Die leges Pompeiae (lateinisch von lex) waren Gesetze, die in der Zeit von 70 bis 52 v. Chr. vornehmlich auf den Staatsmann Pompeius zurückgehen, der in den Jahren 70 v. Chr., 55 v. Chr. und 52 v. Chr. das Amt eines Konsuls ausübte. Einige Gesetze nehmen namentlich auf Pompeius Bezug.

Erstes Konsulat Im Jahr 70 v. Chr. hob Pompeius (1. Konsulat) zusammen mit Crassus zwei staatstragende Bestimmungen der sullanischen Restaurationspolitik auf:

lex Pompeia Licinia de tribunicia potestate: Gesetz zur Aufhebung der politischen Beschränkung des Volkstribunats. Kraft ihres Amtes als Konsuln stellten sie alle Rechte des Volkstribunats wieder her.Quellen: Cicero, Reden gegen Verres 2,2,174, 2,3,97, 2,3,223; Cicero, Pro A. Cluentio Habito (Verteidigungsrede) 130, 151; vgl. auch Alexandra Eckert: Reconsidering the Sulla Myth. In: Alexandra Eckert, Alexander Thein (Hrsg.): Sulla: Politics and Reception. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2019, S. 159–172, hier S. 167.

lex Aurelia iudiciaria: Anordnung der Umbesetzung der Schwurgerichtshöfe, unter anderem auch der Gerichte für Repetundenverfahren (quaestiones de repetundis), was das Ende der ausschließlich durch Senatoren (als Geschworene) besetzten Senatsgerichtshöfe bedeutete.Quellen: Livius, Periochae XCVII; Cicero, De legibus 3,22; Appian, bella civilia 1, 121, 560; Velleius Paterculus, 2,30,4; vgl. zum Repetundenverfahren zudem: Wolfgang Kunkel, Martin Schermaier: Römische Rechtsgeschichte. 14. Auflage, UTB, Köln/Wien 2005, § 2 (Das ius civile der Frühzeit), S. 81–94.

Ebenfalls im Bündnis mit Crassus nahm Pompeius auch außerhalb eines Konsulats Einfluss auf die Gesetzgebung. Zugunsten des frisch zum Konsul gewählten Iulius Caesar veranlasste er:

lex Vatinia de imperio Caesaris: Erweiterung der prokonsularischen Amtsbefugnisse Caesars über die ihm bereits zugestandenen Provinzen Gallia cisalpina und Illyrien hinaus um die Statthalterschaft auch in Gallia Narbonensis (59 v. Chr.).Johannes Michael Rainer: Loretana De Libero, Obstruktion. Politische Praktiken im Senat und in der Volksversammlung der ausgehenden römischen Republik, 50—49 v. Chr. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte (Romanistische Abteilung), Band 112, Heft 1, 1995, S. 533–535, hier S. 535.

2. und 3. Konsulat In der Zeit 55 v. Chr. und 52 v. Chr. (2. und 3. Konsulat des Pompeius) gehen auf ihn zurück:

lex Pompeia Licinia: Verlängerung der Statthalterschaft Caesars aus der lex Vatinia de imperio Caesaris um nochmals fünf Jahre (55 v. Chr.).Stellvertretende Quellen: Cicero, Epistulae ad Atticum 7,7,6. und 9,4; Velleius Paterculus, 2,46,2; Sueton, De vita Caesarum 24; eine andere Auffassung vertrat wohl Cassius Dio, 39,33, der von drei Jahren ausging.

lex Pompeia de provinciis: Das Gesetz ordnete an, dass – zur Verhinderung magistratischer Zügellosigkeit – Prätoren und Konsuln, in Abkehr zur bisherigen Praxis, nach Ablauf ihres Amtes eine Provinz nicht mehr unmittelbar als Statthalter übernehmen durften; ihnen oblag eine Wartefrist von fünf Jahren (52 v. Chr.).Anthony J. Marshall: The Lex Pompeia de provinciis (52 B. C.) and Cicero’s Imperium in 51–50 B.C.: Constitutional Aspects. In: Hildegard Temporini (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Band 1,1: Politische Geschichte. Walter de Gruyter, Berlin/New York 1972, S. 887–921.

lex Pompeia de iure magistratuum: Mit dem Gesetz wurde durchgesetzt, dass ein persönliches Erscheinen des Bewerbers auf das Amt des Konsuls stets notwendig ist, unstatthaft hingegen eine Bewerbung in Abwesenheit (in absentis) (52 v. Chr.).Karl Barwick: Caesars Bellum civile (Tendenz, Abfassungszeit und Stil) (= Berichte über die Verhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Philologisch-historische Klasse. Band 99, Heft 1). Akademie-Verlag, Berlin 1951, S. 12. Eine Ausnahme wurde Caesar durch vollstimmigen Beschluss der Volkstribunen kraft einer absentis ratio durch Pompeius zugestanden: er durfte sich – staatsrechtlich hoch bedenklich, da gegen den Widerstand des Senats – in Abwesenheit um das Konsulat für das Jahr 48 bewerben.

lex Pompeia de ambitu: Mit dem Gesetz wurde angeordnet, dass gegen Bestechung und Korruption bei Wahlen vorzugehen sei. Im Zusammenhang mit der sich zuspitzenden Krise der Römischen Republik, kam Pompeius das Gesetz sehr gelegen um politische Gegner verfolgen zu können (52 v. Chr.).David Rafferty, Frederik Juliaan Vervaet, Christopher J. Dart: Competitive Authoritarianism on the Eve of Empire: Pompeius’s New Republic of 52 BCE. In: Frederik Juliaan Vervaet, David Rafferty, Christopher J. Dart (Hrsg.): How Republics Die: Creeping Authoritarianism in Ancient Rome and Beyond (= Studies in Ancient Civil War. Band 4). Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2025, S. 307–330, hier S. 311.

lex Pompeia de vi: Das Strafgesetz diente der Wiederherstellung der Sicherheit und Ordnung gegen die grassierende Gewalt im öffentlichen Raum. Straßenschlachten und Bandenkriege, insbesondere der Straßenterror zwischen Clodius Pulcher und Annius Milo, waren für die Regelungen final ausschlaggebend. Belohnt wurde Pompeius mit dem Konsulat sine collega (52 v. Chr.).

Literatur Karl Barwick: Caesars Bellum civile (Tendenz, Abfassungszeit und Stil) (= Berichte über die Verhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Philologisch-historische Klasse. Band 99, Heft 1). Akademie-Verlag, Berlin 1951, S. 9–15.

Anmerkungen

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