Die Deutschordenskommende Sumiswald war eine Niederlassung des Deutschen Ordens im oberen Emmental im heutigen Kanton Bern (Schweiz). Sie bestand von ihrer Gründung im Jahr 1225 bis zur Übernahme der Herrschaft durch die Stadt Bern im Jahr 1698. Zentrum der Kommende war die spätere Anlage des heutigen Schlosses Sumiswald.

Geschichte

Gründung (1225) Im Januar 1225 stellte Lütold von Sumiswald in Ulm am Hof von König Heinrich (VII.) eine Urkunde aus. Darin übergab er die Kirchen von Sumiswald und Escholzmatt mit allen Rechten an den Deutschritterorden. Als Bedingung musste vor Ort ein Spital mit zwei Priestern eingerichtet werden. Noch im selben Jahr bestätigte Kaiser Friedrich II. diese Schenkung. Da Lütold keine rechtmässigen Erben hatte, zog er später auf einen Kreuzzug. Im Jahr 1240 übertrug er auch seinen restlichen Besitz im Emmental an die Ordenskommende und starb kurz danach. Die später bis ins frühe 15. Jahrhundert nachweisbaren Herren von Sumiswald dürften Nachkommen unehelicher Kinder dieses Lütold gewesen sein.

Aufbau als Ordenskommende Die Kommende entwickelte sich im 13. und 14. Jahrhundert zu einem regionalen Verwaltungszentrum des Deutschen Ordens innerhalb der Ballei Elsass–Burgund. Sie verwaltete umfangreiche Güter, darunter Alpen, Wälder, Zehntrechte und Kirchensätze im oberen Emmental. Geleitet wurde die Kommende durch einen Komtur, der dem Ordenssystem des Deutschen Ordens unterstellt war.

Funktion Die Kommende Sumiswald war keine rein klösterliche Einrichtung, sondern eine Mischform aus geistlicher Ordensniederlassung, landwirtschaftlicher Grundherrschaft, regionalem Verwaltungszentrum und Spital für Bedürftige und Reisende.

Diese Kombination war typisch für die Kommenden des Deutschen Ordens im Gebiet der heutigen Schweiz.

Verhältnis zur Stadt Bern und Reformation Im Spätmittelalter konnte die Deutschordenskommende Sumiswald ihren Besitz durch Schenkungen und Käufe deutlich erweitern und entwickelte sich zu einer befestigten Anlage mit Ringmauern, Toren und Wehrtürmen.

Bereits 1371 schloss sie unter Komtur Marquard von Bubenberg ein Burgrechtsabkommen mit Bern und geriet damit zunehmend in den Einflussbereich der Stadt. Mit der Ausbreitung der bernischen Herrschaft im Emmental geriet die Kommende zunehmend unter politischen Einfluss der Stadt Bern. Nach der Reformation wurde sie 1528 säkularisiert und ihr Besitz eingezogen. 1552 kam es zu einem Vergleich zwischen Bern und dem Deutschen Orden, der eine teilweise Rückgabe der Rechte regelte. Die tatsächliche Kontrolle blieb jedoch eingeschränkt bernisch geprägt.

Verkauf an Bern (1698) Als der Orden seinen Sitz in Sumiswald in den 1670er-Jahren abstossen wollte, machte die Stadt von diesem Recht Gebrauch. Es dauerte allerdings bis 1698, bis der Verkauf zum Preis von 36'000 Reichstalern vollzogen werden konnte. Sumiswald wurde so zu einem Berner Amt, das von einem Landvogt verwaltet wurde. Dieser residierte jeweils für sechs Jahre auf dem Schloss.

Damit endete die Ordensherrschaft in Sumiswald nach rund 470 Jahren. Die Kommende wurde damit Teil der bernischen Territorialverwaltung und verlor ihre ordensrechtliche Funktion vollständig.

Kommunalgeschichte Nach dem Ende der Landvogtei 1798 blieb das ehemalige Kommendegut in staatlichem bzw. kommunalem Besitz. 1812 erwarb die Gemeinde Sumiswald das Schloss und richtete darin ein Armen- und Versorgungsheim ein. Später wurde es als Spital und Pflegeeinrichtung genutzt. Diese soziale Funktion steht in direkter Kontinuität zur ursprünglichen Spitalstiftung von 1225.

Anlage und Standort Die Kommende befand sich auf einem strategisch gelegenen Felsrücken oberhalb der Grünen. Die ursprüngliche Anlage umfasste Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie eine Kapelle und einen Spitalbereich.

Die heutige Bausubstanz des Schlosses geht überwiegend auf den Wiederaufbau nach dem Brand von 1730 zurück. Zwischen 1978 und 1981 wurde das Schloss umfassend saniert und in ein Pflegeheim umgewandelt. Dabei errichtete man den südwestlichen Wehrturm auf seinen historischen Fundamenten neu, während der Haupttrakt im Inneren modern gestaltet wurde. Im Verlauf der Bauarbeiten kamen zudem gotische und barocke Wandmalereien sowie ein etwa 15 Meter tiefer Brunnen zum Vorschein.

Bedeutung Die Deutschordenskommende Sumiswald gehörte zu den zentralen Niederlassungen des Deutschen Ordens im Gebiet der heutigen Schweiz innerhalb der Ballei Elsass-Burgund.

Einzelnachweise burgenwelt.org: „Schloss Sumiswald“, https://www.burgenwelt.org/schweiz/sumiswald/object.php

Gemeinde Sumiswald: „Geschichte Schloss Sumiswald“, https://www.sumiswald.ch/de/portrait/geschichte.php

Historisches Lexikon der Schweiz: „Sumiswald (Gemeinde)“, https://hls-dhs-dss.ch/articles/000553/

Staatsarchiv Bern: „Sumiswald, ehemalige Kommende des Deutschen Ordens (1225–1855)“, https://www.query.sta.be.ch/detail.aspx?ID=370838

Historisches Lexikon der Schweiz: „Deutscher Orden“, https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011716/

Kategorie:Sumiswald Kategorie:Kommende des Deutschen Ordens Kategorie:Gegründet 1225