Königreich Israel ( Malkhut Yisrael, Kingdom of Israel), auch bekannt als Tzrifin Underground, war eine terroristische ultranationalistische jüdische Gruppe.
Geschichte Die Terrororganisation Königreich Israel wurde 1951 gegründet. Zunächst war die Gruppe mit der Beschaffung von Waffen, der Rekrutierung von Mitgliedern und deren Indoktrination und Ausbildung beschäftigt. Anführer der Gruppe war Yaakov Heruti (1927–2022), ein ehemaliger Bombenexperte der Lechi. Das Ziel der Gruppe, die von den Schriften des Lechi-Chefideologen Israel Eldad inspiriert war, war die spätere politische Machtübernahme in Israel und die Errichtung eines jüdischen Königreichs nach biblischem Vorbild. Aufgrund der kleinen Mitgliederzahl wurden zunächst nur kleine Aktionen durchgeführt, die Aufmerksamkeit erregen und zu größerer Popularität sowie zur Anwerbung neuer Mitglieder führen sollten. Zu diesen Aktionen gehörte Brandstiftung nicht-koscherer Metzgereien in Tel Aviv. Außerdem führte Königreich Israel kleinere Überfälle auf jordanische Außenposten in der Nähe von Jerusalem durch.
In der Folge der angeblichen Ärzteverschwörung Ende 1952 und wegen der empfundenen Untätigkeit der israelischen Regierung wurden kommunistische diplomatische Vertretungen zum Ziel, und die Gruppe verübte Anschläge auf die Botschaften der UdSSR und der Tschechoslowakei in Tel Aviv, wobei ihre Urheberschaft zunächst nicht bekannt war. Nach dem Angriff auf die sowjetische Botschaft setzte diese ihre diplomatischen Beziehungen zu Israel aus.
Im April 1953 reiste Jascha Heifetz, einer der bekanntesten Violinisten des 20. Jahrhunderts, für eine Konzertserie nach Israel. Da zu seinem Repertoire auch der deutsche Komponist Richard Strauss gehörte, der als Nazi-Kollaborateur angesehen wurde, erhielt er vorgängig zahlreiche Drohbriefe. David Ben-Gurion riet ihm aber, die Warnungen zu ignorieren. Nach einem seiner Konzerte wurde Heifetz nachts von einem jungen Mann angegriffen, der mit einer eisernen Keule auf die rechte Hand des Violinisten schlug. Er war ein Mitglied des Königreichs Israels und hatte den Auftrag, Heifetz' Hand dauerhaft zu schädigen.
Verhaftung, Prozess und Begnadigung Die bisher unbekannte Gruppe wurde aufgedeckt, als zwei Mitglieder der Gruppe im Mai 1953 gefasst wurden. Sie erregten die Aufmerksamkeit von Polizisten, als sie den Zaun eines Gebäudes der Rumänischen Kirche in Tel Aviv überklettern wollten, wo sich auch das israelische Bildungsministerium befand. Sie führten Sprengstoff und eine Liste der Mitglieder ihrer Organisation mit sich. Dadurch gelang es Schin Bet, zahlreiche Mitglieder der Gruppe zu verhaften. Dabei wurden erhebliche Mengen an Waffen, Maschinenpistolen, Pistolen, Sprengstoff und Munition in Privathaushalten, geheimen Waffenlagern der Lechi und in vergrabenen Milchkannen und Fässern gefunden. Die Gruppe wurde gemäß der Anti-Terror-Gesetzgebung, die nach der Ermordung von Folke Bernadotte im Jahr 1948 verabschiedet worden waren,Eli M. Salzberger: Counter-Terrorism Law and the Rule of Law Under Extreme Conditions: Theoretical Insights and Israeli Law and Jurisprudence. In: ÖJK/Müller, Krise der liberalen Demokratie, Band 49. Linde Verlag 2019, S. 171–172 zur illegalen terroristischen Organisation erklärt; 16 Personen wurden vor ein Militärgericht in der Militärbasis Tzrifin gestellt, weshalb die Gruppe in den Medien auch als „Tzrifin Underground“ bezeichnet wurde. Der Generalstaatsanwalt Chaim Cohen beschuldigte die Verdächtigen einer langen Serie von Anschlägen, Sabotage und Subversion. Ihnen wurde auch die Planung weiterer Terroranschläge vorgeworfen. Viele der Vorwürfe konnten nicht bewiesen werden, so auch der Angriff auf die sowjetische Botschaft. Erst während des Prozesses gegen Joseph Menkes, einen der Mörder von Rudolf Kasztner 1957, stellte sich heraus, dass Menkes für 1953 die Bombe in der sowjetischen Botschaft platziert hatte.
Shimon Bachar wurde zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt, Yaakov Heruti zu zehn Jahren. Das Gericht bezeichnete beide Männer als die Gründer und Kommandeure der Untergrundorganisation. Mehrere andere Angeklagte wurden zu Haftstrafen zwischen einem und sieben Jahren verurteilt. Am 25. April 1955, einen Tag vor Israels siebtem Unabhängigkeitstag, wurden alle Täter auf Empfehlung Isser Harels, dem ersten Direktor der Schin Bet, von David Ben-Gurion begnadigt.
Mitglieder Die Gruppe war klein und hatte nie mehr als zwei Dutzend Mitglieder, viele davon Veteranen der Lechi. Anführer der Gruppe war der ehemalige Bombenexperte der Lechi, Yaakov Heruti. Auch Mitglieder der kurz zuvor aufgelösten Terrorgruppe Brit HaKanaim schlossen sich dem „Königreich Israel“ an. Die meisten Mitglieder waren aber laut Ehud Sprinzak 16- bis 18-jährige Jungen und Mädchen. Sie durchliefen ein intensives Trainingsprogramm mit Themen wie Geheimhaltung, Verschwörung, der Geschichte des Untergrunds und der Ideologie der Gruppe Königreich Israel. Nach der Absolvierung eines „Tests“ nahmen sie an einer geheimen Schwurzeremonie teil, bei der sie schwören mussten, ihr Leben dem Sturz der israelische Regierung zu widmen.Ehud Sprinzak: Brother Against Brother. Violence and Extremism in Israeli politics from Altalena to the Rabin Assassinations. The Free Press, New York 1999, ISBN 0-684-85344-2
Einzelnachweise
Kategorie:Untergrundorganisation (Israel) Kategorie:Jüdischer Terrorismus Kategorie:Gegründet 1951