Gerhard Alois Turetschek (* 18. August 1943 in Wien; † 31. Oktober 2025 ebenda) war ein österreichischer Oboist und ehemaliges aktives Mitglied des Wiener Staatsopernorchesters und der Wiener Philharmoniker. Er war auch als Hochschullehrer tätig und als solcher 28 Jahre lang am Institut Oberschützen der Kunstuniversität Graz angestellt.Traueranzeige auf der offiziellen Webpräsenz der Kleinen Zeitung, abgerufen am 11. Juni 2026

Leben Gerhard Turetschek wurde am 18. August 1943 als Sohn von Alois Turetschek (* 19. Juni 1920; † Juni 1994)Alois Turetscheks Grab auf der offiziellen Webpräsenz der Friedhöfe Wien, abgerufen am 11. Juni 2026 und dessen Ehefrau Stefanie Hermine Juliana (* 24. Dezember 1921; † 13. September 2007)Stefanie Hermine Juliana Turetscheks Grab auf der offiziellen Webpräsenz der Friedhöfe Wien, abgerufen am 11. Juni 2026 in Wien geboren und gehörte bis zu seinem 14. Lebensjahr den Wiener Sängerknaben an. Weiters studierte er an der damaligen Wiener Musikakademie im Hauptfach Oboe bei Hans Hadamowsky sowie Schlagzeug und Musiktheorie. Bereits in jungen Jahren erhielt er in den Kurorchestern Bad Gleichenberg (1959) und Bad Gastein (1960) erste saisonale Orchesterengagements und traf hier auf internationale Solisten, debütierte jedoch auch selbst mit Bachs Doppelkonzert (nach BWV 1060) und Mozarts Oboenkonzert KV 314 als Solist. Sein Debüt bei den Wiener Philharmonikern gab er am 20. August 1961 als Substitut bei einer Aufführung von Bachs h-Moll-Messe unter der Leitung von Herbert von Karajan im Rahmen der Salzburger Festspiele.

In den Jahren 1961 und 1962 gehörte er dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich an und war zudem 1962/63 kurzzeitiges Mitglied im Bühnenorchester der Wiener Staatsoper. Am 1. Februar 1963 erfolgte Turetscheks Aufnahme als 2. Oboist in das Wiener Staatsopernorchester, ehe er vier Jahre später auf die Position des 1. Oboisten wechselte, die er schließlich bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1998 bekleidete. Grund für die Pensionierung war unter anderem ein schleichendes Ohrenleiden, aufgrund dessen er sich zwei Operationen unterziehen musste.Gerhard Turetschek zum 60er In: Journal der Gesellschaft der Freunde der Wiener Oboe, 19. Ausgabe, Oktober 2003, S. 10–12 Obwohl sein Hörvermögen dadurch wiederhergestellt werden konnte, führte der beim Oboenspiel entstehende Blasdruck dazu, dass er zwei unterschiedliche Stimmungen wahrnahm. Eine weitere Tätigkeit als Oboist war ihm dadurch nicht mehr möglich. Seine Nachfolge als 1. Oboist trat im September 1998 der damals 28-jährige Clemens Horak an.Clemens Horak In: Journal der Gesellschaft der Freunde der Wiener Oboe, 1. Ausgabe, März 1999, S. 3

Im Jahr 1970 folgte Turetscheks Aufnahme in den Verein Wiener Philharmoniker und 1977 in die Wiener Hofmusikkapelle. Zu seinen kammermusikalischen Aktivitäten zählten wiederholte Aufführungen von Mozarts Sinfonia concertante für vier Bläser Es-Dur KV 297b mit Orchesterkollegen in den Jahren 1969, 1981, 1984 und 1987. Sein musikalisches Schaffen fand in zahlreichen Tonaufnahmen Niederschlag. So unter anderem Einspielungen von Mozarts Oboenkonzert KV 314 unter Karl Böhm sowie von Haydns Sinfonia concertante (Sinfonie Nr. 105) unter Ádám Fischer. Die Einspielung des Mozart-Oboenkonzerts im Wiener Musikverein 1974 wurde damals mit dem Schallplattenpreis „Wiener Flötenuhr“ ausgezeichnet. Darüber hinaus ist er mit seiner Musik auf zahlreichen Schallplatten und in späteren Jahren auch auf CDs vertreten. Neben seiner Tätigkeit im Orchester war er Mitglied der Wiener Bläsersolisten, der Bläservereinigung der Wiener Philharmoniker, des Wiener Kammerensembles sowie des Neuen Wiener Oktetts. Darüber hinaus widmete er sich als Solist und Ensemblemusiker der zeitgenössischen Musik und wirkte unter anderem beim Ensemble Kontrapunkte, bei der Musikzeitschrift die Reihe und im Ensemble XX. Jahrhundert mit.

Turetschek betonte wiederholt, wie sehr er von seinem philharmonischen Oboistenkollegen Karl Mayrhofer (1927–1976) profitiert und gelernt habe.Prof. Gerhard Turetschek In: Journal der Gesellschaft der Freunde der Wiener Oboe, 15. Ausgabe, Oktober 2002, S. 11 Besonders beeindruckten ihn dessen „freies Musizieren“ sowie die „große, natürliche Musikalität“, die Turetschek ebenfalls in sein eigenes Musizieren übernahm. Von Musikerkollegen wurde Turetschek als Spiritus rector der Holzbläsergruppe beschrieben. Von Karajan holte ihn im Laufe der Jahre wiederholt als Aushilfe zu den Berliner Philharmonikern.

Seine Lehrtätigkeit begann er kurz vor Vollendung seines 40. Lebensjahres, als er 1982/83 am damaligen Konservatorium der Stadt Wien zu lehren begann. An der Expositur Oberschützen der Kunstuniversität Graz übernahm er im Wintersemester 1983 als Nachfolger von Gottfried BoisitsAnmerkungen zur Geschichte der Oboe- und Fagottausbildung in Oberschützen anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Expositur und Institut Oberschützen der Kunstuniversität Graz 1965–2015“ In: Wiener Oboen-Journal. Gesellschaft der Freunde der Wiener Oboe, 66. Ausgabe, Juni 2015, S. 4 einen Lehrauftrag für Oboe und Bläserkammermusik, der in den Folgejahren auch die Leitung der Bläserproben des Hochschul- bzw. Universitätsorchesters wesentlich mit einschloss. Am 1. Dezember 1986 erfolgte seine Berufung zum ordentlichen Hochschulprofessor (später Universitätsprofessor), ehe er mit 30. September 2011 emeritiert wurde. Im Laufe der Jahrzehnte schafften zahlreiche seiner Schüler den Weg in verschiedene österreichische Orchester sowie den Sprung ins Ausland oder traten selbst den pädagogischen Werdegang an. Seine Nachfolgerin in Oberschützen wurde Barbara Ritter.Barbara Ritter erhielt Professur in Oberschützen In: Wiener Oboen-Journal. Gesellschaft der Freunde der Wiener Oboe, 51. Ausgabe, Oktober 2011, S. 5

Zeitlebens engagierte sich Turetschek für die Wiener Oboe und kam schon früh zu der Überzeugung, dass es im Instrumentenbau neue Anstöße braucht, um ihre Weiterentwicklung voranzubringen und ihren Bestand langfristig zu sichern. Auf seine Initiative hin begann der japanische Hersteller Yamaha in den 1980er-Jahren mit dem Bau von Wiener Oboen, wodurch sich der gebürtige Wiener nachhaltige Verdienste um die spezifisch Wienerische Musikkultur erwarb.Die Wiener Oboe auf wieneroboe.at, abgerufen am 11. Juni 2026Die Zukunft der Yamaha-Oboe In: Wiener Oboen-Journal. Gesellschaft der Freunde der Wiener Oboe, 84. Ausgabe, Dezember 2019, S. 4–6 Vom damaligen österreichischen Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger wurde ihm deshalb für seine Verdienste mit 23. September 1982 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen.

Seit seiner Emeritierung lebte Gerhard Turetschek zurückgezogen. Von langjährigen Weggefährten wurde er als „Genussmensch und Kulinariker“ beschrieben, „dessen wienerischer Schmäh und Geselligkeit als prägend galten“. Klaus Aringer, ehemaliger und langjähriger Vorstand des Instituts Oberschützen, meinte über Turetschek: „Im musikalischen Kontext galt er als Persönlichkeit mit ausgeprägtem, unbestechlichem Urteil sowie als leidenschaftlicher und detailgenauer Musiker, der Proben und Musizieren mit großer Sensibilität und Konsequenz prägte“.

Am 31. Oktober 2025 starb Turetschek 82-jährig in seiner Geburts- und Heimatstadt und wurde am 21. November 2025 im elterlichen Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 87A, Reihe 52, Nummer 27) beerdigt.Gerhard Turetscheks Grab auf der offiziellen Webpräsenz der Friedhöfe Wien, abgerufen am 11. Juni 2026

Auszeichnungen (Auswahl) Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (Verleihung: 23. September 1982)

Weblinks und Quellen Gerhard Turetschek auf der offiziellen Webpräsenz der Wiener Philharmoniker Gerhard Turetschek in der Musikdatenbank des Music Information Center Austria Die KUG trauert um em. O. Univ. Prof. Gerhard Turetschek (1943–2025) auf der offiziellen Webpräsenz der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz

Einzelnachweise

Kategorie:Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst Kategorie:Oboist Kategorie:Mitglied des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich Kategorie:Mitglied der Wiener Philharmoniker Kategorie:Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper Kategorie:Absolvent der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Kategorie:Hochschullehrer (Universität für Musik und darstellende Kunst Graz) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1943 Kategorie:Gestorben 2025 Kategorie:Mann