Streesow ist ein bewohnter Gemeindeteil im Ortsteil Reckenzin der amtsfreien Gemeinde Karstädt im Landkreis Prignitz in Brandenburg.Auflistung als Gemeindeteil von Karstädt im Kommunalverzeichnis Brandenburg; abgerufen am 14. Mai 2026
Geografische Lage Streesow liegt im Norden der Gemarkung Karstädts und grenzt seinerseits im Norden an Mecklenburg-Vorpommern. Im Westen liegt der Ortskern von Reckenzin. Südlich führt die Bahnstrecke Berlin–Hamburg am Ort vorbei. Die nördlich gelegenen Flächen werden landwirtschaftlich genutzt und über den Graben I/29 in die Ternitz entwässert, die westlich am Ort vorbeifließt und ihrerseits in die Löcknitz fließt. Das Gelände liegt auf einer Höhe von rund .Streesow, Brandenburgviewer, abgerufen am 25. Mai 2026.
Geschichte und Etymologie Etymologie Streesow wurde erstmals urkundlich im Jahr 1453 als to Streysouwe erwähnt und 1552 als Stresow bezeichnet. Der Name ist slawischen Ursprungs und bedeutet „Siedlung eines Mannes namens Stresch“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 165, ISBN 3-937233-17-2..
Besitzgeschichte Die Besitzgeschichte von Streesow ist durch mehrere Linien der Familie von Winterfeld geprägt. Vor 1453 bis 1771 befand sich der Ort im Besitz der von Winterfeld zu Streesow, teils auch der Linie zu Dallmin sowie in Verbindung mit Hünerland (Mecklenburg). Die von Winterfeld zu Streesow verfügten über den Rittersitz sowie über fünf Bauern, einen Kossäten und drei Kötter, während zwei Vertreter der Familie von Winterfeld zu Dallmin über drei Bauern sowie die gemeinsam genutzte Wassermühle verfügten. Bereits 1515 ist der Besitz der Mühle belegt, 1618 werden zusätzlich drei Hufner, ein Kossät und ein Müller genannt; 1745 bestand weiterhin gemeinsamer Besitz an der Mühle. Nach 1771 wurden beide Güter veräußert. Ein Teil ging 1771 bis 1781 in den Besitz der Witwe von Itzenplitz, geborene von Möllendorf, über, die das Rittergut sowie drei Vollhufner, zwei Dreiviertelhufner, einen Kossäten und einen Kötter in Streesow innehatte. Von 1781 bis nach 1828 befand sich dieser Besitz bei der Familie von Podewils beziehungsweise bei der geschiedenen Frau von Winterfeld, geborene von Podewils; anschließend gelangte er wieder an die von Winterfeld (nachweisbar 1850 und 1856) und wurde 1877 an von Lücker zu Streesow übergeben. Ein weiterer Anteil verblieb bis 1799 bei der Linie von Winterfeld zu Dallmin und ging 1799 bis 1872 an die Familie von Jagow zu Dallmin über, die über drei Bauern und die Mühle verfügte.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 863
15. und 16. Jahrhundert 1453 wird Streesow als Dorf mit Wohnsitz der Familie von Winterfeld erwähnt; Claus von Winterfeld wurde in diesem Zusammenhang gemeinsam mit anderen aus der Prignitz vom Vogt zu Lübeck als Friedensbrecher angeklagt. 1515 bestand das Dorf mit einer Mühle. 1547 ist ein Krug belegt. 1576 umfasste der Ort acht Einhufner und fünf Kossäten. Kirchlich war Streesow seit 1542 eingepfarrt; das Kirchenpatronat lag bei der Familie von Winterfeld, der Pfarrer erhielt vier Scheffel Messkorn.
17. Jahrhundert 1608 wird ein Rittersitz der Familie von Winterfeld genannt. Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Kriegs bestand 1652 nur noch ein Hufner mit einer Person. 1686 wird ein Rittersitz mit einer Ritterhufe beschrieben; ein Dorfschulzenacker sowie Priester- und Kirchenland fehlten. Vorhanden waren sechs Hufnerstellen (davon fünf wüst), zwei Halbhufner (wüst), ein Kossät mit Hufe, drei wüste Kötterstellen, eine Wassermühle in etwa einer Viertelmeile Entfernung (zu Dallmin gehörig), ein Kuhhirte sowie eine wüste Vogtstelle ohne Acker. Die 7 Hufen ergaben eine Aussaat von 6 Wispel 20 Scheffel. Sechs wüste Höfe ließ die Gutsherrschaft durch einen Verwalter bewirtschaften, einer war verpachtet. Fischerei fehlte, Brennholz war knapp, Mast kaum vorhanden; ein Bauer verfügte über Wiesen zu acht Fuder Heu. Die Hütung und Viehzucht waren gut. Der Hufschlag lag in drei Feldern, darunter neunjähriges Land; der Acker war mittelmäßig und brachte etwas mehr als das vierte Korn, eingestuft in die zweite Klasse.
18. Jahrhundert 1719 bestand Streesow aus fünf Hufnern, zwei Kossäten, einem Kötter, zwei Paar Einliegern sowie einem Kostknecht und einem Kuhhirten ohne Vieh bei 7 Hufen mit Abgaben von neun Groschen. 1734 lebten fünf Bauern, zwei Kossäten, sieben Häusler sowie ein Müller, ein Schäfer und ein Hirte im Ort; die Aussaat betrug 6 Wispel und 20 Scheffel. 1745 bestand Streesow aus Dorf und einem Rittersitz mit acht Bauern, einem Kossäten, drei Köttern und einer Wassermühle. 1760 werden fünf Hufner, zwei Kossäten, zwei Kötter, ein Kostknecht und ein Kuhhirte genannt. 1791 bestand das Dorf mit Vorwerk aus fünf Bauern, zwei Halbbauern, drei Büdnern, zwei Hauswirten, einem Gutsbesitzer und einem Müller bei 20 Feuerstellen.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 864
19. Jahrhundert 1801 zählte Streesow fünf Ganzbauern, zwei Halbbauern, einen Büdner, fünf Einlieger, einen Zimmermann und eine Mühle bei 20 Feuerstellen und 7 1/2 Hufen. 1819 werden fünf Hufner, zwei Kossäten, zwei Kötter, ein Dorfschäfer, ein Kuhhirte, ein Kostknecht auf der Mühle sowie zwei Einliegerpaare genannt. 1828 wurde das Rittergut landtagsfähig. 1846 bestanden Dorf und Rittergut mit 24 Wohnhäusern. 1852 lagen Dorf und Gut in einer Niederung an der Löcknitz; der Boden war sandig und kaltgründig mit Mergel. Es wurde Koppelsystem mit Getreideanbau betrieben, bei zweischürigen Wiesen und periodischer Hütung. Die Viehzucht umfasste Rinder, teils veredelte Schafe, Schweine und Pferde für den Hausstand sowie Geflügel; Bienenzucht und Fischerei fehlten. Die Bevölkerung lebte vorwiegend von der Landwirtschaft. 1860 bestanden im Dorf ein öffentlicher Bau, 29 Wohn- und 18 Wirtschaftsgebäude (darunter eine Getreidemühle) sowie zusätzlich ein Bahnwärterhaus als Abbau; im Gutsteil drei Wohn- und acht Wirtschaftsgebäude. Die Flächengröße betrug 1860 im Dorf 1423 Morgen und im Gut 746 Morgen.
20. Jahrhundert 1900 bestanden im Dorf 25 Häuser und im Gut vier Häuser bei Flächen von 347 ha beziehungsweise 261 ha. 1907 werden mehrere landwirtschaftliche Betriebe unterschiedlicher Größe sowie Handwerker, ein Müllermeister, ein pensionierter Weichensteller und Bahnwärter genannt; im Gutsteil bestanden ein Förster und ein Gastwirt. 1928 wurde der Gutsbezirk mit der Gemeinde vereinigt; 1931 bestand die Gemeinde mit 23 Wohnhäusern und einer Fläche von 608 ha. 1939 wurden land- und forstwirtschaftliche Betriebe verschiedener Größen sowie Beschäftigte in Industrie, Handwerk, Handel und Verkehr erfasst.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1946 insgesamt 25,92 ha enteignet und auf Neubauern, Altbauern und die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe verteilt. 1958 wurde die erste LPG Tarnitztal vom Typ I mit sechs Mitgliedern und 66,42 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche gegründet; 1960 bestand eine LPG Typ I mit 38 Mitgliedern und 335,81 ha, die 1972 in Typ III überführt wurde. 1974 erfolgte der Anschluss an die LPG Friedenswacht in Reckenzin. Kirchlich gehört der Ort seit 1995 zu Reckenzin. Verwaltungsmäßig wurde Streesow 1973 nach Reckenzin eingegliedert und ist seit 1985 beziehungsweise 1995 Ortsteil davon.
Bevölkerungsentwicklung Einwohnerentwicklung in Streesow von 1734 bis 1991 Jahr 1734 1772 1791 1801 1817 1837 1858 1871 1895 1925 1939 1946 1964 1971 1991 Einwohner 76 81 93 129 92 144 Dorf 166 und Gut 15 124 und 59 128 und 18 117 104 204 137 100 70
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Steinbogenbrücke der Eisenbahn Berlin–Hamburg Die Löwenkopfbrücke steht bereits seit 1982 unter Denkmalschutz. Beim Streckenausbau 1993/1994 wurde die Brücke Stein für Stein abgetragen und wieder neu aufgebaut.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Karstädt (Prignitz) Kategorie:Ort im Landkreis Prignitz Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Prignitz) Kategorie:Gemeindeauflösung 1973 Kategorie:Ersterwähnung 1453