mini|Katholische Wallfahrtskirche St. Leonhard in Dietramszell Die Wallfahrtskirche St. Leonhard liegt im gleichnamigen Ortsteil Sankt Leonhard der Gemeinde Dietramszell im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und steht unter Denkmalschutz.
Geschichte der Wallfahrt und der Kirche Die Ursprünge der Wallfahrt reichen bis in die Zeit zwischen 1578 und 1591 zurück. Bereits für das Jahr 1578 ist bezeugt, dass ein Konventuale des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift Dietramszell „gen Saint Lienhart“ zog. Die Wallfahrt entwickelte sich in der Folge zu einem festen Bestandteil des religiösen Lebens in der Umgebung von Dietramszell und ist im Volksmund als „Zeller Lehards“ oder „Dietramszeller Lehards“ bekannt.
Einen entscheidenden Impuls erhielt die Verehrung des heiligen Leonhard im Jahr 1685, als in der Gegend von Dietramszell eine Pferdeseuche grassierte. Propst Marcellinus Obermayr vom Augustiner-Chorherrenstift Dietramszell gelobte den Bau einer Kapelle zu Ehren des Heiligen, falls die Pferde des Klostermeierhofes von der Seuche verschont blieben. Nachdem sich seine Bitte erfüllt hatte, ließ er ein Kirchlein errichten, das als Vorgängerbau der heutigen Wallfahrtskirche gilt. Der Bau dieser Kapelle ist für das Jahr 1686 nachweisbar. Zugleich wurde festgelegt, das Kirchweihfest jährlich am dritten Samstag im Juli feierlich zu begehen. Aus dieser Tradition entwickelte sich die bis heute bestehende Leonhardifahrt mit Bittgängen, Gottesdienst, Umritt, Segnung, Jahrmarkt und Festbetrieb.
Um dem zunehmenden Anstrom der Wallfahrer gerecht zu werden, wurde 1765 eine größere Wallfahrtskirche erbaut.
Nach der Säkularisation und der Auflösung des Augustinerchorherrenstiftes Dietramszell galt die Kirche als entbehrlich und sollte abgebrochen werden. Die Pfarrgemeinde Dietramszell übernahm jedoch die Baulast und bewahrte den Bau dadurch vor dem Verlust. Zu einem späteren Zeitpunkt ging die Kirche in den Besitz der politischen Gemeinde über.
Im Dezember 1973 wurde die Kirche Ziel eines Kirchenraubes, bei dem ein Teil der Engelsfiguren sowie weitere wertvolle Gegenstände entwendet wurden.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts zeigte sich, dass die Bausubstanz der Kirche erheblich gefährdet war. Ein undichtes Dach sowie aufsteigende Feuchtigkeit in den Mauern führten zu Schäden an Wänden und Fußboden. Eine umfassende Sanierung wurde daraufhin mithilfe von Spendengeldern und Eigenleistungen der Bürger von 2004 bis 2010 durchgeführt, sodass die Kirche gerettet werden konnte.
Ablauf der Leonhardifahrt Am Morgen des Festtages der Leonhardifahrt machen sich Bittgänger aus Dietramszell, Linden, Lochen, Manhartshofen und Thankirchen auf den Weg nach St. Leonhard. Dort wird ein Festgottesdienst mit Chorgesang gefeiert, bei dem die sogenannten Lehardsbrote gesegnet werden. Am Nachmittag versammeln sich vor dem Kloster Dietramszell Gespanne, Kutschen und Reiter zum traditionellen Umritt. Der Zug bewegt sich über den Klosterberg und durch Schönegg zur Wallfahrtskirche. An seiner Spitze reitet ein Vorreiter mit einer Votivtafel. Ihm folgen Ehrenkutschen mit Geistlichkeit, Bürgermeistern und Ehrengästen, ein Wagen mit der Blaskapelle sowie Truhenwagen, weitere Gespanne und Reiter. In einem großen Rund ziehen die Teilnehmer um die Kirche und empfangen den Segen für Mensch und Tier, während Bläser Choräle spielen. Der Umritt wird von einem Jahrmarkt begleitet, dessen Stände und Buden bis an den Waldrand reichen.
Architektur und Ausstattung mini|Deckenfresko Die heutige Wallfahrtskirche wurde in den Jahren 1765 bis 1774 unter Propst Franziskus Kamm errichtet. Der Entwurf stammt von dem Hofbaumeister Leonhard Matthäus Gießl. Er schuf einen quadratischen Zentralbau mit abgeschrägten Ecken, der von einer Flachkuppel überwölbt wird und ließ den Neubau von angesehenen Künstlern seiner Zeit ausstatten. Die Stukkaturen stammen von Tassilo Zöpf.
Fresken 1769 schuf der Münchner Hofmaler Christian Wink das große Kuppelfresko mit der Darstellung der Glorie des heiligen Leonhard. Das Fresko zeigt den Heiligen als himmlischen Helfer und Fürsprecher der Gläubigen, thematisiert werden seine Anrufung in Leibesnöten, in Gefangenschaft sowie bei Viehkrankheiten und Seuchen. mini|Innenraum mit Kanzel und Hochaltar
Kanzel und Altäre Die Altäre und die Kanzel wurden von dem Wolfratshauser Bildhauer Philipp Jakob Rämpl gefertigt und gelten als dessen bedeutendsamsten Werke. In seinen Arbeiten zeigt sich deutlich der Einfluss von Johann Baptist Straub, in dessen Werkstatt Rämpl seine Ausbildung erhalten hatte. Rechts auf dem Hauptaltar befindet sich eine Darstellung des Hl. Rochus als Pilger, über der Kanzel des Guten Hirten.
Orgel Die Orgel wurde ursprünglich 1895 von der Gebr. Sieber Orgelbau für die evangelische Martinskirche in Aufhausen im Ries erbaut und 1988 in die Wallfahrtskirche St. Leonhard übernommen. Sie hat 7 Register auf einem Manual und Pedal.
Glocken In dem kleinen Kirchturm hängen zwei Glocken.
Die kleinerer (Schlagton b) wurde 1687 von Paulus Kopp in München gegossen und stammt somit noch aus der alten Kirche.
Die größere Glocke (Schlagton es) wurde anlässlich des Neubaus 1769 von Johann Lorenz Kraus in München gegossen.
Literatur
Weblinks
Website des Vereins zur Erhaltung der Leonhardikirche in Dietramszell
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Leonhard Leonhard Kategorie:Leonhardskirche Kategorie:Katholischer Wallfahrtsort in Bayern Kategorie:Wallfahrtskirche des Erzbistums München und Freising Kategorie:Zentralbau in Deutschland Kategorie:Barocke Kirche Kategorie:Barockbauwerk in Bayern Kategorie:Erbaut 1774 Kategorie:Kirchengebäude in Europa