Die Kameelstraße war eine Straße in Magdeburg in Sachsen-Anhalt.

Lage und Verlauf Die Straße befand sich im nördlichen Teil der Magdeburger Altstadt. Sie verlief von der Neustädter Straße aus nach Osten, wo sie nach insgesamt etwa 200 Metern auf das Alte Fischerufer traf. Parallel verlief nördlich die Kleine Schulstraße und südlich der Faßlochsberg.

Die Hausnummerierung begann am südwestlichen Ende der Straße und verlief von dort aufsteigend auf der Südseite nach Osten bis zur Nummer 9. Beginnend mit der Nummer 10 verlief die Nummerierung dann auf der Nordseite wieder nach Westen bis zur Nummer 24.

Geschichte Im Jahr 1488 wurde die Straße mit den Namen Karithmerstraße (auch Karißmerstraße) und Kleine Lakenmacherstraße erwähnt. Der Name Kartithmerstraße wurde letztmalig 1524 genannt und verschwand wohl im Zusammenhang mit der dann erfolgenden Einführung der Reformation. Der Name ging wohl auf das griechische charisma im Sinne einer milden Gabe zurück. Als Karißmer wurden wohl Gabensammler und Bettler bezeichnet. Der Name deutete so wohl darauf hin, dass in der Straße arme Leute wohnten. Das Karideln genannte Herumziehen von singenden Kindern wurde vom Rat nach Einführung der Reformation untersagt, so dass der Begriff und damit der Name in Vergessenheit geriet.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 219 f. Der Name Lakenmacherstraße ging auf Lakenmacher zurück, die hier und in der nördlichen Parallelstraße, der heutigen Kleinen Schulstraße, ihre Bleichplätze hatten. Der Zusatz Kleine ergab sich, da die Parallelstraße als Große Lakenmacherstraße bezeichnet wurde.

Eine Ausbuchtung auf der Südseite der Straße wurde im Mittelalter als Wendenwinkel bezeichnet. Hier, am Rande der Stadt, lebten Wenden. mini|Bereich der historischen Einmündung der Kameelstraße auf die Neustädter Straße, heute Ostseite der Mühlenstraße, 2024 Der Name Kleine Lakenmacherstraße war noch bis 1807 gebräuchlich, obwohl nach der Zerstörung der Stadt im Jahr 1631 die Lakenmacher hier nicht mehr ansässig waren. Ein großer Teil der Straße lag noch lange nach der Zerstörung wüst, so bestanden 1651 nur drei Hausstellen. Neben drei weiteren Grundstücken hieß es im Stättenbuch zu den übrigen Stätten "die anderen Stellen will niemand wissen". Noch 1683 wurden nur drei Häuser, zwei Stellen und acht Gärten genannt. Der übrige Teil der Straße lag weiterhin wüst. Diese Situation führte dazu, dass die nach Magdeburg flüchtenden Hugenotten sich bevorzugt in diesem Bereich ansiedelten. Da sie häufig als Strumpfwirker arbeiteten und in ihren Häusern um 1700 Spinnstühle standen, ergab sich im Volksmund für den Bereich zwischen Jakobstraße, Altem Fischerufer, Petersberg und der Stadtmauer nördlich der heutigen Kleinen Schulstraße die Bezeichnung Spinnenviertel. Auch das Innungshaus der Strumpfwirker (Neustädter Straße 43) befand sich im Viertel. Später wurde der Name Spinnenviertel eher geringschätzig verwendet. Andere Namen waren Pottlappen- oder Topplappenviertel, später auch Knattergebirge oder Klein-London.

Ab 1730 kam, zunächst parallel zu Kleiner Lakenmacherstraße, der Name Kameelstraße auf. Er bezog sich auf das Haus Zum Kameel (Neustädter Straße 24), das sich gegenüber der Einmündung der Straße auf die Neustädter Straße befand.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 220.

Während des Zweiten Weltkriegs kam es zu schweren Schäden an der Bebauung der Straße. Beim sich nicht an die historische Stadtstruktur haltenden Wiederaufbau in der Zeit der DDR wurde die Kameelstraße, wie auch viele andere Straßen in der Umgebung, aufgegeben und mit drei quer zum ursprünglichen Straßenverlauf angeordneten Wohnblöcken überbaut. Die Wohnblöcke wurden dem Faßlochsberg zugeordnet. Zur Erinnerung an die Kameelstraße wurde ein ein Kamel zeigender Erinnerungsstein nach einem Entwurf von Eberhard Roßdeutscher geschaffen. Der Stein wurde jedoch eingelagert.Günter Hammerschmidt, Häuser mit Hauszeichen in der ehemaligen Altstadt von Magdeburg, Magdeburg 2004, Seite 211.

Im 2022 beschlossenen Rahmenplan Innenstadt, der Leitlinien für die Entwicklung der Magdeburger Innenstadt bestimmt, ist langfristig eine Wiederanlage der Kameelstraße vorgesehen.

Historische Häuser der Kameelstraße Nachfolgend werden die historischen Grundstücke der Kameelstraße tabellarisch aufgeführt. Darüber hinaus werden Straßeneinmündungen eingeordnet.