mini|Bathymetrische Karte des Kontinentalrands am Goban-Sporn. Der Abstand der Isobathen beträgt 100 Meter. mini|Goban-Sporn am Atlantischen Kontinentalrand um das Porcupine-Seebecken. Der Goban-Sporn () ist ein Vorsprung des Kontinentalrands am südwestlichen Zugang zu den Britischen Inseln im nordöstlichen Atlantik. Er bildet die südliche Begrenzung der Porcupine-Senke und fällt nach Südwesten zur Porcupine-Abyssalebene ab. Morphologisch gliedert er sich in ein glattes Randplateau in Wassertiefen oberhalb von etwa 2000 m, das nach Westen entlang des Pendragon-Escarpments steil auf rund 3500 m abbricht.Douglas G. Masson, Lucien Montadert, Roger A. Scrutton u. a. (1985): Regional Geology of the Goban Spur Continental Margin. In: Pierre C. de Graciansky, C. Wylie Poag u. a.: Initial Reports of the Deep Sea Drilling Project, Volume 80. U.S. Government Printing Office, Washington, D.C. doi:10.2973/dsdp.proc.80.1985.
Der Goban-Sporn gilt als ein gut untersuchtes Beispiel eines sedimentarmen, magmaarmen („nicht-vulkanischen“) passiven Kontinentalrands und ist der konjugierte Gegenrand zum neufundländischen Kontinentalrand. Sein Aufbau wurde 1981 durch die Bohrungen des Deep Sea Drilling Projects (Leg 80, Bohrstellen 548 bis 551) mit dem Bohrschiff Glomar Challenger erkundet, die als Profil quer über die Kontinent-Ozean-Grenze angelegt waren.Pierre C. de Graciansky, C. Wylie Poag u. a. (1985): Initial Reports of the Deep Sea Drilling Project, Volume 80. U.S. Government Printing Office, Washington, D.C. doi:10.2973/dsdp.proc.80.1985.
Geographie und Morphologie
Der Goban-Sporn erstreckt sich über rund 200 km und weist Strukturtrends in N 70°-Richtung auf, die kaledonische und variszische Anlagen nachzeichnen. Das Randplateau wird im Westen vom Pendragon-Escarpment begrenzt; weiter seewärts schließen sich kleinere Steilstufen und Grundgebirgsschwellen an. In der angrenzenden ozeanischen Kruste wurde mit dem Pastouret-Rücken eine reaktivierte Bruchzone beschrieben, die auf intraplattare Verformung im Eozän im Zuge der pyrenäischen Orogenese zurückgeführt wird.
Geologie und Entstehung
Der Kontinentalrand entstand durch krustale Dehnung in einer Riftphase, die von der Unterkreide (späte kimmerische Phase) bis ins mittlere Albium datiert wird; an ihrem Ende setzte die Bildung ozeanischer Kruste ein, und der benachbarte Ozeanbereich weitete sich vom mittleren Albium bis ins Campanium. Während der Riftphase blieben die Oberkanten der gekippten Bruchschollen nahe dem Meeresspiegel; die rasche Absenkung des Randes erfolgte im frühen Albium, die spätere Entwicklung wurde von thermischer Absenkung bestimmt.
Weitwinkel-seismische Messungen zeigen, dass sich die kontinentale Kruste seewärts auf etwa 7 km ausdünnt, bevor sie aufreißt und ein neues ozeanisches Spreizungszentrum entsteht; die angrenzende ozeanische Kruste ist mit rund 5,4 km ungewöhnlich dünn. Geschwindigkeitsstruktur, Dehnungsfaktoren und Dichteverteilung sind mit einer Dehnung durch reine Scherung vereinbar, wobei die Krustenausdünnung nur von geringer magmatischer Aktivität begleitet war – ein Beleg für den nicht-vulkanischen Charakter des Randes.Susan J. Horsefield, Robert B. Whitmarsh, Robert S. White, Jean-Claude Sibuet (1994): Crustal structure of the Goban Spur rifted continental margin, NE Atlantic. In: Geophysical Journal International. Band 119 (1994), Ausgabe 1, S. 1–19. doi:10.1111/j.1365-246X.1994.tb00909.x. Ein neueres Weitwinkelmodell weist zwischen der ausgedünnten kontinentalen und der ozeanischen Kruste eine etwa 70 km breite Zone exhumierten (aufgestiegenen), teilweise serpentinisierten Mantelgesteins aus und stellt den Goban-Sporn damit in eine Reihe mit magmaarmen Rändern wie jenem vor der Iberischen Halbinsel.Andrew D. Bullock, Timothy A. Minshull (2005): From continental extension to seafloor spreading: crustal structure of the Goban Spur rifted margin, southwest of the UK. In: Geophysical Journal International. Band 163 (2005), Ausgabe 2, S. 527–546. doi:10.1111/j.1365-246X.2005.02726.x.
Einzelnachweise
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