mini|Daniel Dezeuze (1995) Daniel Dezeuze (* 1. Februar 1942 in Alès, Département Gard) ist ein französischer Maler, Bildhauer und Zeichner. Er lebt und arbeitet in Sète. Er ist der Sohn des Künstlers Georges Dezeuze.

Leben Daniel Dezeuze studierte von 1959 bis 1962 an der École des Beaux-Arts in Montpellier sowie an der dortigen Universität, an der er 1965 ein Diplom in Spanisch und Literatur erwarb. Von 1964 bis 1965 studierte er außerdem Architektur in Mexiko-Stadt. Anschließend war er von 1965 bis 1966 als Kulturattaché des französischen Konsulats in Toronto tätig und lehrte von 1966 bis 1967 als Dozent an der dortigen Universität. Von 1967 bis 1970 setzte er sein Studium an der Sorbonne fort und schloss es 1970 mit einer Promotion ab. Bis 1972 war er künstlerisch in Paris tätig. Es folgten Lehrtätigkeiten: von 1973 bis 1974 an der École des arts décoratifs in Nizza, von 1974 bis 1975 an der École des beaux-arts in Bourges und anschließend an der École des beaux-arts in Montpellier.

Werk

Frühwerk Bereits mit seinen ersten Arbeiten um 1965 – Collagen auf Albenseiten sowie geometrische Einsätze – stellte Daniel Dezeuze die traditionelle Malpraxis infrage. Zwischen 1967 und 1970 radikalisierte er dieses Anliegen mit einfachen, auf den Boden gestellten oder an eine Wand gelehnten Rahmen. Dabei versteht er die Malerei nicht als Fiktion, sondern als Struktur, die Erscheinungsformen zufällig entstandener Flächen – sogenannte Mikro-Ereignisse – aufnimmt und den Betrachter zur Untersuchung der äußeren Erscheinung des Raumes anregt. Seine Begeisterung für chinesische Philosophie, insbesondere für den Taoismus, verleiht dem Vakuum bei der Darstellung des Raumes eine besondere Bedeutung.

Supports/Surfaces (1969–1972) Während seiner Mitwirkung in der Gruppe Supports/Surfaces (1969–1972) schuf er Variationen zum Thema Rahmen. Wie die Arbeiten von Claude Viallat, Patrick Saytour und Louis Cane sind auch seine Rahmen als capteurs du monde signifiant an der Zerlegung der Struktur des illusionistischen Raumes beteiligt. 1972 trennte er sich von der Gruppe Supports/Surfaces sowie von der Zeitschrift Peinture, cahiers théoriques, deren Mitbegründer er gewesen war.

Werkentwicklung (1975–1989) Von 1975 bis 1978 setzte er seine künstlerischen Untersuchungen zum Verschwinden des Bildes durch Zweckentfremdung von gebrauchten Materialien und Materialträgern fort. Die Rahmen wurden dabei von Holzlatten, abgerollten Maßbändern, Fachwerkelementen und ausgebauten Türen abgelöst. Auch wenn durch Letztere die poetische Dimension des Objet trouvé eingeführt wird, greift Dieser stets in das Objekt ein, beispielsweise hinsichtlich Farbe, Form und Präsentation. Dadurch erscheinen seine Werke auch als Zeichnungen im Raum. Ab 1976 entstanden Zeichnungen als eigenständige Kunstwerke: Feder- und Bleistiftzeichnungen, die an zeichenhafte Darstellungen primitiver Kunst erinnern, wie die Serie Collimateurs, sowie geometrische Formen in Rötel oder Kohle. Nach einer Variante mit Gaze arbeitete Dieser ab 1985 an der Serie Armes (Waffen), die er durch Zeichnungen zum Thema Krieger ergänzte. Diese sogenannten Waffen sind Assemblagen aus Altmaterial, das Daniel Dezeuze in der Umgebung seines Hauses aufgelesen hat. Die Assemblagen zerteilen den Raum wie Vorrichtungen. Ihre Quellen werden dabei unmittelbar aus dem Alltäglichen geschöpft. Die Thematik verweist auf den Angriff des Sehens durch die Suggestion ballistischer Linien sowie auf das Symbol der niedergelegten Waffen. Die Serie findet mit dem Werk Par une forêt obscure (1989) ihren Abschluss.

Spätere Werkphasen In späteren Werkphasen ging Daniel Dezeuze von den Waffen zu Objets de cueillette (Sammelobjekte) über. Dieser Übergang wird vom Zyklus La vie amoureuse des plantes begleitet, der Zeichnungen enthält, die, ohne deskriptiv zu sein, intime Bewegungen der Natur suggerieren. Die Objets de cueillette weisen Anklänge an Werke der Art brut auf. Da sie zugleich mit der Falle, dem Schmetterlingsnetz und dem Einkaufskorb verbunden sind, ohne eine wirkliche Funktion zu erfüllen, beschreibt der Künstler sie als Sammelbecken seiner errungenen Freiheit. In seinen jüngsten Werken kehrt Daniel Dezeuze zur Malerei zurück und präsentiert die Rückseiten monochromer, in Pastellfarben bemalter Leinwände. Damit weicht er erneut von der Ordnung der Kategorien ab und vermischt künstlerische Genres.

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen

1971–1987, 1991: Paris, Galerie Yvon Lambert 1976: Rom, Galleria Dalessandro-Ferranti; Bourges, Maison de la Culture (Katalog) 1977: New York, Julian Pretto Gallery 1978: Mailand, Galleria Artra Studio (Katalog); Köln, Galerie Rudolf Zwirner 1980: Saint-Étienne, Musée d'Art et d'Industrie (Katalog); Les Sables-d'Olonne, Musée de l'Abbaye Sainte-Croix 1987: Den Haag, Haags Gemeentemuseum (Katalog) 1989: Paris, Centre national des Arts plastiques; Villeneuve-d'Ascq, Musée d'Art Moderne (Katalog) 1993: Paris, MNAM, Cabinet d'Art graphique: D.D. La vie amoureuse des plantes (Katalog) 1998: Nîmes, Musée d'Art Contemporain; Marseille, Galerie Athanor

Gruppenausstellungen

1969: Paris, Biennale 1970: Paris, Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris, ARC: Support/Surface 1981: Bielefeld, Kunsthalle: Blickfelder 81. Malerei in Frankreich heute (Katalog) 1982: Oxford, Museum of Modern Art: The Subject of Painting (Katalog) 1990: Düsseldorf, Kunstmuseum: 1968. Konkrete Utopien in Kunst 1991: Saint-Étienne, Musée d'Art Moderne: Supports/Surfaces (Katalog) 1995: Paris, MNAM: Du trait à la ligne 1998: Paris, Jeu de Paume: Les années Supports/Surfaces; New York, Guggenheim Museum: Rendez-vous

Literatur

Contemporary Artists. St. James Press, Chicago / London 1983. Marcelin Pleynet: Daniel Dezeuze. Ausstellungskatalog, Galerie Yvon Lambert, Paris 1971. Christian Prigent: Comme la peinture. P.O.L, Paris 1983. Bernard Ceysson (Vorw.): Supports/Surfaces. Ausstellungskatalog, Musée d’Art Moderne de Saint-Étienne, Saint-Étienne 1991. Joëlle Pijaudier-Cabot u. a.: Daniel Dezeuze. Ausstellungskatalog, Paris 1989. Daniel Dezeuze. La vie amoureuse des plantes. Ausstellungskatalog, Paris 1994. Christoph Wilhelmi: Künstlergruppen in West- und Nordeuropa einschließlich Spanien und Portugal seit 1900. Ein Handbuch. Hauswedell, Stuttgart 2006.

Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 4: Cossintino – Dyck. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.

Weblinks Website des Künstlers Templon Ceysson & Bénétière Einzelnachweise

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