mini|George Bligh Bank auf dem Rockall-Plateau. Die George Bligh Bank (auch George-Bligh-Bank) ist ein untermeerischer Tiefseeberg () vulkanischen Ursprungs im nördlichen Rockallgraben (Rockall Trough), rund 250 km westlich der Äußeren Hebriden im nordöstlichen Atlantik. Sie liegt am nordöstlichen Rand des Rockall-Plateaus, zwischen der Hatton Bank im Südwesten und der Rosemary Bank im Nordosten, und befindet sich innerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszone des Vereinigten Königreichs. Die Bank ist eine annähernd kreisförmige Erhebung von rund 75 km Durchmesser, deren Gipfel bei etwa 450 m Wassertiefe liegt und die sich aus über 1000 m Umgebungstiefe erhebt. An ihrer Basis umgibt ein Konturitgraben (moat) die Bank, der im Süden Tiefen von über 1650 m erreicht.Bhavani E. Narayanaswamy, David J. Hughes, Kerry L. Howell, Jaime Davies, Colin Jacobs (2013): First observations of megafaunal communities inhabiting George Bligh Bank, Northeast Atlantic. In: Deep-Sea Research I. Band 79 (2013), S. 83–92. DOI:10.1016/j.dsr.2013.05.004.K. L. Howell, M. L. Taylor, K. Crombie, S. Faithfull, N. Golding, W. A. Nimmo-Smith, J. Perrett, N. Piechaud, R. E. Ross, N. Stashchuk, D. Turner, V. Vlasenko, N. Foster (2016): RRS James Cook, Cruise No. JC136, 14th May – 23rd June, DEEPLINKS: Influence of population connectivity on depth-dependent diversity of deep-sea marine benthic biota. Cruise Report, University of Plymouth, 2016. PDF.

Geologie

Die George Bligh Bank gehört zu einer Reihe vulkanischer Seamounts im nördlichen Rockallgraben, die im Zusammenhang mit der Wanderung des Island-Hotspots in der späten Kreide und im frühen Paläogen entstanden sind. Zusammen mit der Rosemary Bank, dem Anton Dohrn Seamount und dem Hebrides Terrace Seamount bildet sie eine nordost-südwest-gerichtete Kette vulkanischer Strukturen, die als submarine Vulkankomplexe (englisch submarine volcanic complexes) klassifiziert werden.M. S. Stoker, K. Hitchen (2003): The Rockall-Porcupine Margin. In: Jürgen Mienert, Philip Weaver (Hrsg.): European Margin Sediment Dynamics. Springer, New York, 2003, S. 161–172. ISBN 978-3-540-42393-5.Declan Morrissey, Aaron Lim, Kerry L. Howell, Martin White, Andrew J. Wheelers, A. Louise Allcock: The North-east Atlantic Margin: A Review of the Geology, Geography, Oceanography, and Vulnerable Megabenthic Ecosystems of the Continental Slope of Ireland and the United Kingdom. In: Oceanography and Marine Biology: An Annual Review, Band 61 (2023), S. 219–292. DOI:10.1201/9781003363873-6. Im Gegensatz zur Rockall Bank und zur Hatton Bank, die aus gedünnter kontinentaler Kruste bestehen, ist die George Bligh Bank ein magmatischer Aufbau auf ozeanischer oder stark gedünnter Kruste des Rockallgrabens.

Die oberen Flanken und der Gipfel der Bank sind weitgehend sedimentfrei – ein Hinweis auf die starke strömungsbedingte Sedimentabfuhr (current winnowing) über dem Bankscheitel. An den unteren Flanken und am Fuß der Bank haben sich Konturitablagerungen angesammelt, die von den tiefen Bodenströmungen im Rockallgraben geformt werden.

Ozeanographie

Die George Bligh Bank liegt im Einflussbereich des Nordatlantikstroms (NAC), dessen Äste warmes, salzreiches Wasser durch den nördlichen Rockallgraben nordwärts transportieren. Als markante topographische Erhebung beeinflusst die Bank die lokale Strömungsdynamik: Die Umströmung der Bank beschleunigt die Bodenströmungen an den Flanken und schafft Bedingungen für die Resuspension von Sediment und den verstärkten Transport von partikulärem organischem Material zu den benthischen Gemeinschaften. Die Interaktion der Bank mit internen Wellen und der überlagerten Strömung könnte – analog zu anderen Seamounts in der Region – zur Entstehung eines Taylor-Säulen-Systems führen, das Nährstoffe und Plankton über dem Gipfel konzentriert,Martin White, Igor Bashmachnikov, Javier Arístegui, Ana Martins (2008): Physical processes and seamount productivity. In: Tony J. Pitcher, Telmo Morato, Paul J. B. Hart, Malcolm R. Clark, Nigel Haggan, Ricardo S. Santos (Hrsg.): Seamounts: Ecology, Fisheries and Conservation. Blackwell, Hoboken, New Jersey, 2008, S. 62–84. DOI:10.1002/9780470691953.ch4. obwohl dies für die George Bligh Bank bislang nicht direkt beobachtet wurde.

Im Tiefenbereich der permanenten Thermokline (600–1000 m) – dort, wo die benthischen Strömungsgeschwindigkeiten am höchsten und die Kaltwasserkorallen-Mounds am konzentriertesten sind – wirken verstärkte barokline Gezeiten und interne Wellen auf die Bankflanken ein und tragen zur Nahrungsversorgung der suspensionsfressenden Benthosfauna bei.

Ökologie

Die ersten systematischen Untersuchungen der Megafauna auf der George Bligh Bank erfolgten 2005 im Rahmen des britischen Strategic Environmental Assessment (SEA7)-Programms. Narayanaswamy et al. (2013) dokumentierten auf sieben photographischen und Video-Transekten in Tiefen von 425 bis 1338 m diverse Gemeinschaften sessiler, suspensionsfressender Organismen:

Auf den Hartsubstraten des Gipfels und der oberen Flanken fanden sich Gemeinschaften von Schwämmen, Hydroiden und Bryozoen, die denen anderer Hartsubstrat-Standorte im tiefen Nordostatlantik ähneln. Lokalisierte Kaltwasserkorallen-Dickichte aus Desmophyllum pertusum (früher Lophelia pertusa) wurden in mehreren Transekten nachgewiesen, und Howell et al. (2016) berichteten von einem großen Korallenmound mit ausgedehntem lebendem Korallenbesatz bei rund 800 m Wassertiefe.

Auf tieferen Flanken (>1000 m) wurden Schwarze Korallen (), darunter Leiopathes sp., sowie Bambuskorallen (Lepidisis sp.) und andere Oktokorallen auf Fels- und Schuttsubstraten beobachtet – Gemeinschaften, die auf eine Einstufung als Korallengärten () im Sinne der OSPAR-VME-Klassifikation hinweisen.Bhavani E. Narayanaswamy, K. Howell, D. J. Hughes, J. S. Davies, J. M. Roberts, K. D. Black (2006): Strategic Environmental Assessment Area 7 Photographic Analysis Report. Department of Trade and Industry, Strategic Environmental Assessment Report, 2006. PDF.

Ein Solenosmilia variabilis-Riff wurde auf der George Bligh Bank in Tiefen von 1096–1200 m dokumentiert und stellt damit eines der wenigen bestätigten Vorkommen dieser tieflebenden riffbildenden Art im nordöstlichen Atlantik dar.

Die Artenzusammensetzung der George Bligh Bank ähnelt insgesamt derjenigen anderer Seamounts und Bänke im Rockallgraben – insbesondere dem Anton-Dohrn-Seamount und der Rockall Bank –, unterscheidet sich aber in der relativen Abundanz einzelner Taxa, was auf Unterschiede in der lokalen Hydrodynamik, Substratbeschaffenheit und Tiefenverteilung zurückgeführt wird.

Schutz

Die George Bligh Bank liegt innerhalb des West of Scotland Deep-Sea Marine Reserve (MPA), das von der britischen Regierung zum Schutz von Kaltwasserkorallenriffen, Tiefseeschwamm-Aggregationen und anderen VME-Habitaten eingerichtet wurde. Die JNCC (Joint Nature Conservation Committee) stuft die Bank als Gebiet mit hoher Habitateignung für Kaltwasserkorallenriffe ein, basierend auf Modellierungen, die eine starke Korrelation zwischen Hangsteilheit und Korallenvorkommen zeigen.Lauren K. Ross, Rebecca E. Ross, Heather A. Stewart, Kerry L. Howell (2015): The influence of data resolution on predicted distribution and estimates of extent of current protection of three 'listed' deep-sea habitats. In: PLOS ONE. Band 10 (2015), e0140061. DOI:10.1371/journal.pone.0140061. Die Northeast Atlantic Fisheries Commission hat darüber hinaus Fischereischließungen in Teilen des Rockallgrabens erlassen, die auch die Umgebung der George Bligh Bank einschließen.

Einzelnachweise

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