mini|Musée d’Art et d’Industrie de Saint-Étienne mini|Treppenhaus Das Musée d’Art et d’Industrie de Saint-Étienne ist ein städtisches Kunstgewerbe- und Industriemuseum im Zentrum von Saint-Étienne im Département Loire in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Es besitzt den Status Musée de France und beherbergt drei Sammlungen von nationalem und internationalem Rang: Waffen, Fahrräder sowie Bänder und Textilien.

Geschichte

Gründungsphase (1833–1889) Im Jahr 1833 beschloss die Stadtverwaltung von Saint-Étienne, einen Fonds für die Einrichtung eines Museums bereitzustellen. Die Bauarbeiten begannen 1846, gerieten jedoch in Schwierigkeiten. Nach dem Absacken des Nordflügels im Jahr 1851 wurde die Baustelle unterbrochen.

Als 1855 die Präfektur des Départements Loire von Montbrison nach Saint-Étienne verlegt wurde, erübrigte sich der ursprüngliche Zweck als Unterpräfektur. Das Projekt wurde in ein Palais des Arts mit öffentlicher Bibliothek umgewidmet und der Bau vom Pariser Architekten Desbuissons fortgeführt. Dieser errichtete ein U-förmiges Gebäude mit pavillonartigen Dächern über den Seitenflügeln.

Im Jahr 1851 wurde ein wesentlicher Teil der Waffensammlung des Marschalls Oudinot erworben. 1860 wurde eine Waffensammlung in das Gebäude aufgenommen, 1889 kam eine Bändersammlung hinzu und im selben Jahr wurde das Palais des Arts in Musée d'Art et d'Industrie umbenannt. Auf Vorschlag des Stadtrats und Generalrats Alfred Colombet entstand 1889 das Musée d’Art et d’Industrie, das die Bereiche Schöne Künste und Industrielle Künste vereinte.

20. Jahrhundert Ab 1947 strebte der Konservator Maurice Allemand, unterstützt von der Association des amis du vieux Saint-Étienne, an, das Musée d’Art et d’Industrie zu einem Ort für Moderne Kunst zu machen, und veranstaltete zahlreiche Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Für eine Erweiterung um eine Gemäldesammlung nahm der Architekt Jean Farat 1947 eine Aufstockung des Gebäudes vor. Die Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst wurde 1987 in das eigens dafür errichtete Musée d’Art moderne et contemporain de Saint-Étienne Métropole (MAMC) ausgelagert.

Renovierung und Wiedereröffnung (1996–2001) Eine vollständige Renovierung des Museums wurde 1996 eingeleitet. Das Gebäude litt unter allgemeinem Verfall, fehlender Klimatisierung, fehlenden Aufzügen und Lastenaufzügen sowie einer unzureichenden Verkabelung für die elektronische Infrastruktur. Das Büro von Jean-Michel Wilmotte führte die Renovierungsarbeiten von 1999 bis 2001 mit einem Gesamtbudget von mehr als 69 Millionen Franc (rund 10,5 Millionen Euro) durch. 2001 wurde das Museum mit neuen Einrichtungen wiedereröffnet. Das Musée d’Art et d’Industrie de Saint-Étienne versteht sich als einzigartiges Museum, das traditionelle und industrielle Techniken konserviert und darstellt. Im November 2001 wurde dem Museum eine Sammlung der ehemaligen Manufacture d’armes de Saint-Étienne (MAS) als Dauerleihgabe übergeben. Sie umfasste rund 4358 Objekte, darunter nahezu 3000 Waffen.

Architektur Das Gebäude ist U-förmig angelegt und die Seitenflügel sind mit Pavillondächern abgeschlossen. Es ist in den Hang eines ehemaligen Schieferbruchs eingebettet. Bei den Gründungsarbeiten im Jahr 1851 wurden gewölbte Ziegelkeller angelegt, die heute als museale Ausstellungsflächen genutzt werden.

Exponate (Auswahl)

Sammlungen

Waffen Die rund 6000 Jagd- und Kriegswaffen machen die Waffensammlung zur zweitgrößten öffentlichen Sammlung dieser Art in Frankreich. Sie reicht von den frühesten Feuerwaffen bis zu zeitgenössischen Jagdwaffen und dokumentiert die Kreativität der Stéphanois-Büchsenmacher (Waffenproduzenten aus Saint-Étienne).

Fahrräder Das Musée d’Art et d’Industrie besitzt die erste öffentliche Fahrradsammlung Frankreichs. In Saint-Étienne wurde 1886 das erste französische Fahrrad gebaut, wodurch der Grundstein für eine international renommierte Industrie gelegt wurde. Zu den Herstellern zählten Unternehmen wie Manufrance, Ravat und Automoto. Die Sammlung umfasst Vorläufer des Fahrrads sowie Sport- und Tourenräder aus verschiedenen Epochen.

Bänder und Textilien Saint-Étienne ist das bedeutendste kreative Zentrum der Bandweberei. Das Museum beherbergt die weltweit größte Bändersammlung sowie Maschinen, Zubehör, Werkzeug und Einrichtungsgegenstände, die das traditionelle Handwerk und sein besonderes berufliches Umfeld dokumentieren. Kunsthandwerkliche Objekte wie Keramik, Email, Elfenbein, Miniatur, Zeichnung, Skizzen, Goldschmiedearbeiten, Medaillen und Münzen ergänzen die historische Sammlung und spiegeln die Entwurfskultur der Stéphanois-Industrien wider.

Literatur

Gilbert Gardes (Hrsg.): Grande Encyclopédie du Forez et des communes de la Loire. Bd. 2: La ville de Saint-Étienne. Horvath, Le Coteau 1984. Jacques Beauffet, Bernard Ceysson: De Léger à Baselitz. In: La Revue du Louvre et des musées de France 34, Nr. 1, 1984, S. 34–36. Bernard Moreau, Régis Neyret: 50 musées techniques rhônalpins. Guide du patrimoine rhônalpin. Le Coteau 1990. Réouverture du Musée d’art et d’industrie de Saint-Étienne. In: Le Journal des Arts, Nr. 138, 7. Dezember 2001.

Weblinks

Musée d'Art et d'Industrie de Saint-Étienne (Hrsg.): À la découverte d'un musée aux racines du design Website des Museums Sammlungen

Einzelnachweise

Kategorie:Industriemuseum in Frankreich Kategorie:Museumsgründung 1889 Kategorie:Organisation (Saint-Étienne) Kategorie:Museum für Angewandte Kunst Kategorie:Angewandte Kunst (Frankreich)