Are You Glad to Be in America? ist das zweite Musikalbum von James „Blood“ Ulmer. Die am 17. Januar 1980 in den RCA Studios in New York City entstandenen Aufnahmen erschienen 1980 auf Rough Trade.
Hintergrund 1972 nahm Ornette Coleman den Gitarristen James Blood Ulmer unter seine Fittiche und lehrte ihn die Prinzipien der „Harmolodik“, eines musikalischen Systems, das Harmonie, Rhythmus und Melodie gleichwertig behandelt. Auf Are You Glad to Be in America? bildet sie die Grundlage für eine Reihe von Gruppenimprovisationen, die gleichermaßen komplex und direkt sind, notierte Nate Bush.
Titelliste James „Blood“ Ulmer – Are You Glad To Be In America? (Rough Trade 6435 085) A1 Layout 4:59 A2 Pressure 3:58 A3 Interview 3:34 A4 Jazz Is the Teacher (Funk Is the Preacher) 4:02 A5 See-Through 3:43 B1 Time Out 5:20 B2 T.V. Blues 4:30 B3 Light Eyed 4:18 B4 Revelation March 3:16 B5 Are You Glad to Be In America? 4:33
Die Kompositionen stammen von James Ullmer.
Rezeption mini|James Blood Ulmer im Jazz Club Unterfahrt, München 2013 Nathan Bush verlieh dem Album in Allmusic vier Sterne und meinte, dass der Sound des Albums maßgeblich von der Rhythmusgruppe geprägt werde, von Calvin Westons und Ronald Shannon Jacksons treibendem Schlagzeugspiel, Amin Alis Bass und Ulmers Gitarre. Die beiden Schlagzeuger würden beständige, spannungsgeladene Rhythmen vorlegen, die die nervöse Energie des Albums erzeugen. Amin lasse wenig Raum für konventionelle Grooves (für rhythmische Variationen) und ziele mit seinem Bass, wie alle anderen auch, auf den nervösen Puls ab. Dennoch bleibe sein Spiel im Funk verwurzelt, und sein kantiger, markanter Ton sei ein prägendes Merkmal. Die drei Musiker [Bassist und Schlagzeuger] würden um Ulmer herum vielschichtige Klanglandschaften aufbauen, ähnlich einer wilderen Version der Band auf Miles Davis’ Album On the Corner (1972). Fragmente von Jazz, Rock, Funk und Surfmusik würden vermischt und sich in frenetischen Linien entfalten. Manchmal wirkten die Rhythmen zu starr, und das Resultat klinge wie ein Experiment, aus dem sich die Musiker befreien wollten. Im besten Fall verlören sich die einzelnen Musiker in einem intensiven Dialog. Auf „Time Out“ erzeugten sie eine so dichte Klangmasse, dass man kaum noch erkennen könne, wo ein Instrument aufhöre und das andere anfange. Ausgehend von diesen straffen Strukturen würden sich die individuellen Stimmen von Harmonie, Rhythmus und Melodie in schwindelerregenden Gruppenimprovisationen entfalten.
Dieses Album zeige Ullmers Vielseitigkeit: von Anklängen an Square-Dance-Rhythmen und Folk-Riffs im Stil von Albert Ayler in „Layout“ über das prägnante, punktierte Unisono-Thema von „Interview“ bis hin zum geradlinigen Funk von „Jazz Is the Teacher“ oder dem Delta-Blues-Einschlag von „Are You Glad“, meinte Mark Gilbert 1981 im Jazz Journal. Charakteristisch sei Ulmers dicht gedrängter Rhythmus, der durch seinen harmolodischen Solostil akzentuiert werde. „Interview“ liefere ein perfektes Beispiel für ein Lieblingsmotiv Ullmers, das beinahe perfekt das Gackern eines Huhns imitiere – ein aufsteigender Riff, das in einem explosiven Akkord ende. Auch David Murray und Oliver Lake würden mit ihren eindringlichen Beiträgen zum Album beitragen. Es sei zweifelhaft, ob „Blood“ den langfristigen kommerziellen Erfolg erzielen werde, den sich Rough Trade vielleicht erhoffe, so das Resümee des Autors, aber es sei gut, dass diese Musik aufgenommen und einem breiten Publikum zugänglich gemacht wurde.
Das „außergewöhnlich gelungene“ Album Are You Glad to Be in America?, auf dem Ulmer auch erstmals singe, offenbart Peter Margasak und Graham Flashner zufolge ein verblüffendes Verständnis für die Wurzeln von Jazz, Tanzmusik, östlichen Polyrhythmen und harmonischen Klangstrukturen in einem lebendigen Soundmix. Gemeinsam mit dem E-Bassisten Amin Ali und dem beeindruckenden Saxophon-Ensemble David Murray und Oliver Lake sprühe die Musik nur so vor Energie.
Robert Christgau hingegen war von Are You Glad to Be in America? nur teilweise zufriedengestellt, auch von der neu gemischten amerikanischen Ausgabe, die bei Artist House 1981 erschien, der er die Note B+ erteilte: „Nach einem Jahr voller Nachbearbeitungen kann die deutlich verbesserte Klangqualität dieser lang erwarteten US-Version das Rough-Trade-Debüt des Harmolodic-Gitarrenmeisters nicht retten. Es wirkt immer noch zu steif, zu komponiert, zu kontrolliert,“ nicht nur wegen des dünnen Klangs, sondern auch, weil die Stücke mit durchschnittlich 4:20 Minuten viel zu kurz seien. Die brillanten Kompositionen könnten so nicht richtig zur Geltung kommen oder sich so richtig austoben. Olu Dara und Oliver Lake ständen zudem David Murray im Weg. „Im Kreuzfeuer gefangen, findet das Sextett nie den Raum, mit der ekstatischen Kraft des klassischen Tin-Palace-Quartetts loszulegen.“ Obwohl sie mit mehr Verstand und Seele implodierten als jeder Fusion-spielende Schrotthaufen, würden sie nie ausbrechen. Aber das wäre die halbe Miete.
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Einzelnachweise
Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album (Fusion) Kategorie:Album 1980