L’idée ist ein französischer Animationsfilm von Berthold Bartosch von 1932/1934.
Inhalt Einem jungen Mann erscheint eine junge nackte Frau als Idee. Er sieht sie lange bewundernd an und schickt sie dann in einem Briefumschlag in die Welt. Die mächtigen Fabrikanten, Politiker und Kleriker erschrecken vor ihr und versuchen sie zu bekleiden, was sie aber wieder ablegt. Die einfachen Massen sind begeistert von ihr. Ein junger Mann, der sich für sie eingesetzt hat, wird zum Tode verurteilt und hingerichtet. Sie lebt als Ideal weiter, wird aber unter dem Gleichmarsch vieler Soldaten getötet und entschwindet.
Entstehung Der böhmische Zeichner Berthold Bartosch arbeitete ab 1920 bei der bekannten Animatorin Lotte Reiniger in Berlin als Assistent, darunter auch an am ersten langen Animationsfilm überhaupt: Die Abenteuer des Prinzen Achmed (1926). 1930 zog er nach Paris.
Dort vermittelte ihn der erfolgreiche linke Verleger Kurt Wolff an den belgischen Grafiker Frans Masereel, der schon mehrere Bücher veröffentlicht hatte, die nur aus Holzschnitten bestanden. Sie verständigten sich darauf, dessen Buch L’idée (1920) zu einem Animationsfilm zu gestalten. Frans Masereel beendete die Mitarbeit aber etwa nach der Hälfte des Films, da ihm die vielen Zeichnungen zu aufwändig wurden. Insgesamt entstand der Film aus etwa 45.000 Einzelaufnahmen.Richard Neupert, History of Animated Cinema, John Wiley & Sons, 2011, p. 63. ISBN 978-1-4443-9257-9
Berthold Bartosch verwendete verschiedene Techniken, die er bei Lotte Reininger kennengelernt hatte, und verfeinerte sie noch.Richard Neupert, French Animation History, John Wiley & Sons, 2011, p. 76, ISBN 978-1-4443-9256-2. Die Figuren bestanden aus bemaltem Karton, die Kulissen aus mehreren Lagen Seidenpapier. Es wurden verschiedene Beleuchtungen verwendet, um auch die Vorderseite der Figuren zur Geltung zu bringen. Rauch und Nebel wurden mit Seifenschaum auf Glasplatten erzeugt, der von unten beleuchtet wurde. Benutzt wurde ein Tricktisch aus mehreren Ebenen. Die Idee verkörperte das Ideal der Menschlichkeit, eines humanen Sozialismus.
Aufführungen und Rezeption Der Film wurde erstmals am 29. Januar 1932 in einer geschlossenen Voraufführung in Paris gezeigt, bei der auch der belgische Maler Henry van de Velde und die Schriftsteller Stefan Zweig und Klaus Mann anwesend waren.Jacques Tchamkerten, Comment L'Idée devient musique, in Peter Jost (ed.), Arthur Honegger, Peter Lang, Stuttgart 2009, S. 229–250, hier S. 232. ISBN 978-3-03911-283-8. Dieser würdigte den Film als von höchstem ethischen und artistischen Pathos.Hans Emons, Film – Musik – Moderne. Zur Geschichte einer wechselhaften Beziehung, Frank & Timme, 2014, S. 65. ISBN 978-3-7329-0050-3
Berthold Bartosch gewann danach den bekannten österreichischen Komponisten Arthur Honegger, eine Musik für den Film zu schreiben. Dieser komponierte sie für das Instrument Ondes Martenot, als wahrscheinlich erste elektronische Filmmusik. Diese Fassung wurde Ende 1934 in London uraufgeführt und danach in mehreren Ländern gezeigt. In den folgenden Jahren nahmen die Aufführungen wegen der repressiveren Politik in den Ländern ab und der Film geriet langsam weitgehend in Vergessenheit.
Danach wurde er von verschiedenen Medienwissenschaftlern und Filmexperten als einer der künstlerisch bedeutendsten Animationsfilme seiner Zeit gewürdigt. 1984 wurde er bei einer Wertung der besten Animationsfilme aller Zeiten in Los Angeles auf den 26. Platz gewählt.
Literatur William Moritz: Bartosch's The Idea. In: Jayne Pilling (ed.): A Reader In Animation Studies John Libbey Publishing. 1998. pp. 93–103
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1932 Kategorie:Kurzfilm Kategorie:Französischer Film Kategorie:Sozialismus Kategorie:Zeichentrickfilm Kategorie:Literaturverfilmung Kategorie:Arthur Honegger