Maria Schmid-Metz (Künstlername Maria Alba, bürgerlich Miriam Eleonora Metz; * 13. November 1896 in Berlin-Schöneberg; † 31. Dezember 1973 in Brè sopra Lugano) war deutsche Sängerin jüdischer Herkunft, die als Konzertsängerin tätig war, und Ehefrau des Malers und Architekten Wilhelm Schmid. In der Zeit der Weimarer Republik gehörte sie zum Umfeld der Berliner künstlerischen Avantgarde und wurde zur wichtigsten künstlerischen Partnerin, Muse und Nachlassverwalterin ihres Mannes.Città di Lugano, Divisione Cultura: Un nuovo percorso museale per il 50esimo anniversario dalla scomparsa di Wilhelm Schmid, Comunicato stampa, 10. September 2021 (PDF), abgerufen am 16. Juni 2026.Kulturstiftung der Länder: Umkämpfte Wege der Moderne. Wilhelm Schmid und die Novembergruppe, 6. Februar 2019, abgerufen am 16. Juni 2026.
Leben Miriam Eleonora Metz entstammte der wohlhabenden Familie Metz in Potsdam. Sie war die Tochter des Juristen und Amtsgerichtsrats Ernst Elias Metz (1861–1926) und seiner Frau Wanda (* 1874–ca. 1955)Zofia Wanda Hofmann, geboren am 11. Juni 1874 in Krakau.Testament von Dr. Ernst Metz: Bestand des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (BLHA) unter 5E AG Potsdam 3437 (Amtsgericht Potsdam), geborene Hofmann, einer Pianistin polnischer Herkunft,Città di Lugano, Divisione cultura: Un nuovo percorso museale per il 50esimo anniversario dalla scomparsa di Wilhelm Schmid. Comunicato stampa, 10. September 2021. (Abgerufen am 16. Juni 2026). und damit auch eine Nichte des Pianisten Józef Hofmann. Sie hatte mindestens drei Geschwister.
In der Familie wurde Miriam Eleonora Metz zärtlich „Didi“ genannt. Ihre Tante, die Schriftstellerin Josefa Metz, widmete ihr das Gedicht „Mirjams Abendgebet“ und das Kinderbuch „Didi und Konsorten“ (Berlin 1903),Josefa Metz: Didi und Konsorten. Berlin: „Harmonie“, Verlagsgesellschaft für Literatur und Kunst, 1905 (Universitätsbibliothek Bielefeld, Colibri, HT019665657, URN: urn:nbn:de:0070-2465460). wodurch Maria Schmid-Metz einen bleibenden Platz in der Literatur für und über Kinder erhielt.
Musikalische Herkunft Nach dem Besuch des Lyzeums in Berlin erhielt sie eine Ausbildung als Konzertsängerin. Ihren ersten Gesangsunterricht erhielt sie bei ihrem Großvater Kazimierz (Casimir) Hofmann,Vgl. den polnischsprachigen Wikipedia‑Artikel: Kazimierz Hofman, in: Wikipedia, język polski, abgerufen am 23. Juni 2025. langjährigem Kapellmeister der Oper in Warschau, und bei ihrer Mutter Wanda; später wurde ihre Ausbildung in Berlin von dem Kammersänger Julius Lieban überwacht.Schweizerisches Bundesarchiv (BAR), Personendossier Schmid, Wilhelm / Schmid, Maria, Signatur: E2001-08#1978/107#1524*, Dokument_0000052.
Maria Schmid-Metz entstammte einer weitverzweigten polnisch-jüdischen Musikerfamilie: Kazimierz Hofmann wirkte jahrelang an den Opernhäusern in Krakau und Warschau und war zugleich Komponist, Pädagoge und Pianist; sein Sohn Józef Hofmann wurde als Pianist und Komponist international bekannt. Die Musikalität der Familie Hofmann war besonders ausgeprägt: Kazimierz’ ältere Schwester Honorata Hofmann-Majeranowska (1826/1828–1901)Vgl. den polnischsprachigen Wikipedia‑Artikel: Honorata Majeranowska, in: Wikipedia, język polski, abgerufen am 23. Juni 2025. war eine gefeierte Opernsopranistin, die am Teatr Wielki in Warschau und an der Krakauer Oper auftrat und später in Krakau eine Gesangsschule gründete, während seine jüngere Schwester Josefa Hofmann-Rapacka im Krakauer Theater in Drama, Oper und Operette auftrat, unter anderem gemeinsam mit der Schauspielerin Helena Modrzejewska.
In diese Tradition fügte sich Maria Schmid-Metz bruchlos ein.
Erste Auftritte und Kritiken Bereits früh wurde sie von der Berliner Presse positiv aufgenommen: Bei einem ersten Auftritt im Bechstein‑Saal wurde ihre „klangvolle und gut gebildete“ Stimme hervorgehoben und ihr bei weiterem ernsthaften Studium eine erfolgreiche Zukunft in Aussicht gestellt.„Konzertnachrichten“, in: Berliner Börsen-Zeitung. Tageszeitung für Politik und Wirtschaft, Berlin, Freitag, 30. März 1917, S. 10, Ankündigung eines „Liederabends von Miriam Metz“ im Bechstein-Saal; Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin.(Abgerufen am 19. Juni 2026).Rezension eines Konzerts im Bechstein-Saal, in: Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, Berlin, 5. April 1917, S. 6, Digitalisat in der Deutschen Digitalen Bibliothek, abgerufen am 19. Juni 2026.
Mit der Interpretation eines alten deutschen Weihnachtsliedes gewann sie im Rahmen eines von der Firma Telefunken-Schallplatte ausgeschriebenen reichsweiten Gesangswettbewerbs für die „schönste Stimme“ einen sogenannten Telefunken-Preis, was ihr erste Schallplattenaufnahmen und Rundfunkengagements eröffnete; unabhängige zeitgenössische Belege für diesen Preis konnten bislang nicht ermittelt werden.Die Angaben zum Gewinn des Telefunken-Preises für die „schönste Stimme“ mit einem alten deutschen Weihnachtslied sowie zu den anschließenden Rundfunkengagements stützen sich auf den autobiografischen Bericht von Maria Schmid in Dokument_000051 des Personendossier Schmid, Wilhelm / Schmid, Maria im Schweizerischen Bundesarchiv, BAR. Signatur E2001-08#1978/107#1524*.Unterhaltungsblatt des Hamburgischen Correspondenten, 21. August 1933, S. 10: Wer hat die schönste Stimme
Ehe und gemeinsames Künstlerleben Der junge Architekt Wilhelm Schmid wurde mit dem Umbau des elterlichen Hauses der Familie Metz beauftragt.Heidi Jaeger: Umkämpfte Moderne im Potsdam Museum: Der Provokateur. In: Der Tagesspiegel, 27. September 2018, abgerufen am 16. Juni 2026. In diesem Zusammenhang habe er die SängerinIm Adressbuch der Städte Potsdam, Nowawes und Werder 1936/37 ist sie als „Schmid, Maria“, Sängerin, in der Metzstr. 15/16 verzeichnet. kennengelernt, die in einzelnen späteren Quellen als „Kammersängerin“ bezeichnet wird und unter dem Namen „Maria Alba“ aufgetreten sei.Maria Metz, die spätere Maria Schmid‑Metz, ist in der Literatur als Konzertsängerin belegt. Der in späteren Quellen gelegentlich verwendete Ehrentitel „Kammersängerin“ lässt sich bislang durch keine zeitgenössische Quelle absichern. Dagegen ist der Künstlername „Maria Alba“ zumindest für die frühen 1930er‑Jahre durch ein Programmblatt der Veranstaltungsreihe „Der Regenbogen – Eine Gilde von Schaffenden“ in der Villa Metz (Potsdam, Seestraße 35/37) eindeutig belegt, in dem sie ausschließlich unter dieser Bezeichnung angekündigt wird. Schweizerische Eidgenossenschaft: Wilhelm Schmid (1892–1971). Informationsblatt des Bundesrates / der Bundeskunstsammlung (PDF), abgerufen am 16. Juni 2026.Der Name „Maria Alba“ wird in einem antisemitisch und kulturpolitisch polemisch gehaltenen Artikel des Potsdamer Beobachter (29. August 1934) im Zusammenhang mit den in der Villa Metz veranstalteten „Regenbogen“-Abenden genannt; angesichts des propagandistischen Charakters der Zeitung und des fehlenden unabhängigen zeitgenössischen Bestätigungsmaterials ist die Zuverlässigkeit dieser Angabe jedoch als zweifelhaft einzuschätzen. 1918 heirateten beide; fortan führte sie den Namen Maria Schmid-Metz.
In den 1920er Jahren lebte das Paar im Umfeld der Berliner Moderne und der Künstlervereinigung Novembergruppe, deren Mitglied Wilhelm Schmid war.Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte: Umkämpfte Wege der Moderne. Wilhelm Schmid und die Novembergruppe, Ausstellungsinformationen, abgerufen am 16. Juni 2026. In Potsdam ließ es in der Berliner Vorstadt das sogenannte Etappenhaus an der Metzstrasse 15Adreßbuch der Städte Potsdam, Nowawes und Werder 1930, Potsdam 1930. Straßen‑ und Häuserverzeichnis, Metzstraße, Haus‑Nr. 15 („Schmid, Maria“), S. 396; Digitalisat der Stadt‑ und Landesbibliothek Potsdam. Später: Böcklinstrasse 15-16.Klaus Arlt: „Die Straßennamen der Stadt Potsdam. Geschichte und Bedeutung“, in: Mitteilungen der Studiengemeinschaft Sanssouci e.V., 4. Jg., Heft 4, Potsdam 1999, S. 20, Stichwort „Böcklinstraße“ (dort: „Die im Zuge der Besiedlung der Berliner Vorstadt angelegte Straße hieß 1916–1945 Metzstraße, nach der lothringischen Stadt, bei der 1870 bedeutende Schlachten stattfanden. Sie ist jetzt nach dem Maler Arnold Böcklin (1827–1901) benannt.“). errichten, das als gemeinsamer Wohn- und Arbeitsort des Paares beschrieben wird. Mehrere Gemälde Schmids zeigen Maria; die Kulturstiftung der Länder nennt ausdrücklich das Bild Dame im Pelz (Maria Schmid) von 1929/1930 aus der Sammlung des Museo d’arte della Svizzera italiana in Lugano.
Reisejahre und künstlerische Neuorientierung Die zweite Hälfte der 1920er‑Jahre markiert für Maria Schmid‑Metz eine Phase intensiver räumlicher Mobilität zwischen Deutschland und Frankreich. Während Wilhelm Schmid ab 1924 vorwiegend in Paris arbeitet und die Sommer wiederholt in der Provence verbringt, bleibt das Berliner Atelier bis etwa 1927 bestehen, sodass von einem Pendeln des Ehepaars zwischen den beiden Zentren auszugehen ist. 1927 trat sie als Inhaberin der „Galerie internationale GmbH“ in Berlin in Erscheinung, was durch einen Eintrag im Berliner Handelsregister belegt ist.Berliner Handels-Register … Jg. 65 (1929), S. 710. Im gleichen Jahr verzichtete sie im Rahmen eines Erbverzichtsvertrags auf ihr Erbe und verwendete die erhaltenen Mittel für den weiteren Ausbau des sogenannten „Etappenhauses“. Um 1930 kehrt Schmid nach Berlin zurück; für Maria Schmid‑Metz lassen sich diese Bewegungen bislang nur indirekt erschließen, konkrete französische Wohn‑ oder Arbeitsadressen der Sängerin sind in den ausgewerteten Quellen überwiegend nicht belegt und bleiben vorerst offen.
In einem autobiografischen Rückblick beschreibt Maria Schmid‑Metz 1958, wie sie auf Anregung von Kritikern und als Ehefrau eines bildenden Künstlers ihren Mann auf Reisen nach Italien und Frankreich begleitete und dabei die „unsterblichen Wunder der bildenden Kunst“ kennenlernte. In Paris, wo Wilhelm Schmid Mitte der 1920er‑Jahre ein Atelier unterhielt,Schmids Atelieradresse in Paris, 36, Avenue de Chatillon, lag in einem eher peripheren, damals stark urbanisierten Bereich des 14. Arrondissements, jedoch in räumlicher Nähe zum Künstlerquartier Montparnasse mit seinen Ateliers und Cafés. fand sie nach eigener Aussage ihre eigentliche Berufung zu einem Programm „Alter Lieder der Völker“.
Konzertlaufbahn mit „Alten Liedern der Völker“