mini|Armin A. Pangerl, Art Brut Biennnale, Hengelo (2026) Armin Andreas Pangerl (* 13. Mai 1965 in Bayreuth) ist ein deutscher Künstler, der im Feld der abstrakten Kunst und der Art brut arbeitet.
Werdegang Armin Pangerl wurde 1965 als Sohn des Polizeibeamten Anton Pangerl und dessen Ehefrau Monika geboren. Mit drei Brüdern wuchs er in Bayreuth, Lörrach und Lahr/Schwarzwald im Schwarzwald auf. In der Kindheit malte und zeichnete er hauptsächlich abstrakt. Nach dem Realschulabschluss lebte er fünf Jahre in Mannheim, absolvierte dort von 1983 bis 1985 eine Lehre zum Betonbauer und war anschließend als Bauarbeiter, Stanzer und LKW-Fahrer tätig. Während seines Wehrdienstes in Stadtallendorf erkrankte er 1988 erstmals an einer Psychose mit einem Klinikaufenthalt im Bundeswehrkrankenhaus in Gießen, 1989 folgte ein zweiter Schub. Bei einem Aufenthalt in der Psychosomatischen Klinik in Ottenhöfen begann er künstlerisch zu arbeiten.
Von 1989 bis 2000 arbeitete Pangerl für einen Sicherheitsdienst und besuchte daneben von 1990 bis 1993 das Abendgymnasium. Nach dem Abitur studierte er ab 1995 Kunstgeschichte, Neue Geschichte sowie Mathematik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, konnte aber nach eineinhalb Semestern aufgrund einer ersten Krebserkrankung 1996 das Studium nicht fortführen. Er ließ sich als freier Künstler und Autor nieder und absolvierte ab 2003 eine Ausbildung zum Mediengestalter für Print und Digitalmedien beim Berufsbildungszentrum in Freiburg im Breisgau. 2008 und 2010 überstand er weitere Krebserkrankungen, begleitet von psychiatrischen Klinikaufenthalten. Er arbeitet und lebt mit seiner Familie in Lahr.
Projekte, Initiativen und Mitgliedschaften 1994 war Pangerl Gründungsmitglied und später Ehrenmitglied des Vereins Die Brücke e.V. Hilfsgemeinschaft für Menschen in psychischer Not.
2004 gründete er mit einigen Patienten, Angehörigen und Menschen aus dem therapeutischen Bereich in den Räumen des sozialpsychiatrischen Dienstes im Landratsamt in Lahr die Künstlergemeinschaft Das Atelier Lahr für Menschen mit psychischem Handicap sowie die Plattform kuenstler-patenschaften.de, um künstlerisch tätige Menschen zu unterstützen, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und sie miteinander zu vernetzen. 2005 wurde „Das Atelier & www.kuenstler-patenschaften.de“ für den Preis für Gesundheitsförderung und Prävention der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK) nominiert.
Im Jahr 2007 war Pangerl Mitorganisator der Kunstmesse Outsider Art Markt in der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg. Seit 2017 ist er Mitglied der European Outsider Art Association (EOA) und gehört seit 2026 dem Kuratorium des Euward an.
Künstlerisches Wirken mini|hochkant=1.2|One Million: etwa 100.000 Kreuze auf einer Fläche von 1,50 m × 2,00 m, 2016 Armin Pangerls frühe Werke mit Acrylfarben auf Leinwand sind hauptsächlich abstrakt, später auch zunehmend konzeptionell. Dabei entstanden oft Serien und Reihen von Bildern, die sich thematisch ähneln ohne die Bildmotive zu wiederholen. Eine Ausnahme bildet Pangerls langjähriges Projekt One Million. Hierbei malte er mit Tuschepinsel über eine Million Kreuze unterschiedlicher Größe, die auf den Bildern „dynamische Verdichtungen und Streuungen“ bilden, amorphe Gebilde, die „wirken wie ein Ozean, wie Regentropfen oder Wassermoleküle“.
Neben seiner rein malerischen Tätigkeit schreibt Pangerl Kurzgeschichten, Gedichte und malt Bilder, in denen er seit 2008 Schrift- und Bildkunst kombiniert, wobei die Grenze zwischen Text und Bild fließend ist und sich beide Formen teilweise inhaltlich ergänzen oder kommentieren. Andere Arbeiten zeichnen sich dadurch aus, dass Text und Bild unabhängig voneinander sind. „Der Text ist in ein asymmetrisches Raster von Zeichnungen eingebettet, die keine illustrative Funktion in Bezug auf das Geschriebene haben“. Für seine oft von Texten begleiteten Zeichnungen mit geometrischen Formen und Mustern benutzt er hauptsächlich Blei- und wasservermalbare Buntstifte, Kugelschreiber und vereinzelt Füller.
Seit 2013 verwendet er diese Technik in seinen Tagebuchblättern. Seine komplexen Werke entspringen einem inneren Bedürfnis. Er „verarbeitet seine Gedanken und Gefühle künstlerisch. Er schreibt und malt, was ihm durch den Kopf geht“. Das Niederschreiben von seinem „gesamten Tagesablauf in so assoziativen Gedankenfolgen“ erlaubt einen Einblick in den Kopf des Künstlers. „Hier spürt man wirklich, wie Kunst so zu einem Lebenselixier wird oder zu einem Mittel Heilung zu erfahren“, das Pangerl „ermöglicht durch das Niederschreiben und das fast meditative Schreiben diesen Schmerz“ seiner Erkrankung zu ertragen. Die zutiefst persönlichen Texte sind aus der Ich-Perspektive geschrieben, vermitteln einen Eindruck über die momentane innere Befindlichkeit, spiegeln Erfahrungen und Gefühle wider oder halten Alltagserlebnisse, biografische oder anekdotenhafte Bemerkungen fest. „Absurdes steht neben Banalem, eigene Texte und Gedankensplitter werden in die Arbeiten integriert“.
Armin Pangerls bildnerisches Gesamtwerk umfasst über 1200 Gemälde und Zeichnungen. Er beteiligt sich regelmäßig an Ausstellungen, unter anderem wurden seine Werke 2025/2026 in der Sammlung Prinzhorn und 2026 im open art museum gezeigt. Im selben Jahr erhielt er eine Einladung zur Teilnahme an der Art Brut Biennale in Hengelo.
Arbeiten von Armin Pangerl wurden in regionalen Autorenwettbewerben oder bei Kunstpreisen ausgezeichnet, darunter 2021 beim 24. Kunstpreis Ermutigung – Kunst behinderter Menschen in Fürstenwalde/Spree und erneut 2022 für „Blatt 70-2021“ beim 25. Kunstpreis, außerdem beim Autoren- und Schreibwettbewerb Leserabe in der Sparte Lyrik 2021 für „Das Rauschen Der Raben“ mit dem 2. Platz und 2025 für „Ich steige hinauf“ mit dem 3. Platz sowie beim Kunstpreis des Landespsychiatrietages So gesehen in Baden-Württemberg als Finalist in den Jahren 2021 und 2024.
Ausstellungen (Auswahl) mini|Bögen und Kreuze (Chaos), Lahr (2025) mini|Ausstellung Sammlung Prinzhorn, Kuratorin Ingrid von Beyme und Künstler Armin Pangerl (2025) mini|Ausstellung open art museum, St. Gallen (2026) 2004: One Million & Verortung. Kunsthalle Altdorf in der Synagoge Altdorf (Einzelausstellung) 2007: Industriemuseum Oberhausen (Zinkfabrik Altenberg) aus Anlass des Dienstleistungswettbewerbs des Wirtschaftsministeriums NRW 2011/2012: Projekt Grenzgänger. E-Werk Freiburg, Museum Bärengasse Zürich, Schlachthof Lahr, Murate Kunstquartier Florenz, Museum für Kommunikation Berlin (Wanderausstellung) 2018: Kunst im Turm Haigerloch 2020: Kunst im Ausnahmezustand – 145 kreative Statements aus den ersten Monaten mit Corona. open art museum, St. Gallen, Schweiz 2021: Es ist normal, verschieden zu sein. Ehemalige Synagoge Kippenheim (Ausstellung mit dem Offenen Atelier Lahr) 2022: So Gesehen 2021. Kunstpreis des Landespsychiatrietages 2021. Unter anderem: Sammlung Prinzhorn Heidelberg, Neues Schloss Meersburg, Museum für Neue Kunst Freiburg, Living Museum Alb Buttenhausen (Wanderausstellung) 2023: Inspiration Outsider Art – 30 Jahre Sammlung Demirel, Forum Billebrinkhöhe, Essen 2023: Stumme Spuren. Galerie im Alten Wiehrebahnhof / Kommunales Kino Freiburg, Freiburg im Breisgau (mit Adam Nidzgorski und Leonello Falllacara) 2024: So Gesehen 2023. Kunstpreis des Landespsychiatrietages 2023. Unter anderem: Sammlung Prinzhorn Heidelberg, MuSeele im Christophsbad Göppingen, Neues Schloss Meersburg, Galerie Kunstperipherien Karlsruhe, Living Museum Alb Buttenhausen (Wanderausstellung) 2025: Bögen und Kreuze (Chaos). Kunst im öffentlichen Raum, Banner im Kreisverkehr Lahr, Mai bis September 2025/2026: Wer bin ich? Bilder der Identitätssuche in der Sammlung Prinzhorn. Sammlung Prinzhorn, Heidelberg, (mit öffentlichem Künstlergespräch Kuratorin Ingrid von Beyme und Armin Pangerl: „Ich werde verrückt. Ich falle auseinander.“) 2026: 6. Art Brut Biennale, Hengelo 2026: Komm Glüückck. open art museum, St. Gallen, Schweiz (mit öffentlichem Künstlergespräch Kuratorin Isabelle Zürcher und Armin Pangerl.)
Gemälde, Zeichnungen als auch Tagebuchblätter von Armin Pangerl befinden sich durch Schenkung oder Aufnahme unter anderem in der Sammlung Freundeskreis Willy-Brandt-Haus Berlin, der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg, dem open art museum in St. Gallen, der Sammlung Dammann, der Sammlung Peter Bolliger, der Sammlung Turhan Demirel, der Galerie Henry Boxer, der Sammlung Eckhard-Busch und dem Deutschen Tagebucharchiv in Emmendingen.
Veröffentlichungen (Auswahl) Verschiedene seiner Texte sind in Sammelbänden und Zeitschriften erschienen: Auf dem Weg zu mir. In: Eppendorfer – Zeitung für Psychiatrie & Soziales. Neustadt in Holstein 2000 Auf dem Weg zu mir. In: Sibylle Prins (Hrsg.): Vom Glück: Wege aus psychischen Krisen. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2003, ISBN 3-88414-347-6, S. 121 ff. »Outsider Art Markt« in der Sammlung Prinzhorn. In: Brückenschlag – Zeitschrift für Sozialpsychiatrie, Literatur, Kunst. Band 25: Wahn – Sinn – Wirklichkeit. Paranus Verlag, Neumünster 2009, S. 181 Ich steige hinauf. In: Heimat Schöne Ortenau. Karin Jäckel (Hrsg.), Edition Blaue Stunde, Oberkirch 2025, ISBN 978-3-9483-6615-5, S. 186–187
Selbstveröffentlichungen: Bilder Buch: Arbeiten auf Papier. epubli, Berlin 2018, ISBN 978-3-7467-0495-1 (74 S.) Tagebuchblätter 2013–2018: Ein Erfahrungsbericht. epubli, Berlin 2018, ISBN 978-3-7467-0283-4 (228 S.) und ISBN 978-3-7467-9733-5 (27 S., E-Book) Ungebrochen: Straßentagebücher. epubli, Berlin 2018, ISBN 978-3-7467-9679-6 (40 S.) und ISBN 978-3-7467-9726-7 (E-Book) Erotic Art: Die etwas andere Art von Erotic. epubli, Berlin 2018, ISBN 978-3-7467-9750-2 (27 S., E-Book) Bilderbuch 2005. epubli, Berlin 2018, ISBN 978-3-7467-9804-2 (74 S., E-Book) Gedanken los lassen. epubli, Berlin 2018, ISBN 978-3-7485-0002-5 (96 S.) und ISBN 978-3-7467-9990-2 (E-Book)
Literatur Turhan Demirel: OUTSIDER-Künstler im Porträt. Rediroma Verlag 2025, ISBN 978-3-86870-742-7, S. 91–93
Weblinks
Website Armin Andreas Pangerl Armin Andreas Pangerl auf der Website des open art museums Film des Kulturamtes Lahr vom 14. Januar 2022: Zu Gast im Atelier von Andreas Armin Pangerl
Einzelnachweise Biografie. In: Website Armin Andreas Pangerl. Abgerufen am 12. Mai 2026
Banner Kreisverkehr Lahr. In: Website Armin Andreas Pangerl. Abgerufen am 12. Mai 2026
Exposanten. Armin Andreas Pangerl. In: Art Brut Biennale. Abgerufen am 12. Mai 2026
Kunstpreis „so gesehen“ in Baden-Württemberg verliehen. In: art-transmitter.de vom 2. August 2024. Abgerufen am 12. Mai 2026
Gangolf Peitz: „6. Art Brut Biënnale im Mai im niederländischen Hengelo“. In: art-transmitter.de vom 2. Januar 2026. Abgerufen am 12. Mai 2026
Leserabe-Schreibwettbewerbs 2021. In: autorennetzwerk-ortenau.de Abgerufen am 12. Mai 2026
Heimat – Schöne Ortenau. In: autorennetzwerk-ortenau.de. Abgerufen am 12. Mai 2026
Hans-Dieter Fronz: Der Bösartigkeit nicht fähig. In: Badische Zeitung vom 27. Oktober 2023. Abgerufen am 12. Mai 2026
Vera Doering: Grenzgänger und ihre Kunst. In: Badische Zeitung vom 11. Oktober 2011. Abgerufen am 12. Mai 2026
Sandra Decoux: Tiefe Einblicke in die Seelenwelt. In: Badische Zeitung vom 12. Mai 2022. Abgerufen am 12. Mai 2026
Bunt, kreativ und heilsam. In: Badische Zeitung vom 18. Juni 2005. Abgerufen am 12. Mai 2026
Armin Pangerls Kreuzweg. In: Badische Zeitung vom 29. Januar 2004. Abgerufen am 12. Mai 2026
Juliana Eiland-Jung: In der Welt der Blätter: Armin Pangerl aus Lahr verarbeitet in seinen Werken auf Papier die täglichen Eindrücke. In: Badische Zeitung vom 20. Juni 2022. Abgerufen am 12. Mai 2026
Armin Andreas Pangerl. In: Henry Boxer Gallery. Abgerufen am 12. Mai 2026
Entstehung und Entwicklung des Vereins. In: Die Brücke – Hilfsgemeinschaft für Menschen in psychischer Not, Lahr e.V. Abgerufen am 12. Mai 2026