit Tür angrenzend das Kommissionszimmer. Im südlichen Gebäudeflügel befanden sich Zimmer für den Beigeordneten, für die Registratur, für Steuern und weitere Verwaltung. Die Haupttreppe weiter ins zweite Obergeschoss führend, erreichte man das Standesamt mit Vorzimmer, das Zimmer des Baumeisters und die Bauregistratur mit Zeichensaal sowie die Empore des Sitzungssaals. Über eine Nebentreppe vom zweiten Obergeschoss gelangte man in die unter dem Dach gelegenen Registraturräume.

Das Bürgermeisteramt übernahm der einzige Bürgermeister der Bürgermeisterei Rüttenscheid, Friedrich Wilhelm Hild, der es bis zur Eingemeindung nach Essen am 1. Juni 1905 innehatte. So stand das Rüttenscheider Rathaus als solches nur zweieinhalb Jahre im Dienst.Interessengemeinschaft Rüttenscheid: Rüttenscheider Denkmalpfade, abgerufen am 17. Juni 2026

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Rathaus durch die Alliierten zerstört und seine Reste später abgetragen.

Heutige Situation Nach Eingemeindung zur Stadt Essen befand sich ab 1905 die Gemeindesparkasse Rüttenscheid im Erdgeschoss des ehemaligen Rathausgebäudes. Nachdem es im Krieg zerstört worden war, bezog die Sparkasse Essen 1955 den heutigen Nachfolgebau an gleicher Stelle.Sparkasse erinnert an ihre Geschichte. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 3. Mai 1916

Einzelnachweise

Rüttenscheid Kategorie:Rüttenscheid Kategorie:Erbaut 1902 Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg

Kategorie:Neorenaissancebauwerk in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Bauwerk des Historismus in Essen Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Essen