Die Geyik Dağları sind ein etwa 150 km langer Gebirgszug in der Südtürkei nordöstlich von Antalya ca. zwischen 36°30′ N, 32°42′ O und 37,30° N, 31,34° O im Übergang des Westlichen zum Mittleren Taurusgebirge und bilden dort die Grenzlinie der Provinzen Konya, Karaman und Antalya.

Lage links|mini|375x375px|Die Kartenskizze zeigt die topographische Situation des Gebirgsmassivs der Geyik Dağları in seinem Umfeld im westlichen mittleren Taurus-Gebirge (Türkei). Das Gebirge der Geyik Dağları samt seiner Ausläufer zwischen dem West- und dem Zentraltaurus, das Inneranatolien von der Mittelmeerregion trennt, wird wegen seiner hohen Gipfel und bisweilen schroffen Felsstrukturen als „Alpen von Antalya“ bezeichnet. Diese Berge bilden einen Gebirgszug, der die Grenze zwischen den türkischen Provinzen Konya, Karaman und Antalya markiert. Einige Wissenschaftler, darunter auch der türkische Althistoriker und Archäologe Hasan Bahar von der Selçuk-Universität in Konya, zählen die Geyik Dağları – wohl aufgrund der ähnlichen sedimentologisch-geologischen Situation – zum östlich anschließenden Taşeli-Plateau des Mittleren Taurus. Bahar meint dazu: „Das im Süden Anatoliens gelegene Taşeli-Plateau bildet die Schnittstelle zwischen Zentralanatolien und dem Mittelmeerraum. Der höchste Gipfel des Taşeli, das sich von der Mittelmeerküste im Süden bis zur Konya-Ebene im Norden erstreckt und eine durchschnittliche Höhe von rund 1000 m aufweist, ist der Geyik Dağı mit 2890 m.“Die exakte Höhe wurde mittlerweile auf 2877 m korrigiert. Die Mehrzahl der Forscher allerdings rechnet die Plateaulandschaft der Taşeli Yaylası (Taşeli-Hochfläche) zum Rauen Kilikien.

Das Gebirgs-Zentrum der Geyik Dağları im östlichen Teil der Kurve von Isparta ist im Übergangsbereich des Westlichen zum Mittleren Taurusgebirge ein etwa 75 km langes Hochgebirgs-Massiv 40 km nördlich des Mittelmeers, das sich in nordwest-südöstlicher Richtung erstreckt und größtenteils aus Karbonaten aufgebaut ist. Es umfasst eine Fläche von 2108 km² zwischen 31° 38′ und 32° 32′ östlicher Länge sowie 36° 42′ und 37° 13′ nördlicher Breite. In dem Gebiet befinden sich zahlreiche Gipfel über 2500 m. Die gesamten zu den Geyik Dağları gezählten Gebirgsbereiche reichen allerdings von der Berglandschwelle der Kartalagac Tepeleri südlich des Beyşehir-Sees und nordwestlich der Suğla Ovası über etwa 150 km südostwärts bis hin zum Taşeli-Plateau. Das Gebirge enthält mit einer gesamten ehemaligen Gletscherfläche von 132 km² das größte eiszeitliche Vergletscherungsgebiet im westlichen Taurusgebirge. Der höchste Gipfel, der Geyik Dağı (Hirschberg) selbst, entgegen der Angaben von Hasan Bahar (s. o.) mit einer Höhe von offiziell 2877 m nordöstlich der Kreisstadt Gündoğmuş (Provinz Antalya), gibt dem Massiv seien Namen. Weitere markante hohe Berge sind unter anderem Delikkaya Tepe (2808 m), Akdağ Tepe (2720 m), Çandır Tepe (2618 m), Çalalanı Tepe (2540 m) und der Ürküten Dağı (2535 m).

Geomorphologisch-glaziale Forschungsgeschichte Die erste Veröffentlichung (1972) zur Vergletscherung des Geyik Dağ stammt von den türkischen Geologen Esen Arpat und Necdet Özgül. Sie interpretierten die dort weit verbreiteten Hügelmoränen (Grundmoränen) fälschlicherweise als Blockgletscher. Eine spätere umfassende Publikation von 1999 klärte zwar die Typen und sedimentologischen Merkmale der dortigen Moränen, lieferte jedoch keine Altersangaben. Schließlich wurde 2015 eine Arbeit zu Vorlandvergletscherungen im östlichen Mittelmeerraum veröffentlicht, zeitgleich mit weiteren Untersuchungen zur spätquartären Vergletscherung und zur Paläoklima-Interpretation des Geyik Dağı. Schließlich (2015 und 2017) wandte man in Arbeiten zur spätquartären Vergletscherung und Paläoklima-Interpretation des Geyik Dağı die 36Cl-Oberflächendatierungs-MethodeGeochronologisches Verfahren, mit dem bestimmt wird, wie lange eine Gesteinsoberfläche an der Erdoberfläche der kosmischen Strahlung ausgesetzt war. zur Altersbestimmung auf die Moränen in den wichtigsten Gletschertälern des Gebiets an. Dabei konnten Spuren der Spätglazialzeit, der Jüngeren Dryas und der Vereisung des Mittelholozäns im Geyik-Gebirge nachgewiesen werden. Und der türkische physische Geograph und Klimatologe Ferhat Keserci von der Universität Ardahan modellierte alle Gletschergebiete im Geyik-Gebirge in 3D-Darstellung. 2025 befassten sich dann geomorphologische Untersuchungen in den Geyik Dağları im Zusammenhang mit der Kar-Bildung mit Einflüssen und Wechselwirkungen von Gletscher- und Karstprozessen auf die Landschaftsprägung in den Geyik Dağları als einem der markantesten Karstplateaus im zentralen Taurusgebirge.

Anmerkungen zur Topographie links|mini|Blick vom Belpınarbeli-Pass bei Taşkent auf die nördlichen Geyik Dağları, das Quellgebiet des Çarşamba Çayı. mini|Tahtalı-Yaylası-Hochplateau im Bergland von Taşkent. Obwohl die östlich des Golfs von Antalya etwa zwischen Akseki und Ermenek gelegenen Geyik Dağları oft als eine zusammenhängende Kette betrachtet werden, lässt sich das Gebirge in drei geographische Hauptbereiche unterteilen: Der Nordteil beginnt am Übergang zu den Dedegöl Dağları und grenzt im Norden an die Suğla-Senke mit dem Suğla-See. Dazu zählen nördlich der Geyik-Hauptkämme bei Bozkır die oberen Einzugspartien mit dem Quellgebiet des Çarşamba Çayı im Südwesten des Konya-Beckens. Östlich grenzt dieser Nordteil der Geyik Dağları an das südlich des Konya-Beckens gelegene Eşenler-Gebirge (Eşenler Dağı).

mini|Foto beim Flug von Antalya über die Geyik Dağları südlich von Seydişehir im April 1992. links|mini|Blick über die zentralen Geyik Dağları. Das Kernmassiv (Zentral- und Ostteil) ist durch alpine Landschaften geprägt. Hier liegt nordöstlich von Gündoğmuş mit dem Geyik Dağı Tepesi der höchste Punkt des Gebirges (s. o.). Einen weiteren Part liefert die Kalykadnos-Quellregion, wo die südlichen und nördlichen Arme des Flusses Kalykadnos (heute Göksu) entspringen (s. u.). Dieser Bereich ist durch tief eingeschnittene Täler gekennzeichnet, die sich Richtung Osten und Süden erstrecken. Hier entspringt der südliche Arm des Göksu (Ermenek Çayı bzw. Gevne Çayı, s. u.) unweit des 2731 m hohen Akdağ, der bereits im südlichen Bereich des Massivs liegt.

mini|Blick von den Ausläufern der Geyik Dağları (Vordergrund) auf die Hochflächen des Taşeli-Plateaus zwischen Tepebaşı und Uğurlu unweit Sarıveliler. mini|links|Kovanlık-Tal zwischen Uğurlu und Adiller bei Sarıveliler. Der Süd- und Südostteil der Gebirgskette zieht sich in Richtung Südosten bis zum Taşeli-Plateau. Ein bedeutender Ausläufer in dieser Richtung ist der Sarıtaş Tepesi (2339 m) östlich von Gazipaşa. Der östliche und südöstliche Randbereich fällt steil in Richtung des Tals des Kalykadnos/Göksu ab, was den Übergang zum „Rauen Kilikien“ darstellt. Dieser Südteil der Geyik Dağları umfasst auch das Tal des Alara Çayı nahe Gündoğmuş und grenzt an das Gebiet um den Söğüt Dağı.

Zu der hohen Gebirgsregion der Geyik Dağları gehören neben dem höchsten Gipfel, dem Geyik Dağı (auch Sultan Giği Dağı, Gipfelpunkt bei 36° 53′ 20.688″ N – 32° 10′ 17.976″ O) etwa 40 km nördlich von Alanya, dessen Höhe auf älteren Landkarten oft mit 3002 m angeben wird, der Delikkaya (2810 m), Delidağ (2816 m), Papaz Dağı (2715 m), Karagöl Dağı (2531 m), Tanrı Dağı (2408 m), İpardı Dağı (2650 m), Çürük Dağı (2816 m), Barçın Akdağ (2730 m), Yelek Dağı (2170 m), Sinek Dağı, Dik Dağ, Karayılan Dağı (2486/2487 m), Karaçal Dağı (2286 m), Köse Dağı, Eğrikar Dağı (2711 m), Tekelik Dağı (2727 m) und Gümüşsayı Dağı (Yıldızlı Dağ 2560 m). Das Geyik-Gebirge geht nach Osten in die westlichen Teile des Taşeli-Plateaus über, wo man Gipfelhöhen von 1600 bis 2175 m misst und auf weitere bedeutende Berge trifft: den Magra Dağı (2175 m), Kartal Dağı (2165 m), Damlataş Tepesi (2040 m), Hisartepe (1990 m), Orta Dağ (1937 m), Kandemir Tepesi (1600 m) und die Kızsini Yaylası (1700 m).

links|mini|Karahasan-Pass (Geyik Dağları, 1750 m) bei Sarıveliler im späten Frühjahr 1984. Abgesehen vom südlichen Küstenstreifen gibt es in dieser Region fast keine ausgedehnteren flachen Landpartien, sondern nur die große, zerklüftete Bergmasse, die zum Meer hin abfällt. Der Verkehr dort wird, wie auch in der Region Sarıveliler-Taşkent, über Gebirgspässe ermöglicht. Die wichtigsten Gebirgspässe sind: Karahasan Gediği (1750 m), Yellibel Geçidi (2100 m), Sümbüllü Geçidi (1800 m), Köristan Gediği, Feslikan Geçidi (1540 m). Diese Pässe des Taurusgebirges verbinden ein weites Gebiet, das sich landeinwärts von Lykaonien bis zu den Küstenregionen von Gilindere (Aydıncık), Anamur und Silifke erstreckt.

mini|Blick über die verkarsteten Kalk-Hochflächen der zentralen Geyik dağları. Beträchtliche Teile der Geyik Dağları liegen im 1323 km² großen Landkreis Gündoğmuş, ehemals als Kazas (Landkreise) Kise und Nağlu (Im 16. Jahrhundert bestand der Unterbezirk Nağlu aus 24 Dörfern und 4 Weilern. Es gibt allerdings keine Siedlung Nağlu. Der Begriff „Nefs-i Nağlu“ erscheint weder in den Steuerregistern noch in den Steuerunterlagen. In letzteren wird allerdings eine Burg namens Anağlu erwähnt, die möglicherweise als Nahiye-Zentrum diente und von der noch Ruinen erhalten sind.) zum Sandschak Alâiye (Alanya) gehörig, der einen großen Bereich der zentralen südlichen Geyik Dağları abdeckt und sich im 16. Jahrhundert bis nach Şarapsa (Konaklı bei Alanya) erstreckte. Der Landkreis Gündoğmuş umfasst die gesamten Einzugsgebiete des Alara Çayı im Südwesten, des oberen Göksu Nehri im Osten und des Çarşamba Çayı im Nordosten, die von sehr zerklüfteten und tiefen Tälern geprägt sind, zu den unwirtlichsten und unwegsamsten Gebieten Südanatoliens zählen und teilweise steile, senkrechte Klippen von bis zu 300 m Höhe aufweisen. Die zum Landkreis Gündoğmuş gehörenden Amtsbezirke und Dörfer liegen in einer stark gebirgigen, naturbelassenen Gegend mit kaum ebenem Land. Innerhalb dieses Gebiets ist es nahezu unmöglich, ebene Grundstücke von mehr als 0,8 bis 1,2 Hektar zu finden, und diese befinden sich ausschließlich an Berghängen und in Waldgebieten. Deshalb sind die landwirtschaftlichen Nutzflächen in dieser Region recht begrenzt. Und auch das Tal des Kargı Çayı ist äußerst arm an Ackerland.

Generelle Geologie links|mini|Die Kartenskizze zeigt die generalisierte geologische Situation der zentralen Geyik Dağları.