Semlin ist ein Wohnplatz der amtsfreien Gemeinde Karstädt im Landkreis Prignitz in Brandenburg.Auflistung als Wohnplatz von Karstädt im Kommunalverzeichnis Brandenburg; abgerufen am 14. Mai 2026

Geografische Lage Semlin grenzt unmittelbar an die südliche Wohnbebauung von Karstädt an. Östlich liegen der Ortsteil Blüthen mit seinem Gemeindeteil Klockow, südlich liegt der Wohnplatz Kaltenhof und im Westen liegt der Gemeindeteil Stavenow. Die Bahnstrecke Berlin–Hamburg führt westlich des Wohnplatzes vorbei; die Bundesstraße 5 verläuft ringförmig im südlichen und westlichen Bereich. Die nordwestlichen Flächen werden durch den Graben I/82 in die Löcknitz entwässert. Das Gelände liegt auf einer Höhe von rund .Semlin, Brandenburgviewer, abgerufen am 25. Mai 2026.

Geschichte und Etymologie Etymologie Semlin wurde erstmals im Jahr 1294 durch einen Jo(hannes) Zemlin in Perleberg urkundlich erwähnt. Weitere Nennungen waren 1312 als in villa Semelyn, to Szemelin in den Jahren 1414/1415, zu Czemelin im Jahr 1440 und Zemmelin im Jahr 1515. Der Name leitet sich aus dem Slawischen ab und bedeutet „Siedlung eines Mannes namens Semila“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 158, ISBN 3-937233-17-2..

Besitzgeschichte Die Besitzgeschichte von Semlin beginnt vor 1312 mit dem Markgrafen, der über die Hebungen von sechs Hufen verfügte; 1312 wurden diese dem Kloster Eldena in Mecklenburg übereignet. Vor 1373 bis 1440 befand sich Semlin im Besitz der Familie Bosel, die über die Dörfer Premslin, Glövzin und Semlin sowie über Ober- und Untergerichtsbarkeit und das Kirchenpatronat verfügte (1373). Nach dem Heimfall wurde der Besitz 1440 an die von Quitzow zu Stavenow verliehen. Von 1440 bis 1647 lag Semlin im Besitz der von Quitzow zu Stavenow, die über die Dorfstätte verfügten; wahrscheinlich war 1495 die Hälfte des Ortes an eine Linie der von Quitzow zu Eidenburg gefallen,Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 823 bevor seit 1543 das Gut Stavenow wieder den gesamten Ort umfasste. 1647 wurde Semlin zusammen mit Stavenow an von Blumenthal auf Pröttlin verkauft, die bis 1719 über Meierei, Schäferei und den Rittersitz (nachweisbar 1684) verfügten. Von 1719 bis 1809/1819 gehörte Semlin zur Herrschaft der von Kleist zu Stavenow, die den Rittersitz sowie eine Holländerei und eine Ziegelscheune (1745) innehatten. Anschließend befand sich der Ort von 1809/1819 bis 1872 im Besitz der von Voß zu Stavenow.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 824

14. bis 16. Jahrhundert Semlin wird 1312 und 1373 als Dorf erwähnt. 1414/1415 entstanden im Zuge mecklenburgischer Raubritterfehden Schäden im Ort, wobei sechs Pferde geraubt wurden. 1440 wird eine wüste Dorfstätte genannt, die sich wahrscheinlich auf Semlin bezieht. 1480 wurde eine Wiese auf der Feldmark Semlin mit dem Flurnamen de upstal den Karmelitern in Perleberg übereignet.

1543 bestand auf der Feldmark Semlin eine Schäferei des Hauses Stavenow, die wahrscheinlich nach 1533 eingerichtet worden war; zugleich behielt die Gemeinde Blüthen Nutzungsrechte an der Feldmark gegen Zins. 1591 ist eine Ziegelscheune belegt.

17. Jahrhundert 1621 werden ein Vorwerk, eine Schäferei, eine Ziegelscheune und Holzung genannt. Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Kriegs bestand 1649 eine Meierei und Schäferei; das Holz von Semlin umfasste 202  Morgen. Die bereits zuvor vorhandene Ziegelscheune war zwischenzeitlich eingegangen. Die Meierei mit Viehhaus (90 Stück Rindvieh, davon 50 melkende Kühe) befand sich wieder in gutem Zustand, dazu gehörten ein zweistöckiges Sommerhaus, ein Torhaus mit Stallung und Ziegeldach sowie Kohl- und Hopfengarten. Die Schäferei für etwa 1500 Schafe war ebenfalls wieder aufgebaut. Der Ackerbau erfolgte auf drei Feldern mit einer Aussaat von 1 Wispel Roggen, 6 Wispel Gerste und 12 Wispel 16 Scheffel Hafer laut älteren Registern. Zum Gut gehörten außerdem der Ober Panckowsche Teich (bei Banekow) sowie Wiesen mit einem Ertrag von etwa 34 Fuder Heu. 1684 werden ein Rittersitz der Familie von Blumenthal, Meierei, Schäferei und ein Ziegelofen erwähnt.

18. und 19. Jahrhundert 1704 bestand eine Schäferei mit einem Pachtschäfer und einem Schäferknecht. 1734 werden ein Häusler, ein Knecht und drei Mägde genannt. 1745 bestand Semlin aus einem Rittersitz mit Holländerei und Ziegelscheune. 1791 wird ein Vorwerk mit einem Hauswirt und zwei Verwaltern bei zwei Feuerstellen aufgeführt.

1801 bestand das Vorwerk mit zwei Einliegern, einem Förster sowie einem Pfänderhaus bei zwei Feuerstellen. 1846 werden ein Vorwerk und vier Wohnhäuser mit Pfänderhaus genannt. 1860 bestand das Vorwerk aus vier Wohn- und sechs Wirtschaftsgebäuden. Die Gemarkung umfasste 1860 insgesamt 1403 Morgen (darunter 950 Morgen Acker, 400 Morgen Wiesen und 40 Morgen Weide). Kirchlich war der Ort seit 1817 eingepfarrt.

20. Jahrhundert 1900 gehörte Semlin verwaltungsmäßig zum Gutsbezirk Stavenow im Kreis Westprignitz. 1907 wird ein Inspektor genannt. 1927 bestand ein Rittergut. 1928 wurde der Gutsbezirk in die Gemeinde Karstädt eingegliedert; 1931 wurde Semlin als Wohnplatz von Karstädt geführt und ist seit 1964 beziehungsweise 1995 Ortsteil davon.

Im Jahr 1960 wurde eine LPG vom Typ I Eigene Scholle gegründet, die 1971 an die LPG V. Parteitag in Stavenow angeschlossen wurde.

Bevölkerungsentwicklung Einwohnerentwicklung in Semlin von 1734 bis 1925 Jahr 1734 1772 1791 1801 1817 1837 1858 1871 1925 Einwohner 8 19 21 23 28 51 57 66 111

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Karstädt (Prignitz) Kategorie:Ort im Landkreis Prignitz Kategorie:Ersterwähnung 1294