mini|Historisches Meilenblatt Der heutige Neugersdorfer Stadtwald oder auch Stadtwald Neugersdorf ist ein Rest des Grenzwaldes, der einstmals das Zittauer und das Bautzener Land trennte. Er liegt zwischen Neugersdorf und Seifhennersdorf am Süd- und Südosthang des Neugersdorfer Hutungsberges und gliedert sich in vier Teile. Er besteht aus überwiegend Nadelwald.
Den südlichen Rand bilden die Seifhennersdorfer Bauernbüsche. In denen entstand um 1880 an der Straße von Seifhennersdorf nach Neugersdorf die Ausflugsgaststätte Waldschlößchen, die zu DDR-Zeiten im Sommer dem RAW Görlitz als Kinderferienlager diente.
Auf dem Gebiet von Neugersdorf unterstand der westliche Gebietsteil als herrschaftlicher Wald immer dem böhmischen Amt Rumburg, während die Osthälfte – später als Plantage bezeichnet – von derselben Herrschaft der Stadt Rumburg als Gemeindebusch übergeben wurde. Beide Waldteile fielen im Prager Frieden von 1635 zusammen mit der Oberlausitz an Sachsen. Die Stadt Rumburg behauptete jedoch weiterhin das Besitzrecht an ihrem Waldstück und rodete es ab. Die Rumburger Feudalherrschaft übernahm es später wieder in eigene Verwaltung, forstete es auf und verkaufte die Plantage zusammen mit dem Westteil 1923 an die Gemeinde Neugersdorf.
Der Ostzipfel des Waldes auf Neuleutersdorfer Flur als dritter Teil, gehörte gleichfalls der Rumburger Herrschaft. Er ging erst 1849 an Sachsen über und wurde 1923 an die Gemeinde Leutersdorf verkauft. Auf der alten Kreisgrenze zwischen Zittau und Löbau steht an der Stelle, wo die Fluren von Leutersdorf und Neugersdorf mit dem ehemaligen Rumburger Gemeindebusch zusammenstoßen, also westlich von Neuwalde, ein „Dreiekigter Grenzstein“ (vgl. historisches Meilenblatt), heute „Dreiecker“ genannt. Er wurde im Zuge der Streitigkeiten von 1734 um den Rumburger Besitz gesetzt und enthält folgende eingemeißelte Zeichen: SR Anno 1734 (Stadt Rumburg, Gemeindebusch, getauschtes Waldstück von Neugersdorf, wurde später zum Streitobjekt), HOL Anno 1734 (Herrschaft Oberländer = Oberleutersdorf, gehörte nicht zur böhmischen Enklave), HLS Anno 1734 (Herrschaft Liechtenstein = Neu-Gersdorf, besaß das Gebiet Neugersdorf).
Im Wald östlich des Waldschlößchens liegen mehrere Gruben, in denen Quarz abgebaut wurde. Dieser tritt in weißer bis gelblicher Farbe auf und ist stark zerklüftet. Durch die Anreicherung von Eisenoxid bildet sich auf der Oberfläche eine schwärzliche Verwitterungskruste. Der Quarz ist Teil eines mehrere Kilometer langen Ganges, der sich von Spitzkunnersdorf über Seifhennersdorf bis nach Šluknov (Schluckenau) erstreckt. Die bis zu etwa 150 Meter mächtige Spaltenfüllung im Grundgebirge steht in direktem Zusammenhang mit der Lausitzer Überschiebung.
Der Dreieckerweg, als uralter Grenzweg, führt durch den Neugersdorfer Stadtwald und ist gut für eine kurze Wandertour geeignet. Bereits im Jahr 1657 empfahl eine Grenzkommission den Weg. Er bildet noch heute die Westgrenze der Leutersdorfer Ortsflur und markierte bis 1994 die Kreisgrenze Löbau-Zittau.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Ebersbach-Neugersdorf