Benvenuto Hauptmann (* 1. Juni 1900 in Giersdorf-Hain; † 1. April 1965 in Locarno) war ein deutscher literarischer Übersetzer. Er war ein Sohn Gerhart Hauptmanns und verwaltete dessen literarischen Nachlass.

Leben Benvenuto Hauptmann wurde als vierter Sohn des Dramatikers und Schriftstellers Gerhart Hauptmann und als einziger Sohn aus dessen zweiter Ehe mit Margarete Marschalk geboren. Er wurde in Agnetendorf durch Hauslehrer erzogen und besuchte dann die Ritterakademie in Liegnitz, die er im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs mit dem Notabitur verließ. Anschließend studierte er Staats- und Wirtschaftswissenschaften an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. 1924 wurde er in Heidelberg mit der Dissertation Internationale Verschiebungen in der Ölfrage seit Beendigung des Weltkrieges zum Dr. rer. pol. promoviert.

Daraufhin trat Hauptmann vorübergehend in den Auswärtigen Dienst ein. Während des Zweiten Weltkriegs war er als Dramaturg unter Heinz Hilpert am Theater in der Josefstadt in Wien tätig und entging der Einberufung zur Wehrmacht. Nach Kriegsende lebte er mit seiner Familie zunächst in Oberhaselbach, einem Ortsteil der Gemeinde Tiefenbach (bei Passau), wo Margarete Heumader für die Familie tätig war. 1951 zog er nach München und 1959 nach Ronco sopra Ascona im Tessin.

Außerdem fungierte Hauptmann als Übersetzer der Werke von Joseph Conrad und Rudyard Kipling (unter anderem Das Dschungelbuch) aus dem Englischen.

Benvenuto Hauptmann war in erster Ehe mit der Engländerin Phyllis Shanks geb. Mason verheiratet. In zweiter Ehe, die 1928 nur wenige Monate andauerte, war er mit Elisabeth zu Schaumburg-Lippe (1908–1933) verheiratet, einer Tochter von Georg zu Schaumburg-Lippe und dessen Frau Marie Anna. Aus seiner dritten Ehe mit Anneliese Schrack, die während des Zweiten Weltkriegs geschieden wurde, entstammte der Physiker Arne Hauptmann (1932–1992). Ab 1942 war er in vierter Ehe mit Barbara Kemp verheiratet, einer Tochter der Opernsängerin Barbara Kemp und des Arztes Johannes Miekley. Aus dieser Verbindung stammte die Tochter Anja Hauptmann (1941–2025).

Benvenuto Hauptmann starb am 1. April 1965 im Alter von 64 Jahren in einer Klinik in Locarno.

Nachlassverwaltung Gerhart Hauptmanns Nach dem Tod Gerhart Hauptmanns im Juni 1946 wurde dessen Frau Margarete, Benvenutos Mutter, Alleinerbin. Sie autorisierte ihren Sohn, sich um den Nachlass seines Vaters zu kümmern. Entgegen den testamentarischen Bestimmungen Gerhart Hauptmanns konnte sein Nachlass infolge des Zweiten Weltkriegs nicht im heimischen Agnetendorf bleiben, da dieses nun unter polnischer Verwaltung stand. Die in sieben Kisten verwahrten Unterlagen waren bereits unmittelbar vor dem Einmarsch der Roten Armee auf Geheiß von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels und dessen Ministerialdirigent Wilfrid Bade noch zu Lebzeiten Gerhart Hauptmanns in das Schloss Kaibitz in der Oberpfalz, wo der Schriftsteller Erich Ebermayer lebte, verlagert worden. Anschließend kam es zwischen Benvenuto Hauptmann und Carl F. W. Behl, dem Verleger seines Vaters, zu einer Auseinandersetzung über den Verbleib des Nachlasses. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob Behl, der sich auf eine Vollmacht Gerhart Hauptmanns und einen Auftrag des Verlegers Peter Suhrkamp berief, oder Benvenuto Hauptmann über die Unterlagen verfügen dürfe. Benvenuto Hauptmann erwirkte schließlich bei der US-Militärregierung in Regensburg die Beschlagnahmung der Unterlagen. Die Kisten ließ er zunächst in die Villa von Richard Strauss in Garmisch-Partenkirchen bringen. Ab 1949 bewahrte er sie an einem unbekannten Ort in der Schweiz und ab 1959 in seinem eigenen Haus in Ronco sopra Ascona im Tessin auf.

Jahrelang verweigerte Benvenuto Hauptmann jede Auswertung des Archivs oder die Öffnung des Nachlasses generell. Dies wurde unter anderem von den Schriftstellern und Publizisten Gerhart Pohl, Hans von Hülsen, Felix A. Voigt, Adolf Frisé und Willy Haas heftig kritisiert; Carl Haensel hingegen verteidigte das Vorgehen. 1947 schlug der spätere DDR-Kulturminister Johannes R. Becher vor, den Nachlass in einem der Berliner Schlösser unterzubringen, was Benvenuto Hauptmann jedoch sofort ablehnte. Ebenso lehnte er 1949 den Vorschlag Lennart Bernadottes ab, auf der Insel Mainau ein Hauptmann-Forschungsinstitut zu errichten. 1951 scheiterten die Verhandlungen des S. Fischer Verlags, Gerhart Hauptmanns Verlag zu Lebzeiten, mit Benvenuto Hauptmann über die Nachlass-Publikation. Die Verlagsrechte an Hauptmanns Werk gingen schließlich an den C. Bertelsmann Verlag, der sie Ende 1959 an den Propyläen Verlag weitergab. Dessen damaliger Leiter Albrecht Knaus war bereits 1945 als Leutnant der Wehrmacht an der Rettung des Hauptmann-Nachlasses beteiligt gewesen, indem er 400 Liter Benzin aus dem Vorrat des LVII. Panzerkorps für den Transport der Unterlagen zweckentfremdete. In diesem Zusammenhang entbrannte zwischen Hauptmann, Ebermayer und Behl erneut eine Kontroverse über den Verbleib des Nachlasses, die Anfang 1962 jedoch weitgehend beigelegt werden konnte. Schließlich betraute Benvenuto Hauptmann Wolfgang Kayser mit der Herausgabe einer kritisch revidierten Gesamtausgabe der Werke Gerhart Hauptmanns. Nach Kaysers plötzlichem Tod ging diese Aufgabe an Hans-Egon Hass über.

Zudem gab es bis Anfang der 1960er Jahre zahlreiche rechtliche Auseinandersetzungen zwischen Benvenuto Hauptmann und seiner Mutter Margarete (bis zu deren Tod 1957) auf der einen und Gerhart Hauptmanns Söhnen Ivo, Eckart und Klaus Hauptmann aus seiner ersten Ehe mit Marie Thienemann auf der anderen Seite. Gerhart Hauptmann hatte seine vier Söhne mit jeweils 12,5 Prozent und seine Ehefrau mit 50 Prozent als sogenannte Vermächtnisnehmer eingesetzt. Als solche sollten sie an den Einkünften aus Theateraufführungen, Buchverkäufen, Verfilmungen und anderer Verwertung beteiligt werden. Dabei verklagten sich beide Parteien gegenseitig auf die Herausgabe von Vermögenswerten.

Nachdem seine Mutter 1957 verstorben war, konnte Benvenuto Hauptmann als Erbe gemäß einer Testamentsklausel seines Vaters nicht länger Testamentsvollstrecker seines Vaters sein. Diese Aufgabe übernahm dann Helmut R. Külz, der spätere Vorsitzende der Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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