Der Verlag Widrich war ein österreichischer Kunstverlag mit Sitz in Salzburg, der zwischen 1979 und 2003 handgedruckte, signierte und limitierte Druckgrafik-Editionen österreichischer und internationaler Künstler herausgab. Bis zur Ruhendstellung erschienen einzelne Druckgrafiken und 22 Mappenwerke.Dietgard Grimmer: Hans Widrich. In: Salzburger Kulturlexikon 3.0, hrsg. Paris Lodron Universität Salzburg, Land Salzburg, Stadt Salzburg.Eintrag „Verlag Widrich“ in der Kunst- und Forschungsdatenbank basis wien (Archiv und Dokumentationszentrum für zeitgenössische Kunst, Wien) mit 32 dokumentierten Editionen. Gegründet und geleitet wurde er von Hans Widrich, langjähriger Pressechef der Salzburger Festspiele, Präsident des Salzburger Kunstvereins und Kunstsammler.Ein Leben für Kunst & Literatur: Stadtsiegel in Gold für Hans Widrich. Pressemitteilung der Stadt Salzburg vom 12. Februar 2016.
Künstler Aus der ersten Generation der österreichischen Abstraktion erschienen Editionen von Hans Staudacher und Max Weiler, aus der „Neuen Malerei“ von Erwin Bohatsch, Gunter Damisch und Hubert Schmalix. Weiters waren Markus Prachensky, Drago Prelog, Erwin Reiter, Josef Mikl, Peter Pongratz, Georg Eisler, Rudolf Hradil, Gottfried Salzmann, Ilse Sprohar, Markus Vallazza, Alfred Klinkan, Franz Graf / Brigitte Kowanz und Gustav Januš mit Arbeiten vertreten.
International publizierte der Verlag Editionen von Eduardo Paolozzi (Großbritannien), Eduardo Arroyo (Spanien), Zoran Mušič (Frankreich / Italien), Jean-Paul Chambas (Frankreich), Otto Herbert Hajek (Deutschland) und Pino Castagna (Italien); 1983 wurde die Farbradierung Studies for Utopia von Eduardo Paolozzi auf der Internationalen Grafikbiennale Ljubljana mit dem Grand Prix ausgezeichnet.Hans Widrich: Bei den Fischottern. Erinnerungen. Salzburg 2016, S. 166–168 (Abschnitt Grafikeditionen im Kapitel Neue Kunst in Salzburg – Die Galerie in der Marktgasse). Eine Besonderheit war Zoran Mušičs letztes Mappenwerk Sechs Ansichten des Canale della Giudecca (1981) mit sechs signierten Farbradierungen; gedruckt im Atelier Lacourière in Paris in einer Auflage von 130 Exemplaren (100 nummeriert, 15 H.C., 15 E.A.).Galerie Michel Fillion, Québec: Zoran Music, Sechs Ansichten des Canale della Giudecca – Portfolio comportant 6 gravures originales, Préface de Peter Handke, Editeur: Widrich, Imprimeur: Lacourière, Auflage 130 (100 + 15 HC + 15 EA), Format 48 × 38 cm. Handke widmete auch der Kassette Altra Venezia von Pino Castagna einen Schlusstext (beide Mappen Radierungen).
Der Pariser Jean-Paul Chambas entwarf für die Felsenreitschule zur Uraufführung des Stückes Über die Dörfer im Jahre 1982 ein viel beachtetes Bühnenbild. Dazu schuf er in der Litho-Werkstätte Bordas in Paris ein Porträt von Peter Handke, dem 1994 ein weiteres folgte.
Geschichte Erste Druckgrafik-Editionen entstanden bereits ab 1967 im Umfeld der von Hans Widrich gegründeten Galerie am Markt der Katholischen Hochschulgemeinde in der Salzburger Marktgasse. Die erste eigens beauftragte Radierfolge stammt von Markus Prachensky; es folgten Editionen von Drago Prelog (Berge), Erwin Reiter, Josef Mikl und Peter Pongratz, bei den beiden Letztgenannten in Zusammenhang mit ihren Wandmalereien im Bildungshaus St. Virgil, die sie Widrich verdankten.
1979 gründete Hans Widrich den Verlag Hans Widrich mit Schwerpunkt auf Druckgrafik, insbesondere Mappenwerken.Reinhard Kriechbaum: Galerist, Pressemensch, Tarockspieler. In: DrehpunktKultur, 12. Februar 2016.Anselm Wagner: Der Kunstverein unter der Leitung Hans Widrichs (1976–1979). Vom Künstlerverein zur Kunsthalle. In: 150 Jahre Salzburger Kunstverein. Salzburg 2009. 1997 übergab er die Leitung an seine Tochter, die Kunsthistorikerin Mechtild Widrich, die den Verlag bis zu seiner Ruhendstellung mit 1. Juli 2003 fortführte. Mechtild Widrich verjüngte das Angebot mit Künstlerinnen und Künstlern wie Kiki Kogelnik, Christian Schwarzwald, Ulrike Lienbacher, Konrad Winter sowie Helmut und Johanna Kandl (Your Way to the Top, 2001), ferner mit den US-amerikanischen Positionen Stephen R. Mathewson und Nancy Spero.
Produktion Die Auflagen wurden klein gehalten, jede Arbeit nummeriert und signiert; nach der Drucklegung wurden die Druckplatten beziehungsweise Lithografiesteine durch Markierung oder Abschleifen unbrauchbar gemacht. Für die Herstellung arbeitete der Verlag mit ausgewählten Druckwerkstätten zusammen, darunter die Werkstatt von Kurt Zein in Wien, das Atelier Bordas in Paris, die Josephine Press in Santa Monica (Kalifornien), die Radierwerkstätte Gibralfaro in Verona, das Atelier Lacourière am Montmartre, die Steindruck-Spezialisten Chavanne-Pechmann in Apetlon und die Grafische Werkstatt im Traklhaus in Salzburg. Die Künstler waren beim Druckvorgang in der Regel persönlich anwesend.
Rezeption Vom 15. Jänner bis 20. Februar 1999 zeigte die Salzburger Galerie im Traklhaus unter Leitung von Dietgard Grimmer eine umfassende Auswahl der bis dahin im Verlag erschienenen Mappenwerke und Einzelblätter unter dem Titel „Grafik-Editionen aus dem Verlag Widrich“.Eintrag zur Ausstellung „Grafik-Editionen aus dem Verlag Widrich“ in der Kunst- und Forschungsdatenbank basis wien (Galerie im Traklhaus, 15. Jänner bis 20. Februar 1999, mit Künstlerliste).Salzburger Landeskorrespondenz: Generationswechsel beim Verlag Widrich – Raus bei der Eröffnung der Ausstellung „Grafik-Editionen aus dem Verlag Widrich“. Salzburg, 15. Jänner 1999.
Arbeiten aus dem Verlag wurden in der Kunstzeitschrift Parnass und in den Salzburger Nachrichten angeboten und besprochen; die Kunst- und Forschungsdatenbank basis wien dokumentiert 32 Editionen aus dem Verlag.Hans Widrich: Wie Künstler Sammler finden. In: Salzburger Nachrichten, 23. Jänner 1999.Mechtild Widrich, Jeanette Pacher: Graphikeditionen zeitgenössischer Kunst. Die Verlegerin Mechtild Widrich im Gespräch mit Jeanette Pacher. In: Kunsthistoriker Aktuell. Zeitschrift des österreichischen Kunsthistorikerverbandes, Jg. XVIII, Heft 2/2001.
Editionen erwarben das Rupertinum und die Albertina; das Kupferstichkabinett in Wien erhielt je ein Exemplar der Editionen als Geschenk des Verlegers. Zoran Mušič schenkte je ein Exemplar seiner Giudecca dem Kunstmuseum Zürich und dem Museo Morandi in Bologna, die früh sein grafisches Werk gesammelt hatten.
Literatur Hans Widrich: Bei den Fischottern. Erinnerungen. Salzburg 2016, S. 166–168 (Abschnitt Grafikeditionen). Anselm Wagner: Der Kunstverein unter der Leitung Hans Widrichs (1976–1979). Vom Künstlerverein zur Kunsthalle. In: 150 Jahre Salzburger Kunstverein. Salzburg 2009. Mechtild Widrich, Jeanette Pacher: Graphikeditionen zeitgenössischer Kunst. Die Verlegerin Mechtild Widrich im Gespräch mit Jeanette Pacher. In: Kunsthistoriker Aktuell. Zeitschrift des österreichischen Kunsthistorikerverbandes, Jg. XVIII, Heft 2/2001. Hans Widrich: Wie Künstler Sammler finden. In: Salzburger Nachrichten, 23. Jänner 1999. Salzburger Landeskorrespondenz: Generationswechsel beim Verlag Widrich – Raus bei der Eröffnung der Ausstellung „Grafik-Editionen aus dem Verlag Widrich“. Salzburg, 15. Jänner 1999.
Weblinks Dietgard Grimmer: Hans Widrich. In: Salzburger Kulturlexikon 3.0 Eintrag „Hans Widrich“ im SALZBURGWIKI Ein Leben für Kunst & Literatur: Stadtsiegel in Gold für Hans Widrich. Pressemitteilung der Stadt Salzburg, 12. Februar 2016 Reinhard Kriechbaum: Galerist, Pressemensch, Tarockspieler. In: DrehpunktKultur, 12. Februar 2016
Einzelnachweise
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