Hans Rudolf Thierstein (* 27. Mai 1944 in Zürich) ist ein emeritierter Schweizer Professor für Mikropaläontologie und ein Künstler. Er war ordentlicher Professor für Mikropaläontologie im Departement Erdwissenschaften der ETH Zürich und an der Universität Zürich. Zudem war er Prorektor für internationale Beziehungen der ETH Zürich. Seine Forschungsschwerpunkte waren Paläozeanographie, Evolution des ozeanischen Planktons und Entwicklung von Robotern, welche Mikrofossilien erkennen können. Seine Lehrveranstaltungen waren auf die Wechselbeziehungen zwischen der Geosphäre und der Biosphäre ausgerichtet und auf die Methoden, diese aus geologischen Archiven zu rekonstruieren. 1998 erhielt er den Preis der Stiftung Dr. J. E. Brandenberger und wurde 2002 in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen. Seit 2009 ist er künstlerisch tätig.Hans R. Thierstein an der ETH Zürich. Abgerufen am 13. Juni 2026.

Leben und Wirken Nach dem Besuch der Kantonalen Handelsschule Freudenberg (Mittelschule) in der ersten Hälfte der 60er Jahre mit dem Abschluss der Handelsmatur, studierte er Geologie an der Philosophischen Fakultät II der Universität Zürich, wo er 1972 mit dem Doktorat abschloss. Mit einem Nachwuchsstipendium des Schweizerischen Nationalfonds bildete er sich von 1973 bis 1976 am Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University in New York und an der Woods Hole Oceanographic Institution des MIT weiter. Anschliessend verbrachte er neun Jahre als Assistant, Associate und Full Professor of Geology an der Scripps Institution of Oceanography der University of California San Diego, von wo er nach Zürich berufen wurde. Thierstein war dort von 1985 bis 2009 ordentlicher Professor für Mikropaläontologie im Departement Erdwissenschaften der ETH Zürich und an der Universität Zürich. Er war zudem Prorektor für internationale Beziehungen der ETH Zürich (2003–2008).

Seine Forschungsschwerpunkte waren Paläozeanographie, Evolution des ozeanischen Planktons und Entwicklung von Robotern, welche Mikrofossilien erkennen können. Seine Lehrveranstaltungen waren auf die Wechselbeziehungen zwischen der Geosphäre und der Biosphäre ausgerichtet und auf die Methoden, diese aus geologischen Archiven zu rekonstruieren.

Hans R. Thierstein war zudem Präsident der Expertengruppe des Schwerpunktprogramms Umwelt (1992–2002) beim Schweizerischen Nationalfonds. Er arbeitete in zahlreichen wissenschaftlichen Kommissionen und Redaktionen internationaler wissenschaftlicher Zeitschriften mit.Ewiger Student - Schimpfwort und Traumberuf. Video der Abschiedsvorlesung von Hans R. Thierstein an der ETH Zürich. Abgerufen am 13. Juni 2026.

Ab 2009, mit dem Erreichen des Pensionsalters, begann er sich künstlerisch zu betätigen, mit zuerst verstärkter Fokussierung auf die Entwicklung von Spiegelsonnenuhren, später mit der Entwicklung sogenannter Quatroskopien und Audioquatroskopien. Diese wurden in verschiedenen Galerien und an Filmfestivals gezeigt.Persönliche Künstler-Website. Abgerufen am 13. Juni 2026.

Kunst Hans R. Thierstein begann als Künstler zunächst Spiegelsonnenuhren zu bauen und befasste sich intensiv mit Kaleidoskopen. Dreieckige Kaleidoskope gibt es schon seit über 200 Jahren. Thierstein hatte nun die Idee, eine quadratische, statt dreieckige Tunnelröhre zu bauen; 2016 erfand er so die sogenannte Quatroskopie.Musik- und Kunstgenuss – dank Audioquatroskopie. artfritz.ch. Abgerufen am 13. Juni 2026.

Quatroskopie Das von Hans R. Thierstein entwickelte Quatroskop ist ein vierseitiger Spiegeltunnel, ähnlich einem Kaleidoskop, jedoch aus vier statt drei Spiegeln bestehend. Ein quadratisches Bild an einem Ende wird – vom anderen Ende des Tunnels aus betrachtet – wiederholt in vier Richtungen reflektiert, wodurch unerwartete, mosaikähnliche und filigrane Muster entstehen. Wenn das Bild am Ende der Tunnelröhre bewegt wird, bewegen sich alle gespiegelten Bilder auch, aber in jeweils gegenläufigen Richtungen.Website zur Audioquatroskopie. Abgerufen am 13. Juni 2026.

Thierstein hat sich inzwischen der digitalen Technologie zugewandt. Seine Quatroskopien fertigt er mittlerweile am Computer an, indem er Software verwendet, um die wiederholten Reflexionen digitaler Bilder zu berechnen, die dann als digitale Grafiken gedruckt werden können. Das Überraschende dabei ist, dass bei solchen Quatroskopien oft spezielle Muster entstehen, ähnlich einer farbigen Tapete, wenn die gespiegelten Bilder von Weitem betrachtet werden. Erst bei näherem Inspizieren erkennt man, dass es sich bei diesem Muster um Spiegelungen eines vertrauten Objektes handelt.Hans Thierstein: Quatroskopie. Sculpture Network. 23. Januar 2019, abgerufen am 13. Juni 2026.Vernissages in Kronen Galerie. Perfect Art Match. Abgerufen am 13. Juni 2026.

Später hatte Hans R. Thierstein eine weitere Idee: die Quatroskopien mit Musik zu kombinieren. Dies führte ihn zur sogenannten Audioquatroskopie.

Audioquatroskopie Audioquatroskopien sind eine Weiterentwicklung der Quatroskopien. Thiersteins Vision war es, die quatroskopischen Bewegungen mit Musik zu verknüpfen. Mit einem speziellen Computer-Programm gelang es ihm, Videos herzustellen, in denen quatroskopische Bilder beweglich werden und diese Bewegungen mit der Melodie eines klassischen Musikstücks koordiniert werden können.AUDIOQUATROSCOPY Warmer Summers since Vivaldi. YouTube. Mai 2026, abgerufen am 13. Juni 2026. Das Resultat bezeichnet er als «digitales Ballett».

Seine Audioquatroskopien werden seit 2025 als experimentelle Kurzfilme auf verschiedenen internationalen Filmfestivals präsentiert und haben dort auch Auszeichnungen erhalten.

Auszeichnungen 1998: Preis der Stiftung Dr. J. E. Brandenberger. In Anerkennung seiner "originellen mikropaläontologischen Beiträge zur Naturgeschichte, seines Einsatzes für transdisziplinäre Umweltforschung und seines Engagements für eine wissenschaftlich gestützte und ethisch verantwortete Klimapolitik".1998 Hans R. Thierstein. Stiftung Brandenberger. Abgerufen am 13. Juni 2026. 2002: Aufnahme in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina. seit 2025: Verschiedene Auszeichnungen als Künstler an internationalen Film-Festivals.

Publikationen (Auswahl) Mesozoic calcareous nannoplankton biostratigraphy of marine sediments. In: Marine Micropaleontology. Nr. 1, 1976, S. 325–362. mit K. R. Geitzenauer, B. Molfino und N. J. Shackleton: Global synchroneity of late Quaternary coccolith datum levels. Validation by oxygen isotopes. In: Geology. Nr. 5, 1976, S. 400–404. mit W. H. Berger: Injection events in ocean history. In: Nature. Nr. 276, 1978, S. 461–466. mit T. J. Bralower: Low productivity and slow deep-water circulation in mid-Cretaceous oceans. In: Geology. Nr. 12, 1984, S. 614–618. mit T. J. Bralower und S. Monechi: Calcareous nannofossil zonation of the Jurassic-Cretaceous boundary interval and correlation with the geomagnetic polarity timescale. In: Marine Micropaleontology. Nr. 14, 1989, S. 153–235. mit J. Bollmann und K.-H. Baumann: Global dominance of Gephyrocapsa coccoliths in late Pleistocene. Selective dissolution, evolution, or global environmental change? In: Paleoceanography. Nr. 13, 1998, S. 517–529. mit J. Young (Hrsg.): Coccolithophores. From molecular processes to global impact. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg/New York 2004, ISBN 978-3-540-21928-6. mit D. Schmidt, J. Bollmann und R. Schiebel: Abiotic forcing of plankton evolution in the Cenozoic. In: Science. Nr. 303, 2004, S. 207–210.

Weblinks Hans R. Thierstein an der ETH Zürich Hans R. Thierstein bei der Stiftung Brandenberger Hans Rudolf Thierstein: Paläozeanographie: Ziele und Methoden geologischer Umweltsforschung. Einführungsvorlesung. Videoportal der ETH Zürich, 30. Januar 1986. Hans Rudolf Thierstein: Ewiger Student - Schimpfwort und Traumberuf. Abschiedsvorlesung. Videoportal der ETH Zürich, 26. Mai 2009. Künstler-Webseite

Einzelnachweise

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