mini|Claude Lévêque Claude Lévêque (* 27. Februar 1953 in Nevers) ist ein französischer Installationskünstler. Er lebt und arbeitet in Montreuil-sous-Bois.
Künstlerischer Ansatz Seit 1978 entwickelt Lévêque raumgreifende Installationen und ortsspezifische Interventionen, die sowohl Außen- als auch Innenräume in ihrer Wahrnehmung verändern. Im Mittelpunkt seines Schaffens steht die Verbindung zwischen räumlichen Situationen und subjektiven Empfindungen. Die wesentlichen gestalterischen Mittel sind Licht, Klang und Bildinszenierungen.
Licht tritt in seinem Werk in verschiedenen Funktionen auf: als Schriftzug, als Träger von Stimmungen und Erinnerungen oder als Element komplexer, multimedial angelegter Interventionen. Lévêque benennt als künstlerische Bezugspunkte den Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy, die Readymades Marcel Duchamps sowie die Pop Art. Seine Texte, die lyrische, philosophische und persönliche Aspekte verbinden, sieht er in der Tradition des Dadaismus.
Claude Lévêque thematisiert in vielen Arbeiten autobiographische Aspekte, häufig unter Verwendung von Fotografie. Musikstücke unterschiedlicher Stilrichtungen begleiten zahlreiche seiner Installationen. In Teilen seines Œuvres setzt er sich mit belasteten historischen Situationen auseinander und kontrastiert diese mit Objekten der profanen Alltagskultur.
Werk
Arbeitsweise und thematische Schwerpunkte mini|Claude Lévêques Installation an der Louvre-Pyramide von Ieoh Ming Pei Ein charakteristisches Merkmal von Lévêques Praxis ist die irritierende Kombination unterschiedlicher Objekte und die bewusste Einbeziehung des Betrachters als handelnden Akteur und subjektiven Rezipienten. Die Installationen operieren gleichzeitig auf sinnlichen, emotionalen und historisch-gesellschaftlichen Ebenen. Verschiedene Wahrnehmungskanäle – Licht, Bild, Geruch – werden miteinander verknüpft, um persönliche Erinnerungen, objektive Anspielungen und soziokulturelle Kontexte zu verbinden.
Ein wesentlicher Teil seiner Arbeiten entsteht außerhalb der Metropolen, in der französischen Provinz oder in Industrieregionen. Der Künstler versteht die Anreise zu den Werken und die Wahrnehmung des jeweiligen Ortes bewusst als Teil der Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk.
Ausgewählte Installationen
1992 zeigte Lévêque den exakt nachgebildeten Schriftzug Arbeit macht frei des Konzentrationslagers Auschwitz in Verbindung mit der beleuchteten Figur einer Mickey Mouse. Albatros (2003) besteht aus mehreren Räumen. In einem verdunkelten Raum wird pulsierendes schwarzes und weißes Licht projiziert. Ein weiterer Raum ist mit Aluminiumbassins ausgestattet und mit dem Geruch von Absinth parfümiert; die Wände sind mit Tapeten bedeckt, die Motive von Wurstfleisch zeigen. Im Zentrum des Raums stehen drei UV-Lampen, von denen jede von vier Stühlen umgeben ist. 1000 Plateaux (2005) ist eine Intervention auf der Île de Vassivière. Die Fenster des dortigen Gebäudes wurden mit roter Folie verkleidet, wodurch die Außenstimmung einschneidend verändert wird. Die Haupthalle erhielt eine Strohauslage. Aus dem Innern eines Turms dringt das Geräusch eines rotierenden Blechdeckels, der der Form der Wendeltreppe nachempfunden ist.
La maison des mensonges (2006) ist eine Arbeit im Musée d’Art Contemporain in Marseille.
mini|Louvre médiéval, Paris 6. März 2015
Sous le plus grand chapiteau du monde ist ein zweiteiliges, ortsspezifisches Ausstellungsprojekt des französischen Künstlers Claude Lévêque, das 2015 im Musée du Louvre in Paris präsentiert wurde. Die Installation entstand im Rahmen der Reihe zeitgenössischer künstlerischer Interventionen im Louvre und erstreckte sich über verschiedene Bereiche des Museums. Der erste Teil der Arbeit wurde im Bereich der Glaspyramide des Louvre umgesetzt. Dort installierte Lévêque einen roten, blitzförmigen Lichtkörper, der sich von den unterirdischen Bereichen des Museums bis zur Glaspyramide erstreckte. Die Arbeit bezog sich auf die moderne Architektur der von Ieoh Ming Pei entworfenen Pyramide und verband die oberirdischen mit den unterirdischen Museumsebenen. Der zweite Teil der Installation wurde in den mittelalterlichen Fundamenten des ehemaligen Louvre-Schlosses eingerichtet. Für diese Präsentation veränderte Lévêque die Licht- und Klangsituation der Ausstellungsräume grundlegend. Ein langes Neonlicht folgte dem Verlauf der mittelalterlichen Mauern und hob deren unregelmäßige Struktur hervor. Begleitet wurde die Installation von einer fortlaufenden Gitarrenklangspur. Zur Ausstattung gehörten unter anderem weiße Stoffbahnen sowie Kunststoffstühle, die gruppiert und aufgestapelt im Raum platziert wurden. Durch die veränderte Beleuchtung entstanden Schattenbilder auf den Stoffflächen. Die Installation nutzte zudem die räumlichen Gegebenheiten der ehemaligen Burganlage, darunter die historischen Mauern und die unterirdischen Ausstellungsbereiche. Das Projekt entstand in enger Auseinandersetzung mit der Architektur und Geschichte des Louvre. Während sich der erste Teil auf die moderne Museumsarchitektur bezog, konzentrierte sich der zweite Teil auf die ältesten erhaltenen Baustrukturen des Gebäudes. Die Arbeit verband verschiedene Medien wie Licht, Klang, Objekte und räumliche Inszenierung. Den Abschluss des Rundgangs bildete eine im Bereich der mittelalterlichen Sammlungen aufgestellte Sphinx, die von einem Neonrohr umgeben war. Dieses Objekt markierte den Endpunkt des durch die Installation vorgegebenen Weges durch die Ausstellungsräume. Die Installation wurde 2015 im Louvre gezeigt und gehört zu den umfangreichsten temporären Projekten Claude Lévêques in einem Museum. Sie ist charakteristisch für Lévêques künstlerische Praxis, die häufig Neonlicht, Klang, Alltagsgegenstände und ortsbezogene Eingriffe in bestehende Architekturen miteinander verbindet.
Literatur
Claude Lévêque: Le Grand Soir. Flammarion / CulturesFrance / Centre national des arts plastiques, Paris 2009. Catherine Penwarden, Éric Troncy: Claude Lévêque. Cercle d'Art, Paris 2001. Daniel Kurjaković (Hrsg.), Georges Adéagbo, Claude Lévêque: Ein Raum ist eine Welt. Kunsthaus Zürich, Zürich 2001. Claude Lévêque. Actes Sud, Arles 1998. Claude Lévêque. Mamco, Genf 2001. Claude Lévêque: Welcome to Suicide Park. JRP|Ringier, Zürich 2008. Claude Lévêque: Le Grand Soir (DVD). Les Presses du réel, Dijon 2009. Claude Lévêque. Art Book Magazine (digitale Monographie), Paris 2014. Florence Ostende, David Sanson, Dean Daderko: Claude Lévêque. Mennour / Les Presses du réel, Dijon 2018. Umfangreiche Referenzmonographie (520 S.). Claude Lévêque: Vies de singes. Kamel Mennour, Paris 2015. Claude Lévêque: Aube bleue. Kamel Mennour, Paris 2018. Claude Lévêque: Basse Tension. Kamel Mennour, Paris 2011. Claude Lévêque: Sous le plus grand chapiteau du monde. Musée du Louvre / Gallimard, Paris 2015. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 8: Koort – Maekava. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.
Weblinks
Claude Lévêque Au Louvre, Sous Le Plus Grand Chapiteau Du Monde Claude Lévêque, Hymne, 2006
Einzelnachweise
Kategorie:Installationskünstler (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1953 Kategorie:Mann