mini|Lorraine O’Grady (2014) Lorraine Eleanor O’Grady (* 21. September 1934 in Boston; † 13. Dezember 2024 in New York City) war eine US-amerikanische Konzept-, Performance- und Fotokünstlerin sowie Autorin. Mit Collage, Fotografie, Performance, Video und Installation befasste sie sich mit Rassismus, Geschlecht, Klasse und Ausschlüsse des Kunstbetriebs.
Leben O’Grady war die Tochter der jamaikanischen Einwanderer Lena und Edwin O’Grady und wuchs nahe der Boston Public Library auf, wo sie viel las und schrieb. Nach der Girls’ Latin School studierte sie am Wellesley College Wirtschaftswissenschaften und spanische Literatur und schloss im Jahr 1955 ab. Danach arbeitete sie fünf Jahre als Forschungsökonomin beim Bureau of Labor Statistics und befasste sich mit Arbeitsbedingungen in Afrika und Lateinamerika. Sie lebte anschließend zeitweise in Europa, besuchte den Iowa Writers’ Workshop, unterrichtete Spanisch und gründete 1970 in Chicago eine Übersetzungsagentur. Anfang der 1970er-Jahre zog sie nach New York, schrieb als Rockkritikerin für The Village Voice und Rolling Stone und lehrte Literatur an der School of Visual Arts. 1977 begann sie in ihren frühen Vierzigern, eigene Kunstwerke zu schaffen. Sie lebte seit den 1970er-Jahren in New York und starb mit 90 Jahren in ihrer Wohnung in Manhattan.
Wirken Ihre erste Serie Cutting Out the New York Times (1977) bestand aus Gedichten aus ausgeschnittenen und neu angeordneten Zeitungstexten. Im Jahr 1980 trat sie erstmals als Mlle Bourgeoise Noire auf: In einem aus 180 Paar weißen Handschuhen genähten Kleid erschien sie unangekündigt bei Vernissagen, verteilte Blumen, schlug sich mit einer weißen neunschwänzigen Peitsche und griff in Gedichten den weißen Kunstbetrieb wie auch die Anpassung schwarzer Kunst an. Die Performance Rivers, First Draft (1982) im Central Park verschränkte drei Lebensalter einer Frau mit surrealistischen Bildern und politischen Bezügen. Für Art Is… (1983) ließ sie bei der African American Day Parade in Harlem einen Wagen mit leerem Goldrahmen sowie 15 schwarze Mitwirkende mit kleineren Rahmen auftreten, welche das Publikum als Kunst ins Bild setzten. Damit widersprach sie der Behauptung, Avantgardekunst habe nichts mit schwarzen Menschen zu tun, und machte gemeinschaftliche Teilhabe zum Gegenstand der Arbeit. In Miscegenated Family Album (1980/1994) stellte sie Familienfotografien Darstellungen der altägyptischen Königsfamilie in Diptychen gegenüber und hinterfragte rassifizierte Geschichtsbilder. Das Diptychon wurde zum formalen Kern ihres „Both/And“-Prinzips, das hierarchisch geordnete Gegensätze nicht als einander ausschließend begriff. Breitere Anerkennung erhielt sie durch WACK! Art and the Feminist Revolution (2007) und die Whitney Biennial (2010); 2021 zeigte das Brooklyn Museum mit Lorraine O’Grady: Both/And ihre erste große Retrospektive. Ihr Werk prägte jüngere schwarze Kunstschaffende und rückte schwarzes Leben in den Mittelpunkt konzeptueller und fotografischer Kunst. 2020 erschien ihre Textsammlung Writing in Space, 1973–2019, 2024 erhielt sie eine Guggenheim Fellowship.
Weblinks
Einzelnachweise
Literatur
Stephanie Sparling Williams: Speaking Out of Turn: Lorraine O'Grady and the Art of Language. University of California Press, Oakland 2021. ISBN 978-0-520-38075-2
Eigene Publikationen Lorraine O'Grady: Olympia's Maid: Reclaiming Black Female Subjectivity. In: Grand H. Kester (ed.): Art, Activism, and Oppositionality: Essays from Afterimage. Duke University Press, 1998.
Lorraine O'Grady: Writing in Space, 1973-2019. Duke University Press, Durham 2020.
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