Vladimir Izdebsky (, Wladimir Alexejewitsch Isdebski; * 22. Mai 1882 in Kiew; † 20. August 1965 in New York) war ein russischer Bildhauer, Maler, Zeichner, Fachautor, Ausstellungskurator, Impresario, Verleger und Unternehmer. Er wurde vor allem durch die Organisation zweier bedeutender internationaler Kunstausstellungen in Südrussland bekannt: der sogenannten Izdebsky-Salons (1909–1911).
Leben
Ausbildung Vladimir Izdebsky erhielt 1897 kurzzeitig Unterricht in einem Zeichenkurs von M. M. Manylam in Odessa und besuchte dort von 1897 bis 1901 sowie erneut 1903 und 1904 die Zeichenschule von Luigi Jorini. Von 1902 bis 1903 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste München bei Wilhelm von Rümann, wo er unter dem Namen Wladimir von Isdebsky eingeschrieben war. In München verkehrte er in der russischen Künstlerkolonie und gehörte 1909 zum Kreis der Gründungsmitglieder der Neuen Künstlervereinigung München.
Tätigkeit in Odessa (1907–1913) 1907 gab Vladimir Izdebsky in Odessa die Zeitung Telegraf heraus, von der jedoch nur zehn Nummern erschienen. Im Jahr 1908 folgte die Wochenschrift Skolopendra, von der drei Nummern erschienen. Im selben Jahr unterrichtete er Bildhauerei an der Kunstschule von M. M. Manylam in Odessa.
Angeregt durch seine Münchner Künstlerfreunde organisierte Izdebsky zwei bedeutende Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in seiner Heimat, die unter dem Namen Izdebsky-Salons (Salon Izdebskogo) in die Kunstgeschichte eingingen. Im ersten Salon (1909–1910, gezeigt in Odessa, Kiew, Sankt Petersburg und Riga) wurden Werke zeitgenössischer russischer und westeuropäischer Künstler präsentiert. Der zweite Salon (1911, gezeigt in Odessa, Cherson und Nikolajew) widmete sich schwerpunktmäßig der russischen Avantgarde mit Wassily Kandinsky an der Spitze. Beide Ausstellungen wurden von einem Vortragszyklus zu Fragen der modernen Kunst sowie von Konzerten neuer Musik begleitet. Die in den einzelnen Städten erschienenen Kataloge weichen mitunter voneinander ab.
Von Herbst 1910 bis Herbst 1913 war Vladimir Izdebsky als Impresario tätig. Er gründete in Odessa das Kabarett-Theater Zelenyj popugaj (Grüner Papagei) sowie das Teatr novoj dramy (Theater des neuen Dramas) und organisierte Gastspiele. 1913 war er Mitglied des Odessaer Literarisch-Künstlerischen Klubs. Nach dem Bankrott seines jüngsten Theaterunternehmens verließ er die Stadt im Oktober 1913 fluchtartig.
Paris und Petrograd (1913–1920) Von Oktober 1913 bis September 1917 lebte Vladimir Izdebsky in Paris. Anschließend hielt er sich bis Januar 1919 in Petrograd (Sankt Petersburg) auf. Von dort floh er über Finnland, wo er mit seiner Familie rund ein Jahr verbrachte.
Zweite Pariser Phase (ab ca. 1920) Nach seiner Rückkehr nach Paris war Vladimir Izdebsky bis 1925 Mitglied des Verbandes Russischer Künstler und später Sekretär der Union professionnelle des artistes russes en France. 1925 gründete er in Paris das Studio Olbi und befasste sich erfolgreich mit dem Entwurf von Stoffmustern.
Emigration in die USA (1941–1965) Im Juni 1941 emigrierte Vladimir Izdebsky in die Vereinigten Staaten. In New York modellierte er Porträtbüsten und Figurenkompositionen aus Ton und Gips, die teilweise später in Bronze gegossen wurden. Sein Werk war zunächst von Auguste Rodin beeinflusst, später prägten die Formenexperimente der Avantgarde seine Arbeit, was sich auch in seinem malerischen Spätwerk niederschlägt, darunter reliefartige Bilder.
Izdebsky starb am 20. August 1965 in New York, eine Woche nach der Eröffnung seiner dortigen Einzelausstellung.
Ausstellungen (Auswahl)
Einzelausstellungen: 1965 New York (Eröffnung eine Woche vor Izdebskys Tod); 2005 Sankt Petersburg, Russisches Museum (Katalog hrsg. von E. Petrova). Gruppenausstellungen (Auswahl): ab 1898; 1907 Paris, Salon des Indépendants; 1908 und 1909 Odessa, Ausstellungen der Gesellschaft südrussischer Künstler (TJURCh); 1909 Kiew und Charkow, Ausstellung der Zeitschrift V mire iskusstv; 1909–10 1. Izdebsky-Salon (Odessa, Kiew, Sankt Petersburg, Riga); 1911
Literatur
Galina Izdebskaja-Pričard: V. A. Izdebskij na rodine i v izgnanii. Sankt Petersburg 1999. John Milner: A Dictionary of Russian and Soviet Artists 1420–1970. Antique Collectors' Club, Woodbridge 1993. Matthew Cullerne Bown: A Dictionary of Twentieth Century Russian and Soviet Painters 1900–1980s. Izomar, London 1998. Christoph Wilhelmi: Künstlergruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit 1900. Band 2. Hauswedell, Stuttgart 2001; erweiterte Ausgabe 2006. D. Severjuchin: Vladimir Izdebskij. In: A Journal of Russian Culture, Nr. 1, 1995. Joseph Kiblitsky (Hrsg.): Vladimir Izdebsky. The Return Cycle. Mit Beiträgen von Evgenia Petrova, Sergei Lushchik, Vladimir Kruglov und Aline Isdebsky-Pritchard. Übersetzungen von Aline Isdebsky-Pritchard und Kenneth MacInnes. Palace Editions, St. Petersburg 2005. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 7: Herring – Koornstra. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.
Weblinks
Vladimir Isdebsky Papers in The Museum of Modern Art Archives Virtual Russian Museum
Einzelnachweise
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