Kosta Christow Nikolow (; * 30. November 1891 in Widin, Fürstentum Bulgarien; † 14. November 1961 in Sofia, Volksrepublik Bulgarien) war ein bulgarischer Architekt. Er gilt als Pionier des genossenschaftlichen Bauens. Bekanntheit hat er vor allem durch den Entwurf des Zentralkaufhauses (ZUM) in Sofia als auch die Gestaltung des Ferienorts Sweti Konstantin am Schwarzen Meer erlangt.

Eltern und Jugend Kosta Nikolow kam am 30. November 1891 in Widin im Nordwesten Bulgariens als Sohn eines armen Handwerkers zur Welt. Bereits im Alter von nur vierzehn Jahren wurde er zum Vollwaisen.Elka Kamburova, 2001, S. 52 Nach Abschluss der Grundschule besuchte er das Widiner Staatliche Knabengymnasium, die heutige Sekundarschule „Zar Simeon der Große“ (). (old-news.bnr, 2022; bulgarisch, Übersetzung: Boris Stoew, Stefan Iliew, Bărni Bontschew, Kosta Nikolow und Mayer Aladzhemow - bekannte Schüler des Widiner Gymnasiums) Der Pädagogische Rat der Lehranstalt beschloss, ihm aufgrund vorbildlicher Leistungen das Schulgeld zu erlassen. Zudem erhielt er ein kleines Stipendium, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. 1908 beendete er seine schulische Ausbildung mit sehr gutem Erfolg. Danach begann er seinen Militärdienst in Sofia, bei dem er in die Kriegsschule, die heutige Militärakademie „G.S. Rakowski“, aufgenommen wurde. Aufgrund einer Erkrankung musste er seine Ausbildung nach kurzer Zeit abbrechen und kehrte in seine Heimatstadt zurück. (vidin-almanac.bg; bulgarisch, Übersetzung: Kosta Christow NIKOLOW (1891–1961)) (bulgarisch, Übersetzung: Architekt, Persönlichkeit des öffentlichen Lebens und Aktivist des BIAD). , XXXIII, 9, S. 3, Sofia 2023.

Der reiche Widiner Kaufmann, Intellektuelle und Mäzen Petăr Stojanow () war von Kosta Nikolows Leistungen beeindruckt und bot ihm ein Stipendium für ein Architekturstudium an. 1909 inskribierte sich Kosta an der Königlich Bayerischen Technischen Hochschule München, der Vorläuferin der Technischen Universität München und begann sein Studium bei Professor Theodor Fischer. Im Jahre 1912 unterbrach er seine Studien, um als Soldat am Balkankrieg teilzunehmen. Nach Ende des Zweiten Balkankriegs 1913 kehrte er nach München zurück und nahm sein Studium wieder auf. Ein Jahr später konnte er es mit Auszeichnung abschließen. Darauf ging er nach Bulgarien und trat die Stelle eines Praktikanten im Ministerium für öffentliche Gebäude, Straßen und öffentliche Arbeiten in Sofia an. Mit Eintritt Bulgariens in den Ersten Weltkrieg im Jahre 1915 wurde er erneut mobilisiert. Als Zugführer der Infanterie diente er bis zum Kriegsende. Ab 1919 arbeitete er wieder an seiner alten Stelle.

Schaffen Im Jahr 1920 wagte er den Schritt in die Selbständigkeit und gründete mit Ilija Popow das Architektur-Büro Nikolow-Popow. Beide entwarfen eine Reihe öffentlicher und privater Gebäude und nahmen an Wettbewerben teil. Kosta bewahrte eine starke Bindung an seine Heimatstadt, für die er einige Bauten entwarf. Er wurde bereits in den zwanziger Jahren Mitglied der Gesellschaft Bulgarischer Ingenieure und Architekten, BIAD (). Am 12. September 1937 verschmolzen die Gesellschaft Bulgarischer Architekten und die Union Unabhängiger Ingenieure und Architekten auf die BIAD. Kosta Nikolow wurde zum Vizepräsidenten der vereinigten Gesellschaft gewählt. (uceb.eu, 2018; bulgarisch, Übersetzung: Historische Informationen zur Gesellschaft Bulgarischer Ingenieure und Architekten (BIAD)) 1937 veröffentlichte er auch seine Ansichten über eine lebenswerte Stadt.Kosta Nikolow, 1937, S. 105–106

Sein einziger Sohn begab sich in den 1940er Jahren zum Studium nach Deutschland.): (topnovini.bg, 2010; bulgarisch, Übersetzung: „Menschen und Straßen“: Menschliche Knochen sind in den Ministerrat eingebettet) Aufgrund seiner linken Gesinnung engagierte er sich dort im Widerstand. 1943 wurde er von Gestapo-Beamten ermordet und seine Leiche verbrannt. Kosta Nikolow wurde dadurch seelisch traumatisiert und geriet in eine schwere Schaffenskrise. Über seine Verbindungen gelang es ihm, einiger Teile der sterblichen Überreste seines Sohnes habhaft zu werden. Er bewahrte die Knochen eines Fingers und eine erhaltene Haarsträhne in einer Blechdose auf und legte das Gelübde ab, sein größtes Gebäude dem Andenken an sein Kind zu widmen.: (daniivanov.blogspot.com, 2020; Übersetzung: An diesem Datum: Am 15. April 1957 wurde in Sofia das ZUM eröffnet)

Nach dem 9. September 1944 fand Kosta Nikolow langsam zu seiner Schaffenskraft zurück. In der Zeit zwischen 1945 und 1947 bekleidete er das Amt des Vorsitzenden der Abteilung Architektur bei der Kammer für Volkskultur (). Von 1948 bis 1950 war er als Abteilungsleiter Architektur im Ministerium für Kommunal­wirtschaft () tätig. Bis 1960 leitete er das Studio „Glavproekt“ in Sofia und trug zur Gestaltung des Largo-Architektur­komplexes im Zentrum der Hauptstadt bei. (severozapazenabg.com, 2025; bulgarisch, Übersetzung: Erinnerung an den Architekten Kosta Nikolow – den Schöpfer von Architekturgiganten aus dem Nordwesten) 1948 bis 1955 führte er mit den Projektanten Georgi Ganew und Iwan Nikolow das Team zur Errichtung des Seebads „Warna“, 1957–1999 „Drushba“, heute „Hll. Konstantin und Elena“.Maria Dawtschewa, 2023, S. 463 Dieses wurde am 1. Juli 1956 eröffnet.Kosta Nikolow, 1957, S. 111 Im Zeitraum vom 1957 bis 1961 arbeitete er am Werk „Eine kurze Geschichte der Bulgarischen Architektur“ der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften mit und verfasste das Kapitel „Wohn- und öffentliche Gebäude, 1878–1944“.Elka Kamburova, 2001, S. 54

Nach einem schweren Herzinfarkt verstarb er am 14. November 1961.: (archive.ekip7.bg, 2018; bulgarisch, Übersetzung: Das Kino in Rasgrad ist wie modernsten Säle seiner Zeit in Paris und Venedig gestaltet)

Ehe und Familie Kosta Nikolow war verheiratet und hatte einen Sohn.

Bauten (Auswahl) Gemeinschaftsarbeiten mit Ilija Popow (Auswahl)

1926–1930: mini|Kirche »Hl. Nikolaus von Myra der Wundertäter« (2016)

Kirche »Hl. Nikolaus von Myra der Wundertäter«, ul. Baba Wida 11, Widin (). Die Kirche ist eine geostete dreischiffige Kuppelbasilika mit einer Apsis und einer inneren Vorhalle. Ihr Hauptportal wird von zwei Glockentürmen flankiert. Zwillings- und Rundfenster sorgen für den Lichteinfall. Die Fassade ist weiß verputzt. Der Bau begann im Oktober 1926. Im Oktober 1930 wurde das Gotteshaus in einer Festmesse vom Widiner Metropoliten Neofit () geweiht. Der Kircheninnenraum ist mit Fresken ausgeschmückt, die von Filip Filipow () und Herrn Scheljaskow () aus Sofia gefertigt wurden. Seit 1975 ist die Kirche als Kulturdenkmal anerkannt. Im Jahre 2009 erfolgte ihre letzte Renovierung. (rezervaciq.com; bulgarisch, Übersetzung: Kirche Heiliger Nikolaus von Myra - Widin)

1932: mini|Haus des Bergmanns (2020)

Generaldirektion der Gruben von Pernik (heute Haus des Bergmanns), pl. Hl. Iwan Rilski 1, Pernik (). Das dreigeschossige Verwaltungsgebäude wurde im Stil des Neoklassizismus entworfen. Über dem Haupteingang erhebt sich ein viereckiger Uhrturm, der mit dem Bergbausymbol Schlägel und Eisen bekrönt ist. Das Interieur ist durch Kombination von Neogotik mit Elementen der Neorenaissance, des Art déco und der Nationalromantik repräsentativ gestaltet. In der zweiten Etage liegen der neogotische Festsaal sowie die Räumlichkeiten des Bürgermeisters. (pateka.bg, 2025; bulgarisch, Übersetzung: Die Bergbaudirektion Pernik – beeindruckende Architektur und Symbol des Aufschwungs) (foundationbma.org; bulgarisch, Übersetzung: Bergbaudirektion)

Gemeinschaftsarbeiten mit Tschawdar Mutafow (Auswahl) 1934: Genossenschaftsgebäude „Heliger Georg“, ul. Knjas Boris I 60, Sofia (). Das viergeschossige Eckhaus im Stil der Moderne umfasst insgesamt 20 Wohnungen unterschiedlicher Größe. (sofia.blogspot.com, 2017; bulgarisch, Übersetzung: 6 Genossenschaftsbauten der 1930er Jahre) Seine Fassade ist durch Balkone und Erker strukturiert. (foundationbma.org; bulgarisch, Übersetzung: Genossenschaftsgebäude "Hl. Georg") Wettbewerbsbeitrag Militärklub, Lom (). (1. Preis)

Gemeinschaftsarbeit mit Todor Zlatew und Iwan Manew 1938: Kulturhaus „Entwicklung“, ul. Anthim I 1, Rasgrad (). Aufgrund Platz­mangels wurden bereits seit 1915 Spenden für einen Neubau des Kulturzentrums gesammelt. 1938 erhielten die Architekten den Auftrag für ein "Kino-Theater". Neben einem Theatersaal sollte das Gebäude eine Lounge, einen Bankettsaal (Casino) und ein Tanzsaal umfassen. Das Kino war für je 250 Sessel in Parkett und in der Galerie ausgelegt. Vor der Bühne war ein Orchestergraben eingerichtet. Durch die Kriegsereignisse konnten der Bankett- und der Tanzsaal nicht errichtet werden. Die Eröffnung des Kinos fand 1951 statt. Der Bibliotheksanbau an der linken Seite wurde 1960 eröffnet.

Eigenständige Entwürfe (Auswahl) 1912–1923: mini|Kulturhaus „Otez Païssi“ (2011)

Kulturhaus-Denkmal „Otez Païssi“, pl. Sachari Zograf 1, Samokow (). Die Idee zur Errichtung eines Gebäudes für das Kulturzentrum ist in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden. 1912 erfolgten Grundsteinlegung und Anlage des Fundaments. Aufgrund der Balkankriege und des Ersten Weltkriegs konnte jedoch mit den weiteren Arbeiten nicht begonnen werden. Kosta Nikolow entwarf Anfang der 1920er Jahre ein zweistöckiges neoklassizistisches Gebäude mit einem markanten Säulenportal. Auf dem Sims des ersten Stockwerks befindet sich eine Steinplatte mit einer Widmung für die Gefallenen. Diese ist auf beiden Seiten von Statuen mittelalterlicher Krieger flankiert. Das Kulturzentrum wurde am 23. Dezember 1923 eröffnet.

1924: Tabakfabrik „Sagorka“, ul. „Dunaw“ 56, Widin (). Das Gebäude wurde 1924 für die widiner Firma Michail Dimitrow und Söhne () erbaut, die Rohtabak aus der Umgegend von Widin zur Zigarettenherstellung nutzte. Der Entwurf stammte von Kosta Nikolow. Es wurde durch einen Brand 1926 vernichtet und durch einen größeren, stilistisch einfacher gehaltenen Neubau ersetzt.фабрика на Михаил Димитров и синове "Загорка" - Видин (explorerbulgaria.com; bulgarisch, Übersetzung: Tabakfabrik Michail Dimitrow und Söhne "Zagorka" - Widin)

1923–1925: Genossenschaftspalast „Musala“, ul. Serdika 12, Sofia (). Das Wohn- und Geschäftshaus wurde zur Zeit der Wohnungsnot kurz nach dem 1. Weltkrieg im Art-déco-Stil konzipiert. Es war eines der ersten genossenschaftlichen Bauten in Sofia. Über dem Parterre mit Mezzanin liegen vier Obergeschosse. An der Ecke der Straßen Serdika und Trijadiza erhebt sich ein Turm, der im obersten Teil mit Statuen dekoriert ist. Dieser hatte ursprünglich ein pyramidenförmiges Dach, das während der Bombardierung Sofias im 2. Weltkrieg zerstört wurde. (foundationbma.org; bulgarisch, Übersetzung: Genossenschaftspalаst Musala) Die Fassadengestaltung ist durch vertikale Elemente betont.Wassil Makarinow, 2017, S. 92–95 1978 erfolgte die Aufnahme in das Inventar der künstlerischen und architektonischen Kulturobjekte von lokaler Bedeutung.

1926: Haus von Dr. M. Minkow (heute Direktion des historischen Bezirksmuseums), ul. Zar Simeon Weliki 13, Widin (). Das neoklassizistische Eckhaus enthielt neben den Behandlungsräumen die Wohnungen der Familie Minkow sowie ihrer Dienerschaft. Das Hauptportal ist durch zwei ionischen Säulen hervorgehoben. (www.northbulgariatreasures.com; bulgarisch, Übersetzung: Das Verwaltungsgebäude des RIM - Widin in- und auswendig) Es war das erste Gebäude in Widin mit einer beim Entwurf konzipierten Zentralheizung.: (bulgarisch, Übersetzung: Architektonischer Spaziergang in Widin). Строител, X, 21, S. 20, Sofia 2018.

1920–1927: mini|Kirche »Hl. Dreifaltigkeit« (2011)