Johanna Louise Elisabetha Wilhelmine Friederike Sophie Henriette Heßemer (* 30. April 1811 in Rüsselsheim; † 11. September 1869 ebenda) war eine deutsche Pädagogin. Sie gründete die erste Kleinkinderschule im Großherzogtum Hessen.

Leben und Familie Luise Heßemer war die Tochter von Georg Philipp Heßemer, Weinhändler und Bürgermeister von Rüsselsheim, und der Charlotte Marie Sophie Friederike Christiane Heßemer geb. von Grolmann.

Während der Napoleonischen Kriege zog die Mutter mit den Töchtern nach Darmstadt zu Verwandten. Nach Kriegsende kehrte die Familie nach Rüsselsheim zurück.

Da die Eltern den Unterricht an der Rüsselsheimer Volksschule ablehnten, wurden Luise Heßemer und ihre beiden Schwestern im Elternhaus unterrichtet. Der Unterricht wurde anfangs von den Eltern und später von Privatlehrern durchgeführt.

Heßemer absolvierte eine Ausbildung in einer Diakonissenanstalt in Kaiserswerth. Dort arbeitete sie in der Seelsorge und lernte eine frühe Form der Kleinkinderschule kennen.

In ihren letzten Lebensjahren litt Heßemer an einer Herzerkrankung. Sie starb im September 1869 im Alter von 58 Jahren in Rüsselsheim.

Pädagogisches und soziales Wirken Nach ihrer Rückkehr aus Kaiserswerth eröffnete Heßemer am 1. September 1842 in einem Nebengebäude des väterlichen Wohnhauses am Rüsselsheimer Maindamm eine „Kleinkinder-Bewahranstalt“. Das Gebäude war derselbe Ort, an dem sie zuvor Privatunterricht erhalten hatte. Es war die erste dokumentierte Einrichtung dieser Art im Großherzogtum Hessen.

Wegen steigender Kinderzahlen reichten die Räume bald nicht mehr aus. Ihr Vater baute deshalb 1845 ein neues Gebäude in der Frankfurter Straße (heutige Hausnummer 25).

Neben der Kinderbetreuung war Heßemer in Rüsselsheim in der Krankenpflege tätig und stellte dafür eigene Heilsalben her.

Nachwirkung und Ehrungen Das von Georg Heßemer errichtete Gebäude in der Frankfurter Straße 25 steht unter Denkmalschutz. Ab 1946 wurde es als städtischer Kindergarten genutzt, später als Jugendtreff. Nach einer Phase des Leerstands bauten Eltern und Erzieher das Haus um. Im Oktober 2004 eröffnete dort die Kindertagesstätte „Kinderhaus Rüsselsheim“.

Im Jahr 2004 nahm die Stadt Rüsselsheim Heßemer in das städtische Projekt „Leuchtende Vorbilder der Stadt Rüsselsheim am Main“ auf. Im Ratssaal des Rathauses befinden sich seither ihr Schattenporträt und eine Lichtminiatur des Künstlers Vollrad Kutscher.

Ihr historischer Grabstein wurde restauriert und im April 2026 auf dem Alten Seilfurter Friedhof in Rüsselsheim im Beisein des Oberbürgermeisters und ihrer Nachfahren der Öffentlichkeit übergeben.

Weblinks Luise Heßemer auf ruesselsheim.de (Stadt Rüsselsheim am Main) Unser Haus auf kinderhaus-ruesselsheim.de (Kinderhaus Rüsselsheim e.V.) Broschüre Leuchtende Vorbilder auf main-ruesselsheim.de (Stadt Rüsselsheim am Main, PDF) Ausstellungsbereich Lebenszeit – Familie auf museum-ruesselsheim.de (Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim)

Einzelnachweise

Kategorie:Pädagoge (19. Jahrhundert) Kategorie:Person (Rüsselsheim am Main) Kategorie:Geboren 1811 Kategorie:Gestorben 1869 Kategorie:Frau